Neuling : Christoph Kramers kurzes Final-Märchen

Behandlungspause: Christoph Kramer musste später mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung ausgewechselt werden.
Behandlungspause: Christoph Kramer musste später mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung ausgewechselt werden.

Khedira-Ersatz schon nach 30 Minuten verletzt ausgeschieden

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14. Juli 2014, 00:02 Uhr

ie Schocknachricht direkt vor dem Anpfiff sorgte gleich für zwei nahezu unglaubliche Fußballer-Schicksale: Sami Khedira, der sich nach einem Kreuzbandriss in nur acht Monaten zurück auf den Fußballplatz gekämpft hatte, fiel wegen banaler Wadenprobleme für das Endspiel gegen Argentinien aus. So wurde für den Mönchengladbacher Christoph Kramer ein Märchen wahr – wenn auch nur für 30 Minuten.

Der 23-Jährige, der bis zum vergangenen Sommer noch in der zweiten Liga spielte, war von Bundestrainer Joachim Löw zunächst nicht in den 30-köpfigen vorläufigen Kader berufen worden und stand nun urplötzlich beim achten deutschen WM-Finale in der Startelf im legendären Maracana – wo er mehrfach direkter Gegenspieler von Lionel Messi war.

Allerdings verletzte sich Kramer bereits in der 16. Minute, als er mit dem Kopf gegen die Schulter des Argentiniers Ezequiel Garay prallte und benommen liegen blieb. Kramer rappelte sich noch auf, doch eine Viertelstunde später musste er mit Verdacht auf Gehirnerschütterung das Feld verlassen. Für ihn kam André Schürrle, Toni Kroos ging zurück ins defensive Mittelfeld, Mesut Özil rückte für ihn auf seine geliebte Position zentral offensiv.

Khedira hatte sich nach einigen körperlichen Problemen zuletzt in immer stärkerer Form präsentiert. In dem 27-Jährigen von Real Madrid und Bastian Schweinsteiger schien Löw seine ideale „Doppel-Sechs“ gefunden zu haben. „Ich bin froh, dass beide wieder fit sind. Sie sind für uns enorm wichtig“, hatte der Bundestrainer vor dem Endspiel gesagt. Khedira war sogar der erste gewesen, für den er seine eigene Marschroute, nur zu 100 Prozent fitte Spieler mitnehmen zu wollen, geändert hatte. Auf ihn wolle er warten bis zum letzten Moment hatte Löw stets beteuert. „Er ist mit seiner Persönlichkeit und Erfahrung unverzichtbar für die Mannschaft“, hatte der 54-Jährige gesagt. Khediras Ziele waren klar: Das Endspiel in der Champions League mit Real Madrid bestreiten. Das klappte, und nach dem 4:1 nach Verlängerung gegen Stadtrivale Atlético darf er sich nun Champions-League-Sieger nennen. Der Traum vom WM-Finale wurde ihm kurzfristig genommen.

Das durfte dafür einer bestreiten, der vor wenigen Wochen noch nicht einmal damit gerechnet hatte, irgendwann in absehbarer Zeit Nationalspieler sein zu können. Das WM-Endspiel war erst das vierte Länderspiel für Kramer. Beim Länderspiel gegen Polen (0:0), als praktisch alle Stammspieler fehlten, empfahl er sich so mit Nachdruck, dass Löw ihn noch den vorläufigen Kader nachschob. Im Trainingslager in Südtirol überzeugte er ihn endgültig. Im Achtelfinale gegen Algerien (2:1 n.V.) hatte Kramer ein WM-Debüt über elf Minuten gefeiert, gegen Frankreich im Viertelfinale (1:0) hatte er eine Minute spielen dürfen und schon nach diesen zwei Einsätzen von einem „Traum“ gesprochen. Das sei für ihn „weltklasse“. Für den von Bayer Leverkusen an Gladbach ausgeliehenen Mittelfeldspieler sprach vor allem sein läuferisches Vermögen. „Über den Punkt, an dem es weh tut, kann ich einfach drüberlaufen“, sagte er. „Eine Maschine“ nannte ihn sein Vereinstrainer Lucien Favre, als „Marathonmann“ wurde er beim DFB vorgestellt. Für den früheren Bundestrainer Berti Vogts ist er „ein Typ wie Hacki Wimmer“. Der spielte bei Gladbach, wurde 1974 Weltmeister, kam im Endspiel aber nicht zum Einsatz. Das hatte ihm Kramer voraus - wenn auch nur für 30 Minuten.

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