Suchthilfe Prignitz bereitet auf MPU vor

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08. November 2010, 10:19 Uhr

1,6 Promille bedeuten Führerscheinentzug und eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung, kurz MPU genannt. Das trifft sowohl auf Kraftfahrer, als auch auf Radfahrer zu, betont Suchttherapeutin Bettina Steinke-Schmidt von der Suchthilfe Prignitz e. V. im gestrigen Pressegespräch. "Radler wissen das oft nicht, sind erschrocken und bereiten sich nicht auf die MPU vor", sagt sie. Und ohne Vorbereitung sinken die Chancen auf ein Bestehen, ergänzt Verkehrspsychologin Jutta Wlosniewski. Sie führe in Wittstock für die ABV GmbH MPUs durch.

Die Zahl der Klienten steige, gerade in der jüngeren Generation. Es komme sogar vor, dass Fahrschüler zur MPU müssen, weil sie zuvor betrunken auf dem Rad von der Polizei kontrolliert wurden, die Führerscheinbehörde den Vorfall registriert. "Radfahrer sind Verkehrsteilnehmer", macht Jutta Wlos niews ki klar. Ausreden und Entschuldigungen würden nicht helfen.

Was wirklich helfen könne, ist eine intensive Vorbereitung auf die MPU. "Es geht nicht um die Wiedererlangung des Führerscheins, sondern um das Alkoholproblem der Betroffenen", so die Gutachterin. Sie rät zu Offenheit. Die Tat sollte nicht bagatellisiert werden, sondern "man muss sich mit seinem Fehlverhalten auseinandersetzen, Konsequenzen ziehen und glaubhaft nachweisen".

Das setze die Fähigkeit zur Selbstkritik voraus. In Vorbereitung auf eine MPU bietet daher die Suchthilfe zwei Möglichkeiten an. Ein kostenpflichtiger Kurs richte sich an Teilnehmer, die einen problematischen Umgang mit Alkohol oder Drogen haben.

"Vor-, Einzelgespräche, Gruppenveranstaltung und Abschlussgespräch gehören dazu", sagt Bettina Steinke-Schmidt. Es gehe um die Auseinandersetzung mit dem Alkoholkonsum, um die Einsicht, damit ein Problem zu haben. Eine zweite Möglichkeit bietet die ambulante Rehabilitation. Sie richtet sich an Abhängige und hat die lebenslange Abstinenz zum Ziel.

Auf eine Neuerung beim Abstinenzcheck weisen die zwei Expertinnen ebenfalls hin: Bei Alkohol werden die Leberwerte nicht mehr akzeptiert. "Stattdessen erfolgt der Abstinenz-Check über Urin- oder Haaranalysen", erklärt Steinke-Schmidt. Das gilt auch für Drogen. Eine Urinkontrolle (Alkohol) koste etwa 75 Euro, mindestens vier sind notwendig. Bei Drogen steigt der Preis auf 98 Euro. Eine Haaranalyse koste etwa 198 bzw. 298 Euro. Die durchschnittlichen Kosten einer MPU betragen 410 bzw. 564 Euro, informiert Jutta Wlosniewski.

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