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Keine Stimmung : Deutschland noch nicht im WM-Fieber

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Für deutsche Tankstellenbetreiber könnte die Weltmeisterschaft eine herbe Enttäuschung werden. Rund einen Liter Benzin mehr verbraucht ein Auto auf 100 Kilometern, an dem zwei kleine Deutschland-Fähnchen wehen. Im Jahr der Heim-WM 2006 war das ein einträgliches Geschäft, 2014 könnte das Patriotismus-Plus an den Tankstellen deutlich geringer ausfallen – oder frei nach Loriot: Früher war mehr schwarz-rot-gold.

Wenige Tage vor dem ersten Spiel der Nationalmannschaft gegen Portugal scheint die Stimmung in der Heimat noch wenig weltmeisterlich. Die großflächige Beflaggung an Roller, Fahrrad und PKW fehlt bislang ebenso wie an Hauswänden, Balkonen und Wohnzimmerfenstern.

Nicht einmal zum Gesprächsthema Nummer eins in vielen Büros schaffte es der Fußball nach den verheerenden Unwettern Anfang der Woche. Woran es liegt, ist schwer festzumachen, vermutlich eine Mischung aus sportlicher Skepsis in Bezug auf die deutschen Titelchancen und geographisch weiter Entfernung zum Ort des Geschehens.

Einzig der Einzelhandel hat schon längst geflaggt: Supermarktregale in Nationalfahnen-Camouflage, brasilianische Sambatänzerinnen aus Pappe und schwarz-rot-goldene Vuvuzuela-Überreste im Schaufenster des Dorf-Friseurs – Verkaufsstrategie statt Volkseuphorie.

Dass die ganz große Stimmung doch noch kommt, darauf setzen vor allem die Betreiber der zahlreichen Fanmeilen und Public Viewings in ganz Deutschland. Mehrere hunderttausende Zuschauer pro Spiel sollen ab der Auftaktpartie der DFB-Auswahl am Montag in der ganzen Nation verteilt zusammen vor den Großleinwänden stehen. Bis zu 500 000 Fans werden bei jeder deutschen Begegnung auf der Fanmeile am Brandenburger Tor erwartet, bis zu 60 000 im Münchener Olympiastadion. Eine völlig neuartige Form des Public Viewings bietet Zweitligist Union Berlin an. Rund 3000 Fußball-Fans können die Spiele im Stadion an der Alten Försterei aus dem Innenraum auf ihren selbst mitgebrachten Sofas verfolgen - Wohlfühlen wie im eigenen Wohnzimmer. Die Resonanz verblüffte: Die Plätze für die geplanten 780 Sofas waren weit vor Anpfiff am Donnerstag vergeben. Und spätestens seit Montag sind die Veranstalter auch für mögliche Gefahren durch Unwetter sensibilisiert. „In erster Linie geht es darum, dass es zu keinem Personenschaden kommt. Wir informieren uns jeden Tag im Internet über die Wetterprognosen“, sagte Elmar Uecker von den Kasematten Düsseldorf.

Auch beim Public Viewing von Zweitligist Union ist die Sicherheit der Gäste oberstes Gebot. „Wir nehmen das natürlich ernst. Wenn es eine Sturm- oder Orkanwarnung gibt, werden wir evakuieren“, sagte Marc Feldmann vom Veranstalter des Events im Stadion an der Alten Försterei. Statt lautem Donner soll für die Fans im Anschluss an das Finale mit erhoffter deutscher Beteiligung lieber lautes Tröten zu hören sein. Aber Vorsicht: Hupkonzerte bei nächtlichen Autokorsos kosten 10 Euro Bußgeld – zuzüglich zum erhöhten Spritverbrauch durch die Deutschland-Fähnchen.

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