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Meldung aus Brasilien : Frühstücksfest und Strandräuber

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"Wir machen Weltmeister"-Gewinner glücklich in Salvador da Bahia gelandet

Nach gut zehnstündigem Flug, davon drei ein wenig wackligen, hat unser Gewinnerduo von "Wir machen Weltmeister", Fußballer Niklas Dietrich und Betreuer Mario Werner vom TSV Goldberg, sein Ziel erreicht: Salvador da Bahia, Brasiliens frühere Hauptstadt, direkt am Südatlantik gelegen. Das Land am Zuckerhut empfängt die Reisenden um 2.30 Uhr Ortszeit mit 22 Grad, ein paar Regentropfen und der Meldung des Flugkapitäns, dass in der Nacht an unserem Zielort Salvador, wo am Dienstag Deutschland auf Portugal trifft, die Niederlande Weltmeister Spanien mit 5:1 geschlagen hat. Das sorgt für allgemeine Heiterkeit unter den rund 200 Passagieren des Air-Berlin-Airbusses. Sie alle, darunter als Stargast Reiner "Calli" Calmund, sind mit Sportreiseveranstalter Vietentours in Brasilien. Einige sogar bis zum Finale.

Erster Programmpunkt: Caipirinha-Frühstück morgens um vier. Das war eigentlich als Welcome-Diner geplant, doch zeichnen sich Verzögerungen in Sachen Hotel ab. Das wird aktuell noch von Holländern bewohnt. Aber weil die nach dem Kantersieg ihrer Oranje-Elf die Nacht zum Tage machten, rechnet niemand ernsthaft damit, dass sie wirklich pünktlich auschecken werden. Und so geht es in ein Restaurant, das auf seiner überdachten Terrasse alle 200 Leute locker unterbringt.

Das Frühstück wird zu einem regelrechten Fanfest. Stimmung? Kein Problem in Brasilien, auch nicht um diese Zeit. Das Caipi-Frühstück wird begleitet von einer Band nebst acht Sambatänzerinnen, die, in der Kluft ihrer brasilianischen Selecao herumwirbelnd, sichtlich Spaß haben - und von Caipirinhas, soviel jeder will. Niklas nimmt natürlich keinen, er ist schließlich Sportler und erst 15 und hält sich lieber an Mineralwasser. Begleiter Mario Werner lässt sich neben einem starken, würzigen brasilianischen Kaffee zumindest zu einem überreden.

Als es gegen halb sechs hell wird - abends wird es ebenfalls gegen halb sechs schon wieder dunkel - stellt sich heraus, dass das Lokal direkt am Ozean liegt. Das war in der Finsternis nicht zu erkennen. Davon, an den Strand auf der anderen Straßenseite zu gehen, wird allerdings abgeraten. Wenn, dann nur in größeren Gruppen, ohne Uhren und andere Wertgegenstände. Die begleitenden Security-Leute lassen überdies eine Warnung durchsagen, dass die deutsche Reisegruppe bereits vom Strand aus unter Beobachtung von Langfinger-Banden stehe, die gerade zur WM auf reiche Beute hoffen.

Der Tag geht weiter mit einer Stadtrundfahrt und einer Besichtigung der Altstadt. Letztere natürlich zu Fuß. "Nur gut, dass hier gerade Winter ist", scherzt Mario Werner angesichts schwüler 30 Grad, als er im Zentrum der 2,7-Millionen Einwohner zählenden Stadt aus dem Bus steigt? Zu entdecken, wie schön die Altstadt wirklich sein dürfte, müssen sich die WM-Reisenden allerdings für später aufheben. Jetzt bekommen sie nur einen ersten Eindruck, immer wieder unterbrochen von starken Regenschauern, die sie immer wieder zwingen, in einem der vielen Läden Unterschlupf zu suchen.

Die sind gerammelt voll. Die Ladenbesitzer stört das nicht, sie sind das so gewöhnt in dieser Jahreszeit. Vielleicht ist es sonst nicht ganz so voll, doch jetzt zur WM gleicht Salvador einem Heerlager von Fans aus aller Herren Länder. So rettet sich einmal in den gleichen Souvenirshop eine Gruppe von Spaniern, die sich pudelnass selbst fröhlich singend Mut machen, dass das ja nicht mehr schlimmer kommen kann und schon noch werden wird mit dieser WM. Auch Fans vom Bezwinger Holland sind zu sehen. Viele von ihnen griesgrämig, weil offenbar verkatert. Aber auch Fans unseres ersten Gruppengegners Portugal sind da. Und sogar einige Franzosen, deren Mannschaft hier am Freitag gegen die Schweizer spielen wird.

Der Spaziergang durch die Altstadt wird letztlich abgebrochen. Keiner hatte mehr einen trockenen Fäden am Leib. Und nach mehr als anderthalb Tagen auf den Beinen - das gelegentliche Wegnicken im Airbus mit null Beinfreiheit fällt kaum ins Gewicht - "freue ich mich nur noch auf ein Bett", bringt es Niklas auf den Punkt. Gegen 15 Uhr Ortszeit erfüllt sich sein Wunsch - rund 32 Stunden nach der Abfahrt in Goldberg. "Alles andere morgen", sagt er noch. Gleich durchschlafen will er aber nicht. "Mit Uruguay gegen Costa Rica, England gegen Italien und Elfenbeinküste gegen Japan kommen ja heute noch drei Spiele. Mal sehen, was ich davon noch schaffe. Auf alle Fälle lasse ich mal den Fernseher an."

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erstellt am 15.Jun.2014 | 21:00 Uhr

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