zur Navigation springen

Champions League : Explosion an Mannschaftsbus: BVB-Spiel abgesagt

vom

Schock für die Mannschaft von Borussia Dortmund bei der Abfahrt zur Champions League-Partie gegen den AS Monaco heute Abend: Am BVB-Mannschaftsbus hat es eine Bombenexplosion gegeben. Der BVB meldet einen Verletzten, die Austragung der Partie ist gefährdet.

svz.de von
erstellt am 11.Apr.2017 | 19:57 Uhr

Schock und Bestürzung in Dortmund: Nach drei Explosionen am Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ist das Champions-League-Spiel am Dienstagabend gegen AS Monaco abgesagt worden. Das teilte der Fußball-Bundesligist eine Viertelstunde vor dem geplanten Anpfiff des Viertelfinal-Hinspiels in der Signal-Iduna Arena mit. BVB-Verteidiger Marc Bartra wurde an einer Hand verletzt und notärztlich versorgt, bestätigte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Der Grund für die Detonationen war zunächst unklar. Die Partie soll nun am Mittwoch um 18.45 Uhr stattfinden.

„Die ganze Mannschaft ist in einer gewissen Schockstarre. Wir müssen versuchen, das in irgendeiner Weise zu kanalisieren. Das wird nicht einfach, wir müssen morgen spielen. Solche Bilder bekommst du nicht aus dem Kopf raus“, sagte Watzke.

Nach Angaben von Torhüter Roman Bürki sei Bartra von Splittern der zerbrochenen Scheiben verletzt worden. „Ich saß in der hintersten Reihe neben Marc Bartra, der von Splittern der zerborstenen Rückscheibe getroffen wurde“, sagte der Fußball-Profi von Borussia Dortmund der Schweizer Zeitung „Blick“. „Der Bus bog auf die Hauptstraße ein, als es einen Riesenknall gab - eine regelrechte Explosion“, sagte Bürki. Dann hätten sich die Spieler geduckt und auf den Boden gelegt. „Wir wussten ja nicht, ob noch mehr passiert.“

Kurz nach der Abfahrt des Fußball-Bundesligisten vom Teamhotel zum Stadion waren in der Nähe des Mannschaftsbusses die Sprengsätze explodiert. Die Sicherheitskräfte suchten die Umgebung mit einer Drohne ab. Es werde geprüft, ob möglicherweise ein weiterer Sprengsatz deponiert worden sei, sagte ein Polizeisprecher am Einsatzort. Die Sprengsätze, die in der Nähe des Dortmunder Mannschaftsbusses explodiert sind, waren nach ersten Erkenntnissen der Ermittler in einer Hecke versteckt. Wer die Sprengsätze dort platziert habe und um welche Art von Sprengsätzen es sich gehandelt habe, sei aber noch unklar.

„Wir waren natürlich geschockt. Die Mannschaft war geschockt“, sagte Watzke. Auch Trainer Thomas Tuchel habe die Attacke direkt mitbekommen, berichtete Watzke: „Thomas war natürlich auch geschockt, weil eine der Explosionen wohl direkt an seiner Seite stattgefunden hat.“

„Ich hoffe das es uns in irgendeiner Weise morgen gelingt, einigermaßen wettbewerbsfähig wieder auf dem Feld zu stehen“, ergänzte Watzke. BVB-Präsident und Ligapräsident Reinhard Rauball äußerte die Hoffnung, dass das Team zu einer Trotzreaktion fähig sei. „Das wäre das Allerschlechteste, wenn durch eine derartige Handlung heute Abend diejenigen auch noch Erfolg haben, dass die Mannschaft sich beeinflussen lässt. Ich bin überzeugt, dass Trainer und Mannschaft genau den richtigen Weg gehen werden und morgen eine bestmögliche Leistung abrufen werden“, sagte Rauball.

Die UEFA legte in Absprache mit beiden Clubs den neuen Spieltermin fest. Bereits am Mittwoch kommender Woche ist das Rückspiel in Monaco angesetzt.

Bartra wurde in ein Krankenhaus gebracht.

 

Der Verein twittert Genesungswünsche.

 

Der FC Barcelona twitterte: „Unsere ganze Unterstützung für @MarcBartra, @BVB und alle seine Fans“. Auch aus München kamen Nachrichten an die Kollegen im Westen. Bayern-Verteidiger Jérôme Boateng hoffte, dass „alle okay“, seien.

