Ronaldo, Messi oder van Dijk? : Weltfußballer des Jahres: Wieso deutsche Spieler keine Chance haben

Nur gucken, nicht anfassen: Deutsche Fußballer wie Kai Havertz (o.) spielen bei der Weltfußballer-Wahl keine Rolle. Der einzige deutsche Preisträger war Lothar Matthäus aus dem Jahr 1991.
Nur gucken, nicht anfassen: Deutsche Fußballer wie Kai Havertz (o.) spielen bei der Weltfußballer-Wahl keine Rolle. Der einzige deutsche Preisträger war Lothar Matthäus aus dem Jahr 1991.

Wenn am Montagabend der Weltfußballer des Jahres gekürt wird, gehen deutsche Spieler wieder leer aus – aus gutem Grund.

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23. September 2019, 14:18 Uhr

Zuletzt war Manuel Neuer nahe dran. Vor gut fünf Jahren – der Nationaltorwart vom FC Bayern München hatte im Sommer eine überragende WM in Brasilien gespielt – gehörte der Weltmeister zu den Top-3 der Weltfußballer-Wahl in Zürich. Gegen die Superstars Cristiano Ronaldo und Lionel Messi war der damals 28-Jährige im Januar 2015 aber chancenlos – im Scheinwerferlicht der FIFA spielte der deutsche Fußball wieder einmal nur die Nebenrolle.

Mailand |

Der bislang einzige deutsche Weltfußballer ist Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, der 1991 bei der offiziellen Premiere der Auszeichnung triumphiert hatte. Daran wird sich auch an diesem Montag (20.30 Uhr) im Mailander Teatro alla Scala nichts ändern: Nominiert sind Ronaldo, Messi und der Niederländer Virgil van Dijk.

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Aufgrund der Vielzahl von Preisen werden deutsche Fußballer und Trainer aber trotzdem immer wieder eingeladen: in diesem Jahr Marc-André ter Stegen (Torhüter des Jahres) und Jürgen Klopp, der nach dem Sieg in der Champions League mit dem FC Liverpool bei den Trainern des Jahres favorisiert ist.

Vor Neuer gehörte Oliver Kahn nach der WM 2002 zu den Finalisten. Wieder ein Torhüter, gewonnen hat damals aber Ronaldo (der Brasilianer) vor dem "Titan". Jürgen Klinsmann (1995) und Thomas Häßler (1992) wurden jeweils Dritter.

Weltfußballer des Jahres

Die Preisträger von 1991 bis 2018

  • 1991 – Lothar Matthäus
  • 1992 – Marco van Basten
  • 1993 – Roberto Baggio
  • 1994 – Romário
  • 1995 – George Weah
  • 1996 – Ronaldo
  • 1997 – Ronaldo
  • 1998 – Zinédine Zidane
  • 1999 – Rivaldo
  • 2000 – Zinédine Zidane
  • 2001 – Luís Figo
  • 2002 – Ronaldo
  • 2003 – Zinédine Zidane
  • 2004 – Ronaldinho
  • 2005 – Ronaldinho
  • 2006 – Fabio Cannavaro
  • 2007 – Kaká
  • 2008 – Cristiano Ronaldo
  • 2009 – Lionel Messi
  • 2010 – Lionel Messi
  • 2011 – Lionel Messi
  • 2012 – Lionel Messi
  • 2013 – Cristiano Ronaldo
  • 2014 – Cristiano Ronaldo
  • 2015 – Lionel Messi
  • 2016 – Cristiano Ronaldo
  • 2017 – Cristiano Rolando
  • 2018 – Luka Modric


Ein Grund dafür: Deutsche Erfolge im internationalen Fußball werden meist mit starkem Teamgeist ohne den alles überragenden Einzelkönner errungen. Bestes Beispiel ist die Weltmeisterschaft 2014, als das Team um Spieler wie Miroslav Klose, Sami Khedira und Toni Kroos den Titel gewann. Nicht ein Spieler des 23-Mann-Kaders stach aufgrund seiner Leistung besonders hervor – das Team triumphierte.

Die Marke CR7 allgegenwärtig

Weltstars, die rund um die Welt Poster zieren und Millionenumsätze als Marke generieren, hat der Deutsche Fußball-Bund nicht zu bieten. Ronaldo vermarktet sich so gut wie kein anderer Spieler. Sein Torjubel, das Anlaufen bei Freistößen, diverse Statuen in seiner Heimat Portugal, ein eigenes Museum und und und...all das stärkt die Marke CR7. Die FIFA hat auch mit Blick auf die Weltfußballer-Gala großes Interesse daran, dass solche Repräsentanten des Fußballs durch Preise wie der des Weltfußballer des Jahres "gepusht" werden.

Und deutsche Spieler? Am ehesten versucht sich Jerome Boateng an der eigenen Marke – eine eigene Brillenkollektion ("JB") und das Magazin "Boa" stehen zu Buche. Das Problem: Spielerisch kann der 31-Jährige nicht ansatzweise mit Ronaldo und Co. konkurrieren.

Potenzial ja, Chancen nein

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Kandidaten, denen der Sieg bei der prestigeträchtigen Wahl zugetraut wurde, so etwa Michael Ballack, Toni Kroos, Marco Reus oder Mario Götze. Inzwischen gilt der 20-jährige Kai Havertz von Bayer Leverkusen als größtes deutsches Versprechen für die Zukunft.

Kai Havertz gilt als größtes Talent im deutschen Fußball.
imago images / Sven Simon
Kai Havertz gilt als größtes Talent im deutschen Fußball.


Das Talent verzeichnet laut transfermarkt.de bereits einen Marktwert von 90 Millionen Euro. Allerdings ist der Weg zum Weltfußballer noch weit, Bayer Leverkusen gehört längst nicht mehr zur europäischen Fußball-Elite. Auch ein Wechsel zum FC Bayern München, der in der Gerüchteküche brodelt, wäre nur ein kleiner Schritt. Zum Vergleich: Ronaldo stand bereits mit 18 Jahren bei Manchester United unter Vertrag und spielte mit Stars wie Ruud van Nistelrooy, Ryan Giggs, Roy Keane und den Neville-Brüdern Seite an Seite.

Einen Vorteil hat Havertz: Allzu lange werden Ronaldo (34) und Messi (32) die Plätze in den Top-3 der Weltfußballer-Wahl nicht mehr blockieren.

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