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RB Leipzig-Sportdirektor im Interview Ralf Rangnick: „Wir haben eine Neid-Diskussion“

Von Jürgen Muhl | 13.02.2017, 20:45 Uhr

RB Leipzig-Sportdirektor Ralf Rangnick zur Kritik an seinen Club und zur sportlichen Entwicklung

Am Tag nach der Niederlage von RB Leipzig gegen den Hamburger SV sieht man Ralf Rangnick nicht nur seine Grippeerkrankung an, sondern auch die Verärgerung über die Heimpleite des Tabellenzweiten der Bundesliga. Wir sprechen mit dem Sportdirektor von RB Leipzig auch über den „Friedensgipfel“ mit Borussia Dortmund und über die Denkweise vieler Fußballfans, die der Struktur und der Existenz des Red-Bull-Clubs kritisch gegenüber stehen.

Sie haben sich in der letzten Woche mit der Dortmunder Führungsetage zu einem so genannten „Friedensgipfel“ getroffen. Wie muss man sich einen solchen „Gipfel“ vorstellen? Hat er denn Konkretes gebracht?Der BVB-Vorstand hat sich bei uns gemeldet und für die Vorfälle entschuldigt. Und daraufhin haben wir uns nochmal kurzfristig persönlich in Berlin getroffen. Es war ein gutes Gespräch, das auch notwendig war. Denn schon in der nächsten Saison gibt es wieder zwei Spiele beider Vereine. Und wir wollen einfach, dass so etwas nicht noch einmal vorkommt. Insgesamt war es ein sehr konstruktiver, positiver und wichtiger Austausch.

Ihre Fußball-Akademie in Leipzig ist wohl das perfekteste Ausbildungs- und Leistungszentrum in der Fußball-Bundesliga. Ist dies ein Garant für den schnellen Erfolg von RB Leipzig?Nein, wir waren ja schon vor Fertigstellung der Akademie sehr erfolgreich. Sie steht ja erst seit zwei Jahren. Aber sie hilft uns natürlich in der täglichen Arbeit und der Entwicklung unserer Nachwuchsteams. Hier trainieren Profis neben talentierten Jugendspielern. Diese Transparenz und Durchlässigkeit ist ein wichtiger Baustein unserer Philosophie.

Es heißt vielfach, Leipzig sei der ideale Standort für die Erfolgsgeschichte von RB. Die hohen Investitionen von Red Bull träfen hier auf fruchtbaren Boden. Also haben Sie alles richtig gemacht mit der Wahl Leipzig?Leipzig ist ein fantastischer und sehr attraktiver Standort. Wir fühlen uns hier sehr wohl. Eine tolle Stadt mit einem hungrigen Fußball-Publikum und mit friedlichen Fans. Und mit einem starken Umfeld und einer Region, die uns unterstützen. Es passt alles gut zusammen.

Warum wird denn das RB-Modell von anderen Bundesliga-Clubs so heftig kritisiert? Ein Konzept, das sich gar nicht so stark von anderen Liga-Modellen unterscheidet. Bei Bayern München pumpen Gesellschafter wie Adidas, Audi, Allianz und Telekom Millionen in den Club. In Wolfsburg ist es VW, beim HSV ist es der Milliardär Kühne. Bei Ihnen ist es Red Bull. Wo ist da der große Unterschied?Das ist in Deutschland in erster Linie eine Neid-Diskussion. Plötzlich gibt es eine Veränderung und das mag man erstmal nicht so sehr. Möglichst sollte alles so bleiben wie es war. Neuem ist man eher verschlossen. Deutschland ist schließlich nicht umsonst das Land mit den meisten Lebensversicherungen. Dies zeigt doch ein Stück weit die Grundhaltung der Menschen.

Glauben Sie, dass es zu einem Umdenken in der Fußballszene kommen wird? Auch in Hinblick auf Ihren Club?Davon gehe ich aus. Allein schon deswegen, weil sich unsere bundesweite Akzeptanz seit letztem Sommer noch einmal deutlich gesteigert hat. Erfolgreiches Arbeiten – auch im Fußball – wird anerkannt und respektiert. Ich bin mir sicher, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Wie sieht Ihr Masterplan aus? Mit 42 Punkten dürfte doch die Champions League in Reichweite sein, 60 Punkte könnten da schon reichen.Ja, wir haben 42 Punkte. Aber das heißt noch nichts. Sie haben gerade gesehen, wie schnell es auch in die andere Richtung gehen kann. Da kommt der HSV und lässt kaum eine Chance zu. Daraus gilt es nun, wieder die richtigen Schlüsse zu ziehen. Aber zu Ihrer Frage: Wenn es denn so kommt – wie von Ihnen eingeschätzt – werden wir nicht nein sagen.