Trainer Heinz Werner : Ein Leben für den Fußball

Immer gut gelaunt: Heinz Werner in seinem Garten in Neuenhagen
Immer gut gelaunt: Heinz Werner in seinem Garten in Neuenhagen

Heinz Werner trainierte in der DDR Vereine wie den 1. FC Union Berlin, Hansa Rostock und Stahl Brandenburg. Angepasst war er nicht

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09. August 2015, 09:00 Uhr

„Hören Sie das lustige Pfeifen nicht? Ja, Herr Werner müsste zu Hause sein. Er hat eigentlich immer gute Laune“, sagt eine Nachbarin in der Gartenkolonie in Neuenhagen vor den Toren Berlins. Und tatsächlich, hinter der hohen Hecke seines Gartens kümmert sich Heinz Werner um Rasen und Rosen. Er wird in diesem Jahr noch groß Geburtstag feiern, er wird 80. Seinen Namen verbinden Fußballfans vor allem mit Traditionsvereinen wie 1. FC Union, FC Hansa oder Stahl Brandenburg.

„Ist der Rasen nicht schön?“ Und schon ist Heinz Werner in seinem Element. „Ich werde Ihnen mal erzählen, wie ich zu diesem Grundstück gekommen bin. Im Juni 1989 wurde ich als Trainer der DDR-Nationalmannschaft von dieser Aufgabe entbunden.“ Was war passiert? Anfang 1989 wurde Werner zusammen mit Frank Engel als Assistenztrainer von Manfred Zapf zum Team von DDR-Nationaltrainern ernannt. Nachdem die WM-Qualifikation praktisch verspielt war, sollte das Trio entlassen werden. „Ich sollte zur Präsidiumssitzung des DDR-Fußballverbandes erscheinen, auf der mir offiziell die Entlassung mitgeteilt werden sollte. Generalsekretär Wolfgang Spitzer sagte ich dann aber, es sei doch alles entschieden. Ich komme nicht, sondern fahre jetzt nach Neuenhagen und kaufe mir einen Garten.“ Es war nicht das erste Mal, dass Werner mit den Funktionären des DDR-Fußballs, aber auch denen der Politik aneckte.

„Ich habe bestimmt eine der spektakulärsten Entlassungen aus dem Amt eines Trainers über mich ergehen lassen müssen. Ich erinnere mich noch sehr gut an den 8. März 1975 – Frauentag. Wir spielten zu Hause gegen Carl Zeiss Jena und gerieten früh in Rückstand. Mein Freund Hans Meyer war Jenas Trainer. Der Genosse Harry Tisch, SED-Bezirkschef von Rostock, kam von einer Frauentagsfeier, und war, sagen wir mal so, recht gut gelaunt und angeheitert. Während des Spiels, Rostock war abstiegsgefährdet, hatte er entschieden, die Aufstellung der Mannschaft zu ändern. Er stand – er versuchte, zu stehen – plötzlich an der Trainerbank und forderte mich lautstark zur Auswechslung zweier Spieler auf, was ich nicht tat. Es kam zum Eklat, und ich war meinen Job in Rostock los.“

Danach begann eine seiner erfolgreichsten und für ihn auch schönsten Trainer-Stationen. Ab Januar 1976 arbeitete er beim 1. FC Union. Werner schaffte mit dem Zweitligisten auf Anhieb den Aufstieg in die Oberliga und konnte sich bis 1980 im DDR-Fußballoberhaus halten. Und obwohl 1981 unter seiner Regie die sofortige Rückkehr in die Oberliga gelang, wurde er von Harry Nippert abgelöst. Ein harter Schlag für Werner. Doch die Liebe zu Union blieb, noch heute fährt er zu den Heimspielen in die Alte Försterei.

Es folgten weitere Stationen, wie die in Brandenburg, als er einen bis dahin eher unbedeutenden Verein (Stahl Brandenburg) in die Oberliga (1984) führte. Und auch hier musste er sich der Macht einiger Funktionäre beugen, die den Sportbereich mitbeherrschten und ihn nach Karl-Marx-Stadt schickten.

Geboren ist Heinz Werner in Uenglingen, einem Ort bei Stendal. Hier ging er zur Schule, machte in Stendal Abitur. Werner wuchs bei den Großeltern auf, da seine Eltern in einem kleinen Bäckerbetrieb beruflich stark eingebunden waren. „Meine erste große sportliche Liebe gehörte dem Handball. Durch meine Schnelligkeit und Beweglichkeit war ich auch gar nicht so schlecht und als Kreisläufer warf ich viele Tore“, erinnert er sich. Damals wurde noch Feldhandball gespielt. Bei Lok Stendal schloss er sich den Fußballern an. Seine Stammposition war die eines rechten Verteidigers. „Aber schon damals fand ich die starren Strukturen in Spielsystemen nicht gerade sinnvoll. Für einen Verteidiger war an der Mittellinie auch Schluss. Ich wollte mit meiner Grundschnelligkeit als etatmäßiger Abwehrspieler auch in der Offensive für Überraschungen sorgen.“ Doch eine schwierige Verletzung am Knöchel setzte seiner Karriere schon mit 23 Jahren ein Ende.

Nach seinem Pädagogikstudium (Geografie und Sport) verschlug es ihn nach Schwerin. Er arbeitete an einer Oberschule als Lehrer, ehe die erste Trainerstation beim KKW Greifswald, eine Art Vorzeigeverein in dieser Zeit, folgte und seine Trainerkarriere begann.

Nach der Wende in Deutschland musste auch er sich neu orientieren. Vor allem, dass der DFB die Lizenzen der DDR-Trainer nicht anerkennen wollte, ärgerte ihn. Nach einem Disput mit dem damaligen Bundestrainer Berti Vogts gelang es ihm aber, „dass die Herren vom Vorstand des DFB die Qualifikation der DDR-Trainer anerkannten“.

Für ihn selbst gab es allerdings keine wichtigen Engagements bei großen Klubs mehr. Er arbeitete viel im Ausland und sagt heute, dass er 48 Länder der Welt bereist und in diesen zum Teil gearbeitet habe. So trainierte er zum Beispiel in China eine Mannschaft in Guangzhou. Viele schöne und interessante Länder lernte er kennen, wohin er auch mehrfach wieder zu Vortragsreisen eingeladen wurde. „Wissen Sie, ich habe aber auch sehr viel Elend gesehen ...“ Er spricht in diesem Zusammenhang von Brasilien und Südafrika. „Eines ist jedoch überall gleich, der Fußball verbindet und hat eine ganz besondere Magie.“

Auch heute ist Werner noch aktiv. Er zeigt Fotos, die jüngst während eines Trainingslagers, „Fußballcamp sagt man ja heute“, entstanden sind. Er trainierte mit 47 Kindern beim VfB Schönebeck. „Das war anstrengend, hat aber auch mir sehr viel Spaß gemacht.“

Selbst mit 79 ist sein Terminkalender voll. „Ich muss immer etwas zu tun haben“, gibt er zu und sagt auch ein wenig Danke an seine Frau Anneliese. „Die stand mir in den vielen Jahren immer zur Seite.“

Für den Herbst gibt es bereits zwei Anfragen. „Ich soll Vorträge vor Trainern in China und in Israel halten und freue mich riesig.“

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