UEFA EURO 2016

EM-Fanreporter in Paris : Heiße Diskussionen ohne Randale nach dem 0:0

Sicherheit großgeschrieben: Rund um das Spiel traf der Güstrower Ewald Kleiner auf viel Polizei.
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Sicherheit großgeschrieben: Rund um das Spiel traf der Güstrower Ewald Kleiner auf viel Polizei.

Heiße Diskussionen im Fan-Camp in Paris ohne Randale bis in den frühen Morgen nach dem deutschen Spiel gegen Polen

svz.de von
17. Juni 2016, 20:55 Uhr

Die Nacht war für meinen Freund Ewald Keinert und mich sowie viele andere Fans im Fan-Camp der Nationalmannschaft in Paris kurz nach dem Polen-Spiel. Denn es wurde viel diskutiert über das 0:0. Dabei überwog die Enttäuschung über den Auftritt der Deutschen. Warum bringt Löw Gomez nicht eher? Warum bekommen die Jungen wie Sane nicht ihre Chance? Warum zeigen die Flanken keine Wirkung? Warum gibt es keine zwingenden Torchancen?

„Atemlos durch die Nacht“ ging es da nur mit der Musik aus der Konserve oder dem eigenen Gesang. Der Frust wurde erst weniger, als noch in der Frühe der Grill angeworfen wurde und das Bier die Gemüter beruhigte. Erst morgens gingen an vielen Wohnwagen die Lichter aus.

Groß waren die Fragezeichen zur Sicherheit, sowohl in der Stadt als auch im Stadion. Wir waren vor dem Spiel in Montmartre und Sacre Coeur. Wie an allen Pariser Sehenswürdigkeiten war dort schwer bewaffnete Polizei und Armee präsent. Aber nicht vordergründig. Das gibt einem in Terror-Zeiten ein gewisses Maß an Sicherheit.

Voll in Montur zeigte sich die Polizei auch ab der Metro-Station La Plaine Stade de France und entlang der zehnminütigen Strecke bis zum Stadion. Uns erwartete schließlich ein Hochsicherheitsspiel. Die Polizisten waren schwer bewaffnet, Schutzschild, Maschinenpistole. Wie in Frankreich üblich, war viel berittene Polizei im Einsatz.

Dann die spannende Frage: Wie werden die Sicherheitskontrollen im Stadion funktionieren? Von anderthalb Stunden Einlasszeit und bis zu sechs Kontrollen war die Rede. Es gab drei Kontrollen: als erstes die Tickets, als zweites das Abtasten. Dann war man im Stadion. Zu den Aufgängen ging es per Ticket ohne Kontrolle durch ein Drehkreuz und danach wurden wir noch einmal abgetastet. Dann war vor den Blöcken die übliche Platzkontrolle und in den Blöcken standen Stewards.

Die Eindrücke waren unterschiedlich. „Da wird bei Bundesligaspielen schärfer vorgegangen“, meinen wir. Andere Fans hatten andere Erlebnisse. Zweiminütige Leibesvisitationen waren nicht selten, hörten wir. Probleme gab es, wenn deutsche Fans mit Fahnen mit dem Bundesadler ins Stadion wollten. Da brauchte es Überzeugungskraft, dass das kein Nazi-Symbol ist.

Auf dem Weg zum Stadion fragte ich Fans - aus Nordhessen, Bielefeld, Hamburg und einem Vater, der mit seinem Sohn extra zu dem Spiel aus den USA angereist war, ob sie an den November 2015 denken würden, als im Stade de France ein Anschlag verübt werden sollte und in Paris mehrere Menschen bei Terror-Anschlägen ums Leben kamen? Alle antworteten mit einem „Nein“, blendeten es aus, freuten sich nur auf das Fußball-Spiel. Im Unterbewusstsein war es aber vermutlich nicht zu löschen.

Sowohl in der Stadt als auch vor und im Stadion ging es zwischen den Fans sehr friedlich, aber ausgelassen zu. Es entstanden viele Erinnerungsfotos zwischen den Fans beider Lager. Selbst als sich die 80 000 Fans per Metro auf den Heimweg begaben, sahen wir keine Streitereien und schon gar nicht Randale. Im Gegenteil: Es erschallten immer wieder Fan-Gesänge, hinter denen sich die Vorfreude auf die nächsten Spiele verbarg.

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