zur Navigation springen

Reaktionen zur Fifa-Entscheidung : Die Mammut-WM kommt

vom

FIFA-Council winkt die Erhöhung der Teilnehmerzahl von 32 auf 48 ab der Fußball-WM 2026 einstimmig durch. Deutsche Bedenken bleiben ungehört

svz.de von
erstellt am 10.Jan.2017 | 20:45 Uhr

Nun ist die Mammut-WM beschlossene Sache. Im Eiltempo hat die FIFA die umstrittenen Pläne für das Mega-Event durchgewinkt. 2026 wird der Fußball-Weltmeister erstmals bei einem Turnier mit 48 Mannschaften gekürt, die deutschen Kritiker von Bundestrainer Joachim Löw bis Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge fanden kein Gehör. Das FIFA-Council beschloss die Aufstockung gestern bei seiner Sitzung  in Zürich einstimmig – und in nur 90 Minuten.  Statt der bislang acht Gruppen mit je vier Teams wird es in neun Jahren in der Vorrunde 16 Gruppen mit je drei Mannschaften geben. Die Gesamtzahl der WM-Spiele steigt von 64 auf 80 Partien.

 Was ist passiert? 

Das FIFA-Council hat im Eilverfahren und gegen Widerstand aus Deutschland die „Mega-WM“ beschlossen. Ab der Endrunde 2026 spielen 48 statt 32 Mannschaften den Weltmeister aus. Die Entscheidung fiel sogar „einstimmig“, wie der Weltverband mitteilte. Es ist der erste wegweisende Beschluss unter dem neuen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino, der die Aufstockung im Wahlkampf versprochen hatte.

In welchem Modus wird gespielt?

Die 48 Teams werden in 16 Dreiergruppen aufgeteilt. Details sind noch nicht bekannt. Denkbar ist, dass Gruppenspiele bei Gleichstand künftig im Elfmeterschießen entschieden werden, um Taktierereien zu vermeiden.

Warum war der deutsche Fußball dagegen? 

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und viele Vertreter aus der Bundesliga hätten gerne am bewährten 32er-Format festgehalten. Zum einen, um die Belastung der Profis in Grenzen zu halten. Zum anderen, um die sportliche Qualität nicht zu verwässern. Teilweise war die Argumentation aber auf Sand gebaut. Auch weiterhin führen sieben Spiele zum Titel. Ebenfalls harsche Kritik übte die Vereinigung europäischer Top-Klubs ECA mit Bayern München Vorstandsboss an der Spitze.

Warum war der Widerstand nichts wert?

In der FIFA haben Europas Topklubs und die Europäische Fußball-Union (UEFA) bei Weitem nicht den Einfluss, den sie gerne hätten. Beispielsweise wollte in Europa auch niemand die Winter-WM in Katar, dem damaligen FIFA-Exekutivkomitee war das herzlich egal. Am Ende wurde die Endrunde verschoben, und den Klubs wurden ein paar Millionen mehr Abstellungsgebühren bezahlt.

Was muss noch diskutiert werden? 

Das Geschacher um die Startplätze begann noch am gestrigen Tag. Jede der sechs Konföderationen will ein größeres Stück vom Kuchen. Für die Vertreter der UEFA im Council dürften mindestens zwei bis drei „Slots“ mehr Bedingung für ihre Stimme gewesen soll. Derzeit schicken die Europäer zwölf Nationen zur Endrunde (2018 plus Gastgeber Russland). Die deutsche Nationalmannschaft war bislang jedes Mal dabei.

 

Den FIFA-Funktionären lagen vier Reformmodelle vor, darunter zwei mit 40 Teams, die  noch mehr WM-Spiele bedeutet hätten sowie  ein Format mit einer Playoffrunde vor dem Turnierstart.

Ob es wie von FIFA-Präsident Gianni Infantino angeregt bei der XXL-WM kein Remis mehr geben und jede Partie auch in der Vorrunde gegebenenfalls per Elfmeterschießen entschieden wird, steht noch nicht fest. Sinnvoll wäre diese Regeländerung wegen des krummen Modus, weil sonst Mauscheleien im letzten Gruppenspiel recht einfach wären.

Auch droht die Gefahr, dass nach nur drei Partien alle Teams punkt- und torgleich sind. Drei Teams pro Gruppe hatte es bei einer WM letztmals 1982 in Spanien in einer Zwischenrunde gegeben. Deutschland kam damals auch ins Halbfinale, weil die schon ausgeschiedenen Gastgeber im letzten Spiel gegen England  ein 0:0 erkämpften.

 

Auch die Verteilung der Startplätze pro Konföderation wurde gestern noch nicht beschlossen. Voraussichtlich soll die sportpolitisch brisante Frage der Quotenplätze bis zum FIFA-Kongress im Mai in Bahrain geklärt werden. Europa hat derzeit mit 13 Startern das größte Kontingent. Infantino hatte besonders Afrika und Asien mehr WM-Teilnehmer versprochen. DFB-Chef Reinhard Grindel hatte vor der Council-Sitzung die UEFA-Mitglieder aufgefordert, gemeinsam für möglichst viele WM-Starter aus Europa zu kämpfen. Im Council hat der Deutsche Fußball-Bund nach dem Ausscheiden von Wolfgang Niersbach derzeit keine Stimme.

 

Hansa-Trainer Christian Brand flüchtete sich nach Bekanntwerden der Aufsteckung in Galgenhumor: „Ich bin enttäuscht. Ich hätte mir 72 oder gleich 124 Mannschaften gewünscht, damit man jeden Tag ein WM-Spiel hat und damit eine Trillion US-Dollar verdienen kann. Um etwas Anderes geht es beim Fußball ja mittlerweile nicht mehr.“

Ungewiss ist, wo die WM 2026 stattfinden wird. Der FIFA-Kongress wird den oder die Gastgeber nach derzeitigem Stand erst im Jahr 2020 bestimmen. Als Favoriten gelten die USA und Kanada, das eventuell als Co-Ausrichter fungiert. Auch Mexiko könnte dazustoßen.

32 Tage, 80 Spiele: So könnte die Mega-WM laufen

Der neue WM-Modus mit 48 Teilnehmern ab 2026 sieht eine zusätzliche K.o.-Runde der letzten 32 Mannschaften vor. Nur die jeweiligen Dritten der insgesamt 16 Dreiergruppen in der Vorrunde scheiden somit aus, nach der Zwischenrunde der 32 übrigen Teams geht es wie gehabt mit dem Achtelfinale weiter. 

Die nun 80 statt der bisherigen 64 Spiele werden in – wie bisher – 32 Tagen gespielt, was den abstellenden Vereinen entgegenkommt. Laut Fifa-Mitteilung bleibt zudem die Zahl der Ruhetage pro Mannschaft identisch. Weiterhin wird der Weltmeister am Turnierende sieben Spiele absolviert haben.So könnte es laufen

Die Reaktion zur Fifa-Entscheidung im Netz

 
 
 
 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen