Alternative zu illegaler Fackel : Zündet die "kalte Pyrotechnik" bald auch in deutschen Stadien legal?

Pyrotechnik ist in deutschen Stadien verboten. Doch immer wieder schaffen es Fangruppen, die Fackeln, die einen starken Rauch entwickeln, in die Fankurven zu schmuggeln.
Pyrotechnik ist in deutschen Stadien verboten. Doch immer wieder schaffen es Fangruppen, die Fackeln, die einen starken Rauch entwickeln, in die Fankurven zu schmuggeln.

Die sogenannte "kalte Pyrotechnik", die um ein vielfaches ungefährlicher ist, findet in Dänemark bereits großen Anklang.

svz.de von
21. November 2018, 14:23 Uhr

Hamburg | Pyrotechnik beziehungsweise das daraus entstehende bengalische Feuer kann bis zu 2500 Grad Celsius warm werden. In den deutschen Stadien ist das Abbrennen dieser Fackeln aufgrund der erheblichen Verletzungs- und Brandgefahr verboten. Dennoch sieht man fast wöchentlich, wie Fans in den Bundesligastadien eben dieses tun. Die Folge ist oft eine starke Rauchentwicklung, nicht selten werden daraufhin die Spiele unterbrochen. Könnte eine weniger gefährliche Alternative Abhilfe schaffen? Ein Däne hat die sogenannte "kalte Pyrotechnik" entwickelt, in seinem Heimatland findet sie großen Anklang.

Der Entwickler der "kalten Pyrotechnik", Tommy Cordsen, hat sich in der Entwicklungszeit intensiv mit dem dänischen Verein Brøndby IF ausgetauscht. Der Hauptstadtverein zeigte großes Interesse. Bei der "kalten Pyrotechnik" wird die Flamme "nur" bis zu 230 Grad Celsius warm, dabei findet so gut wie keine Rauchentwicklung statt. Bereits im Dezember soll die neue Fackel in der dänischen Liga getestet werden. Laut ARD-Recherche soll auch die schwedische Liga einen Testlauf planen.

Möglichkeiten statt Verbote schaffen

"Statt Verbote sollen Möglichkeiten geschaffen werden", sagt Cordsen. Tatsächlich scheinen die Einlasskontrollen in Deutschland Woche für Woche zu scheitern, denn trotz des Verbotes wird regelmäßig illegale Pyrotechnik abgebrannt.

Unter anderem hat sich Sven Langner vom Fanladen des FC St. Pauli mit der "kalten Pyrotechnik" auseinandergesetzt. "Alle waren sehr positiv überrascht und auch zuversichtlich, dass das vielleicht etwas für die Zukunft sein kann", zeigte sich Langner gegenüber der ARD begeistert. Und der Deutsche Fußball-Bund (DFB)? Dieser wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Natürlich können auch durch "kalte Pyrotechnik" Verletzungen nicht ausgeschlossen werden, allerdings ist die Gefahr aufgrund der geringeren Hitze und Rauchentwicklung um ein Vielfaches geringer. "Die nächsten Schritte müssten jetzt sein, dass man sich mit den Verbänden zusammensetzt, die Sicherheitsbehörden frühzeitig miteinbezieht und auch die Vereine und die Fans, um dann gemeinsam zu gucken, welche Wege wir finden können, um das Abbrennen von 'kalter Pyrotechnik' im Stadion zu ermöglichen", sagt Langner.

Eine Legalisierung beziehungsweise Zulassung von "kalter Pyrotechnik" könnte den Konflikt zwischen dem DFB und den Ultras der Bundesligavereine auflockern. Zunächst einmal wäre hierzu ein Dialog notwendig. Dieser wurde jedoch jüngst zwischen dem DFB und den Fanvertretern abgebrochen.

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