Torlinientechnik : Die Liga setzt auf das „Falkenauge“

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15 von 18 Fußball-Erstligisten stimmen für Einführung der Torlinientechnologie – Hawk-Eye-System ab der neuen Saison in allen Stadien

svz.de von
04. Dezember 2014, 20:36 Uhr

Der Torlinientechnik-Triumph ließ die Liga-Bosse strahlen und die Gegner kleinlaut zurück. „Für den deutschen Fußball ist das ein wichtiger Schritt nach vorne“, sagte Ligapräsident Reinhard Rauball nach dem Erdrutsch-Sieg der Befürworter bei der Abstimmung unter den Clubs der 1. Bundesliga. Mit 15:3-Stimmen hatten die Erstligisten zuvor die Einführung des Hilfsmittels beschlossen. Das Hawk-Eye-System („Falkenauge“) wird ab der neuen Saison Schiedsrichter-Fehler entlarven, Phantomtore gehören der Vergangenheit an.

Bei dem Votum wurde die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit überraschend deutlich übertroffen. Einige Technikgegner, wie der Hamburger SV, wechselten die Seiten – nicht so dagegen Schalke 04 und Eintracht Frankfurt. „Das muss man respektieren“, sagte Eintracht-Bboss Heribert Bruchhagen. „Wir waren dagegen, aus den verschiedensten Gründen. Wenn sich die Mehrheit aber dafür entschieden hat, freuen wir uns 2015/16 auf die Torlinientechnik“, meinte Schalke-Manager Horst Heldt.

Die Technik soll ausschließlich in der Eliteklasse eingeführt werden. Bei der Frage nach dem System hatte sich der Ligavorstand bereits im Vorfeld für das britische Hawk-Eye entschieden. Die auf Hochgeschwindigkeitskameras basierende Technik, die seit dem vergangenen Jahr in der englischen Premier League eingesetzt wird, soll 135 000 Euro pro Saison und Verein kosten. Zuvor standen zudem die Systeme GoalControl und GoalRef zur Auswahl.

Der Entscheidung zugunsten der Technik wird sich nun auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) anschließen. Das Hilfsmittel wird ab dem Viertelfinale auch im DFB-Pokal zum Einsatz kommen. Eine Einführung des ebenfalls diskutierten Videobeweises liegt laut den Liga-Verantwortlichen dagegen noch in weiter Ferne.

„Ich habe seit Jahren betont, dass wir Schiedsrichter die Torlinientechnik befürworten. Darüber hinaus waren die Erfahrungen bei der WM in Brasilien äußerst positiv“, sagte Felix Brych. Der WM-Referee hatte in der vergangenen Saison fälschlicherweise das Phantomtor des Leverkuseners Stefan Kießling in Hoffenheim anerkannt, als der Ball durch ein Loch im Netz von außen ins Gehäuse geraten war.

Bei der Liga-Versammlung im März war die Zweidrittel-Mehrheit noch klar verfehlt worden. Auch diesmal stand im Vorfeld ein Scheitern im Raum, zahlreiche Clubs hatten sich zunächst gegen die Technik ausgesprochen. Dagegen gehörten Bayern München, Borussia Dortmund, 1899 Hoffenheim und Bayer Leverkusen zu den prominentesten Befürwortern. Die Bayern waren es auch, die mit ihrem Antrag dafür sorgten, dass das Thema erneut auf die Tagesordnung gelangte.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) sieht sich für die Einführung gerüstet und hatte im Vorfeld offensiv für die Technik geworben. Laut DFL-Präsident Christian Seifert hatte sich die Fußballwelt ohnehin gewundert, „warum gerade Deutschland die neue Technik bisher noch nicht eingeführt hat“. Mit dieser Verwunderung ist es nun vorbei.

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