«Bilanz insgesamt positiv» : Ein Jahr Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg

Trainiert seit einem Jahr die deutschen Fußball-Frauen: Martina Voss-Tecklenburg. /dpa
Trainiert seit einem Jahr die deutschen Fußball-Frauen: Martina Voss-Tecklenburg. /dpa

Als Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg vor einem Jahr ihr neues Amt antrat, gab sie die Olympia-Qualifikation als Ziel aus und versprach «offensiven und attraktiven Fußball». Das eine ging bei der WM in Frankreich schief, das andere klappte zuletzt immer besser.

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29. November 2019, 07:31 Uhr

WM-Aus im Viertelfinale, Olympia verpasst - aber souveräner Start in die EM-Qualifikation und Prestigesieg gegen England im Wembley-Stadion: Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft hat ein intensives und abwechslungsreiches 2019 hinter sich.

Am 30. November ist es genau ein Jahr her, dass Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt vorgestellt wurde. Ein Blick auf ihre bisherige Amtszeit - und auf Anspruch, Wirklichkeit und Zukunftsaussichten.

KONKRETE ZIELE: Am 30. November 2018 wollte Voss-Tecklenburg kein konkretes Ziel für die WM 2019 in Frankreich ausgeben, sagte aber: «Ich möchte Titel gewinnen, ich war noch nie Weltmeisterin. Das Ziel ist natürlich die Olympia-Qualifikation. Dann werden wir sehen, wo wir mit dieser Mannschaft hingehen können.» Die Olympia-Qualifikation wurde durch das Aus im Viertelfinale gegen Schweden verpasst. «Das tat schon weh. Auch im Urlaub hat mich das noch beschäftigt», sagte Voss-Tecklenburg dem Fachmagazin «Kicker» in einem Interview.

SPORTLICHE ENTWICKLUNG: Das frühe WM-Scheitern war eine große Enttäuschung. Voss-Tecklenburg hat lange gebraucht, um dies zu verarbeiten, anschließend aber schonungslos und offen analysiert. Der Start in die EM-Quali verlief makellos mit zwölf Punkten aus vier Spielen und 31:0 Toren. An der Teilnahme an der Europameisterschaft 2021 in England dürften keinerlei Zweifel bestehen.

SPIELERISCHE ENTWICKLUNG: «Ich spiele sehr gerne offensiv und glaube auch, dass es darum geht, im Tempo zu bleiben, tiefe Räume zu bearbeiten und attraktiven Fußball zu spielen. Meine Spielerinnen dürfen und müssen agieren, sollen ins Eins-gegen-Eins gehen und sich selbstbewusst darstellen. Wir haben viele junge Spielerinnen, die spannend sind», sagte Voss-Tecklenburg vor einem Jahr.

Die Gegner in der EM-Quali (5:0 gegen Griechenland, 10:0 gegen Montenegro und zweimal 8:0 gegen die Ukraine) waren kein Maßstab. Gegen England Anfang November vor mehr als 77 000 Zuschauern in Wembley überzeugten die DFB-Frauen aber tatsächlich mit Tempo und Torgefahr. Spielerinnen wie Giula Gwinn (20/FC Bayern), Lena Oberdorf (17/SGS Essen), Lena Lattwein (19/TSG Hoffenheim) oder Sophia Kleinherne (19/1. FFC Frankfurt) gehört die Zukunft.

FÜHRUNGSSTIL: «Ich gehe vertrauensvoll mit den Spielerinnen um und komme über Kommunikation. Ich möchte den Spielerinnen Selbstbewusstsein geben, indem ich ihnen vertraue, aber auch aufzeige, woran sie arbeiten müssen», sagte Voss-Tecklenburg. Nach der WM musste sie jedoch atmosphärische Probleme während des Turniers einräumen. «Wir haben permanent die Kommunikation eingefordert», sagte die Bundestrainerin bei einer Analyse Ende August. Das Prinzip der offenen Tür habe aber «vielleicht nur bedingt funktioniert».

GESELLSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG: «Der Frauenfußball ist nun auf einer Ebene, wo er wahrgenommen wird», sagte Voss-Tecklenburg. Für England trifft dies zu, dort erlebt der Frauenfußball einen Boom. Clubs wie Manchester City oder der FC Arsenal investieren Millionen in ihre Frauen-Teams. Die Frauen-Bundesliga dagegen kann von fünfstelligen Zuschauerzahlen aktuell nur träumen. Auch die Kulissen bei Länderspielen sind eher enttäuschend. Für 2020 wünscht sich die Bundestrainerin ein «Highlight-Spiel» vor mehr als 20 000 Zuschauern.

FAZIT: «Ich finde, es war ein super-spannendes, intensives, facettenreiches und lehrreiches Jahr für mich persönlich», sagte die 51-Jährige gerade dem «Kicker». «Die Bilanz fällt insgesamt positiv aus, obwohl wir uns nicht für Olympia 2020 qualifiziert haben.»

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