Coronavirus-Pandemie im Sport : "Größte Krise für deutschen Profi-Fußball" – DFB will Clubs unterstützen

Die Deutsche Fußball Liga hat den Spielbetrieb in der Bundesliga und der 2. Liga wegen der Coronavirus-Pandemie vorerst eingestellt.
Die Deutsche Fußball Liga hat den Spielbetrieb in der Bundesliga und der 2. Liga wegen der Coronavirus-Pandemie vorerst eingestellt.

Dortmunds Geschäftsführer Watzke sieht die "größte Krise für den deutschen Profi-Fußball". Der DFB will helfen.

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13. März 2020, 20:23 Uhr

Dortmund | Die ersten Grenzen sind dicht, überall werden Schulen geschlossen – da entschied sich die Deutsche Fußball Liga nach langem Zögern doch noch zu einem radikalen Schritt. Aufgrund von neuen Corona-Infektionen und entsprechenden Verdachtsfällen hat das DFL-Präsidium am Freitagnachmittag kurzfristig den 26. Spieltag in der Bundesliga und 2. Bundesliga an diesem Wochenende abgesagt wie vielfach längst erwartet auf die Coronavirus-Pandemie reagiert – trotz mahnender Äußerungen aus München und Dortmund.

DFL knickt spät ein

Weil die Einsicht bei den Verantwortlichen spät kam, hatte sich zuvor bereits die Politik eingemischt. Nachdem die DFL-Führung am Freitagvormittag noch entschieden hatte, die Saison erst ab kommenden Dienstag für zweieinhalb Wochen aussetzen zu wollen, sagte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer die für Montagabend geplante Partie zwischen Werder Bremen und Bayer Leverkusen kurzerhand ab.


Dreistelliger Millionenbetrag in Gefahr

Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte die zunächst geplante Durchführung des Bundesliga-Spieltages zuvor begrüßt. "Im Profi-Fußball geht es am Ende des Tages auch um Finanzen. Es steht noch eine hohe Zahlung von den TV-Broadcastern aus. Wenn diese Zahlung ausbleiben würde, wäre zu erwarten, dass zumindest viele kleine und mittlere Vereine finanzielle Probleme kriegen würden", sagte Rummenigge am Freitag. "Da steht für die gesamte Liga ein größerer dreistelliger Millionenbetrag im Feuer. Das muss berücksichtigt werden", betonte der Bayern-Boss.

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Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke malte ein düsteres Bild. Der deutsche Profi-Fußball befinde sich "in der größten Krise seiner Geschichte", sagte Watzke. "Es steht zu hoffen, dass die Bundesliga-Clubs in den vergangenen Jahren so viel Substanz gebildet haben, dass alle diese Krise überstehen." Der BVB sei existenziell aber nicht gefährdet.

"Kühlen Kopf bewahren"

In eine ähnliche Kerbe schlug die DFL. "Ziel ist es weiterhin, die Saison bis zum Sommer zu Ende zu spielen – aus sportlichen Gesichtspunkten, aber insbesondere auch weil eine vorzeitige Beendigung der Saison für einige Clubs existenzbedrohende Konsequenzen haben könnte", hieß es in einer Erklärung.

Am Montag will die DFL mit den Vertretern der 36 Profivereine auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in einem Frankfurter Hotel über eine Fortsetzung der Saison-Unterbrechung bis zum 2. April beraten. "Alle werden mit hoher Sensibilität und Solidarität an die Geschichte herangehen", kündigte Rummenigge an. Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic forderte: "Jetzt müssen wir alle einen kühlen Kopf bewahren und gemeinschaftlich kluge und sinnvolle Entscheidungen im Sinne des Fußballs treffen."

DFB prüft Unterstützungsprogramm

Angesichts befürchteter Finanzsorgen durch die Coronavirus-Krise können Clubs aus der 3. Liga, der Frauen-Bundesliga und die Regional- und Landesverbände auf Hilfe des Deutschen Fußball-Bundes hoffen. Wie der Verband am Freitagabend mitteilte, prüfe man derzeit "ein Unterstützungsprogramm zur Aufrechterhaltung der Liquidität für den Fall, dass der Spielbetrieb weiter ruhen muss und Verbände oder Clubs hierdurch in Liquiditätsengpässe geraten sollten". Derzeit sind in der 3. Liga die kommenden beiden Spieltage wegen der Coronavirus-Pandemie ausgesetzt.

"Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um unserem Vereinsfußball und Wettbewerben bestmöglich zu helfen", versprach DFB-Schatzmeister Stephan Osnabrügge. Möglich seien demnach Darlehen, "um akute, durch die Corona-Krise entstehende Liquiditätsprobleme zu überbrücken und Insolvenzen zu vermeiden", hieß es in der Erklärung. Für Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga kommt die Hilfe ebenso nicht infrage wie für Vereine unterhalb der 3. Liga, da sie nicht dem Dachverband direkt unterstellt sind.


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