Fussball-WM : Die ultimative Titel-Prüfung

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Die deutsche Nationalmannschaft will Geschichte schreiben und heute mit einem Sieg über Gastgeber Brasilien ins Finale einziehen

svz.de von
08. Juli 2014, 00:00 Uhr

Jetzt oder nie! Deutschlands noch ungekrönte Generation um die Turnier-Veteranen Miroslav Klose, Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Lukas Podolski fühlt die historische Chance auf den WM-Triumph. Zwar schiebt Joachim Löw den Brasilianern auch ohne Superstar Neymar die Favoritenrolle zu. Aber vor der „Gelben Wand“ im Stadion von Belo Horizonte zittern die deutschen Spieler nicht.

„Unsere Mannschaft hat keine Angst“, versprach der Bundestrainer gestern vor der Reise nach Belo Horizonte den aufgeregten Fans in der Heimat. Er gehe mit einem „sehr guten Bauchgefühl“ und einem klaren Ziel in das Spiel der Spiele: „Eines steht fest: Wir wollen unbedingt noch mal in Rio im Maracanã-Stadion spielen. Am 13. Juli. Wir sind noch nicht fertig.“ Die Spieler können den Anpfiff heute (22 Uhr/ZDF) kaum erwarten. „Es gibt kein anderes Ziel mehr als das Finale und den Titel für uns“, gab sich Edeljoker André Schürrle forsch. Ans Scheitern wird kein Gedanke verschwendet.

Löw weiß, dass die fünf vorangegangenen WM-Partien ein Kindergeburtstag waren im Vergleich zur Titel-Prüfung gegen die Brasilianer, die auf den Heimtriumph gepolt sind und ihr gesamtes Volk im Rücken haben. „Der Druck liegt ganz klar bei Brasilien. 200 Millionen Menschen, Fußball-Land, Rekordweltmeister, zu Hause – die Favoritenrolle hat schon Brasilien“, sagte Löw. „Wenn sie das Halbfinale verlieren, ist das Volk schon unzufrieden.“

So soll es in 90, 120 Minuten oder notfalls in einem Elfmeter-Krimi kommen: „Wir haben schon Mittel und Wege und Qualitäten, die Brasilianer nach Hause zu schicken“, sagte Löw selbstbewusst. Ein Brasilien ohne Neymar und ohne den gesperrten Leitwolf Thiago Silva sei in seiner Wucht empfindlich geschwächt und in der Statik des Spiels beeinträchtigt. Trotzdem warnte nicht nur Löw vor Trugschlüssen für die ultimative Turnier-Kraftprobe. „Das wird große Kräfte freisetzen bei den Brasilianern“, prophezeite Löw.

Der begabte Willian vom FC Chelsea oder der nur 1,63 Meter kleine Youngster Bernard von Schachtjor Donezk könnten für Neymar in die Startelf rücken. Die Klasse des verletzten WM-Stars haben beide nicht. Bayern-Profi Dante dürfte Thiago Silva im Abwehrzentrum vertreten.

Löw hat gegen Frankreich seine Formation endlich gefunden. Mit Kapitän Lahm rechts und dem sich entschlossen ins Turnier quälenden Duo Schweinsteiger und Sami Khedira im Mittelfeld. Auch wird Löw wohl am viel kritisierten Mesut Özil festhalten, obwohl dessen Magie verflogen zu sein scheint. „Das Selbstvertrauen ist groß“, hob jedenfalls Kapitän Lahm hervor. 670 Länderspiele haben die elf Akteure auf dem Buckel, die Löw beginnen lassen könnte – ein Qualitätssiegel. „Wir sind reifer. Viele Spieler, die vor zwei oder vier Jahren noch ein bisschen grün hinter den Ohren waren, sind erfahrener geworden“, erklärte Jerome Boateng.

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