Auch in Hamburg fühlt man mit

Normalerweise stimmen sich die Gäste der Hamburger Kneipe Dreißig lautstark und bierselig auf ein BVB-Spiel ein. Diesmal war es „minutenlang still“, wie Borussen-Fan Martin (30) am Dienstagabend schildert. „Vorberichte sind noch nie so aufmerksam verfolgt worden.“ Auch als BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke später am Sky-Mikrofon über die Verletzung von Verteidiger Marc Bartra berichtet, ist es mucksmäuschenstill.

„Das ist unfassbar, ich bin sprachlos“, sagt Karsten (48), der über die Hintergründe der Detonationen spekulierte. „Terror? Sonstige Idioten? Man weiß es einfach nicht.“ Wirt Dieter, dessen ganz in Schwarz-Gelb gehaltene Kneipe seit 2011 Hamburger Anlaufpunkt für BVB-Anhänger ist, war wie seine rund 150 Gäste bedient. „Vorfreude und Stimmung waren am Boden.“

Am Mittwochabend, wenn das Spiel nachgeholt werden soll, werde dies anders sein. „Die Hütte wird voll sein.“ Und Fan Martin im Trikot von Fußball-Nationalspieler Marco Reus setzt auf den Jetzt-erst-recht-Faktor: „Wir werden uns davon nicht unterkriegen lassen.“

 

Die Spieler des Fußball-Bundesligisten verließen am Dienstagabend den Ort der Explosionen in der Nähe des Teamhotels im Dortmunder Stadtteil Höchsten. Zuvor hatten die Profis nahe des stark beschädigten Fahrzeugs gewartet.

 

Die Polizei sucht die Umgebung mit einer Drohne ab. Es werde geprüft, ob möglicherweise ein weiterer Sprengsatz deponiert wurde, sagte ein Polizeisprecher am Einsatzort.

Die Hintergründe der Explosionen in der Nähe des Mannschaftsbusses von Borussia Dortmund sind für die Polizei noch völlig unklar. „Wir müssen schauen, wohin die Ermittlungen gehen“, sagte ein Polizeisprecher am Dienstagabend. Bislang gebe es weder Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund noch auf eine Tat etwa von rivalisierenden Fans.

Stadionsprecher Norbert Dickel informierte die Fans vor Ort: „Es besteht jetzt hier im Stadion kein Grund zur Panik“, sagte Dickel, der von einem „gravierenden Zwischenfall“ sprach.

Borussia Dortmund hatte den Fans im Stadion empfohlen, zunächst dort zu bleiben. Außerdem sollten die Stadionbesucher Ruhe bewahren, „um eine geordnete Abreise zu gewährleisten“, schrieb der Verein bei Twitter.

Der dann organisiert gestartete Abzug der Fans aus Sicht der Polizei reibungslos verlaufen: „Das lief völlig friedlich und gesittet.“ Das Stadion sei gut eine halbe Stunde nach der Entscheidung zur Spielabsage weitgehend leer gewesen.

Nach der Nachricht von den Explosionen skandierten die Monaco-Fans „Dortmund, Dortmund“.

Und die Solidarität ist nicht einseitig: Monaco-Fans, die nach der Verlegung des Champions-League-Spiels in Dortmund übernachten müssen, könnten im Internet fündig werden.

 

Unter #bedforawayfans sollen Dortmunder posten, die einen Schlafplatz anbieten wollen - und die Anhänger des AS Monaco suchen, wie der BVB am Dienstagabend mitteilte. Viele Twitternutzer teilten den Aufruf des Vereins begeistert.

Der BVB will den Wert der Karten, die nicht mehr gebraucht werden, ersetzen. Man bitte die Fans, die am Mittwoch nicht zur nachgeholten Partie könnten, ihre Karten auf dem offiziellen Ticket-Zweitmarkt von Borussia Dortmund unter www.bvb.de/tickets anzubieten, schrieb der Verein am Dienstagabend bei Twitter. Wer seine Karten nicht verkaufen könne, dem werde der Wert erstattet. „Dieses gilt sowohl für Dauer- als auch für Tageskarten.“ Wie genau die Erstattung ablaufen soll, will der BVB am Mittwoch von 15 Uhr an auf seiner Website erklären.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen