Nach EU-Referendum : #Brexit: Was passiert mit dem britische Fußball?

Meisterspieler Robert Huth (r.) von Leicester City hätte auch zu den Spielern gezählt, die  nie in die Premier League hätten wechseln dürfen, wenn zum Transferzeitpunkt auch für sie die nun drohenden verschärften Bestimmungen gegolten hätten.

Meisterspieler Robert Huth (r.) von Leicester City hätte auch zu den Spielern gezählt, die  nie in die Premier League hätten wechseln dürfen, wenn zum Transferzeitpunkt auch für sie die nun drohenden verschärften Bestimmungen gegolten hätten.

Großbritanniens Sport, allen voran die Fußball-Premier-League, steht nach der Brexit-Entscheidung vor einer ungewissen Zukunft

svz.de von
25. Juni 2016, 09:00 Uhr

In Großbritannien war Brexit zunächst mal nur für Zocker ein Flop. Als der Galopper mit dem seit gestern Morgen schicksalhaften Namen bei einem Rennen in Newbury lediglich Platz sechs belegte, verabschiedeten sich die Briten zeitgleich an den Wahlurnen mit knapper Mehrheit aus der politisch-ökonomischen Kontinentalgemeinschaft. Die Sehnsucht der Insel-Bevölkerung nach Eigenständigkeit dürfte den britischen Sport jedoch erheblich mehr kosten als ein paar erfolglose Wetten auf ein mittelmäßiges Pferd in der Provinz.

Alleine die Premier League wird den Brexit – unabhängig von zu erwartenden arbeitsrechtlichen Beschränkungen für Fußball-Profis aus dem bislang gemeinsamen EU-Raum – teuer bezahlen müssen. Weil das britische Pfund spätestens nach Vollzug des Abschieds vom gemeinsamen Europa gegenüber dem Euro spürbar an Wert verlieren dürfte, wird bei den Shoppingtouren der englischen Clubs auch der bislang unschlagbare Wettbewerbsvorteil ihrer umgerechnet 3,2 Milliarden Euro an TV-Geldern zusammenschmelzen.

Die Vereine werden allerdings zusätzlich Geld verlieren: Weil nach einem EU-Austritt Talente voraussichtlich erst ab 18 Jahren – und nicht wie momentan durch die EU-Freizügigkeit schon zwei Jahre früher – verpflichtet werden dürfen, gehen bei einem Weiterverkauf Manchester United, dem FC Arsenal und Co. künftig Millionen-Einnahmen für ihre Ausbildungsleistungen durch die Lappen. Millionen, die nun weitgehend Rivalen vom Kontinent wie Real Madrid, FC Barcelona  oder Bayern München einsacken könnten. Doch damit womöglich noch nicht genug: Für den Fall einer von den meisten Experten für den EU-Austritt vorausgesagten Rezession auf der Insel müssen sich die Clubs der Premier League auf Einnahmerückgänge auch beim noch florierenden Verkauf von Merchandising-Artikeln oder Eintrittskarten einstellen.

Die Auflösung jahrzehntelanger Verknüpfungen mit EU-Institutionen wird sich aber auch auf andere Bereiche auswirken. Der erschwerte Zugang zum EU-Binnenmarkt macht den bislang lukrativen Handel mit Medienrechten problematisch. Und in der Bekämpfung von Doping und Wettbetrug wird Großbritannien weitgehend von Erkenntnissen der gemeinschaftlichen Polizeibehörde Europol abgeschnitten sein.

Schmerzhafte Konsequenzen erwarten Fachleute auch für den Sport an der Basis. Zum einen sollte London künftig keinen Zugriff mehr auf Brüsseler Fördergelder aus dem Erasmus+-Programm eben auch zur Unterstützung des gesellschaftlich bedeutsamen Breitensports  haben. Zum anderen wird der Sportfachhandel zu leiden haben: Aufgrund zu erwartender Zölle dürften importierte Sportartikel bald schon teurer und damit schwerer zu verkaufen werden.sid

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