Feinschliff : Finnbogasons: «Ich trainiere immer und immer wieder»

Alfred Finnbogason erzielte bisher sechs Saisontreffer.
Alfred Finnbogason erzielte bisher sechs Saisontreffer.

Die Bilanz von Alfred Finnbogason ist beeindruckend. Sechs Tore hat der Isländer in gerade einmal fünf Bundesligaspielen in dieser Saison für den FC Augsburg schon erzielt. Das Sprachentalent verlässt sich nicht nur auf seinen Instinkt.

svz.de von
07. November 2018, 10:12 Uhr

Zeit für sein großes Hobby hat Alfred Finnbogason derzeit nicht. «Ich liebe Golf, nur leider komme ich oft nicht dazu. Aber im Urlaub packe ich öfter mal die Schläger aus», sagte der Isländer mit Handicap zwölf in Diensten des Fußball-Bundesligisten FC Augsburg.

Den Trennungsschmerz kann Finnbogason verkraften. Der 29-Jährige geht schließlich wieder seiner Leidenschaft Toreschießen nach. In gerade einmal fünf Bundesligaeinsätzen hat der Mann aus Reykjavik schon sechs Treffer erzielt. Finnbogason sei «eiskalt vor dem Tor», bescheinigte ihm jüngst Manager Stefan Reuter.

Diese Eiseskälte kann der Nationalspieler erst seit wenigen Wochen wieder zeigen. Für Finnbogason begann die Saison so richtig am sechsten Spieltag, als er gegen den SC Freiburg sein Comeback feierte und gleich dreimal traf. «Das ist Wahnsinn», sagte der Angreifer nach seiner traumhaften Rückkehr. «Ich muss jetzt mehr Tore machen jedes Spiel, weil ich die ersten fünf Spiele nicht spielen konnte.»

So wie Tore zu Finnbogason gehören, verhält es sich auch mit Verletzungen. Seitdem ihn der FCA im Februar 2016 geholt hat, wurde er immer wieder ausgebremst: Schambeinentzündung, Wadenverletzung und zuletzt eine entzündete Kniesehne. «Jetzt ist es hoffentlich vorbei», sagte Finnbogason zu seiner dicken Krankenakte.

Sein verspäteter Start in diese Saison hat auch mit der WM in Russland zu tun. Denn die Kniebeschwerden hatte Finnbogason schon zum Ende der vergangenen Spielzeit. Die erste WM mit Island wollte er sich aber natürlich nicht nehmen lassen. «Ich hätte die WM auch auf Krücken gespielt», räumte Finnbogason ein und schrieb gleich Geschichte. Denn sein Treffer zum 1:1 gegen Argentinien in der Vorrunde war das erste WM-Tor für die Isländer.

In Augsburg geben sie ihrem Führungsspieler Zeit, um sich nach Verletzungen auszukurieren. Zeit, sich wieder athletisch auf ein hohes Niveau zu bringen. Denn ohne Finnbogason fehlt den Fuggerstädtern «extrem» viel, wie es Trainer Manuel Baum einmal ausdrückte. Nicht zuletzt die Cleverness. «Alfred ist ein sehr intelligenter Spieler.»

Für Linksverteidiger Philipp Max ist Finnbogason «immer da, wo es gefährlich ist.» Zu begutachten war das zuletzt beim 2:2 gegen den 1. FC Nürnberg, als der Isländer mal wieder goldrichtig stand und einen Querpass von Jonathan Schmid zur Führung einschob.

«Instinkt kann man nicht trainieren, das ist angeboren, aber man kann an seinem Stellungsspiel arbeiten. Ich trainiere immer und immer wieder an bestimmten Abläufen», sagte Finnbogason im Stadionmagazin der Augsburger über den Feinschliff an seinen Fähigkeiten. «Aber generell war es schon immer so: Überall dort, wo ich mich wohl gefühlt habe, habe ich auch getroffen.»

Und das waren vor dem FCA so einige Stationen, unter anderem Island, Belgien, die Niederlande, Spanien und Griechenland. Sieben Sprachen hat sich Finnbogason auf seiner Fußball-Tournee angeeignet, nicht zuletzt durch den Konsum von TV-Nachrichten und Kindersendungen.

Noch bis zum Sommer 2020 läuft sein Vertrag beim FCA. Ein Angebot müsse schon «unmoralisch» sein, hatte Reuter einmal über Offerten für die Augsburger Topspieler gesagt. Finnbogason gehört natürlich in diese Kategorie. Seine Verletzungen dürften aber auch dafür gesorgt haben, dass noch kein Topverein bei ihm zugeschlagen hat.

«Irgendwann will ich schon noch einmal in einer echten Großstadt leben», sagte Finnbogason - und dachte an New York. Ob er vielleicht noch als Profi den Weg in eine Metropole finden sollte, hängt von seiner Trefferquote und auch seiner Krankenakte ab.

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