Mit Video und interaktivem Zeitstrahl : Scheidender Bayern-Boss Hoeneß: Sein Leben, seine Sprüche, seine Skandale

Seit 1979 ist Uli Hoeneß beim FC Bayern München in verantwortlicher Position tätig.
Seit 1979 ist Uli Hoeneß beim FC Bayern München in verantwortlicher Position tätig.

Das Ende einer Ära: Uli Hoeneß tritt als Bayern-Präsident ab. Kaum einer polarisiert im deutschen Fußball mehr als er.

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15. November 2019, 12:21 Uhr

München | Die "Ära Uli Hoeneß" geht beim FC Bayern München am kommenden Freitag zu Ende. Bei der großen Mitgliederversammlung des Vereins stellt sich der 67-Jährige nicht mehr zur Wiederwahl als Präsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters. Nachfolger soll der ehemalige Adidas-Chef Herbert Hainer werden. Den Vorsitz des Aufsichtsrates hatte Hoeneß bereits im Vorfeld abgegeben, er bleibt aber einfaches Mitglied des Aufsichtsrates.


Es ist das Ende einer fast 40 Jahre langen Ära beim deutschen Rekordmeister. Hoeneß machte den Club vor allem wirtschaftlich zu einem Weltverein. Er war bei den Bayern erfolgreicher Spieler, Manager und auch Präsident. Keiner polarisiert in Fußball-Deutschland so wie Uli Hoeneß. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Hier eine Übersicht über seine Karriere, seine Skandale und seine Wutreden.

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Seine Jugend: Gute Abinote – Vorzeitiges Ende bei der Bundeswehr

Ulrich "Uli" Hoeneß wurde am 5. Januar 1952 in Ulm geboren. Er wuchs in katholisch geprägten Familienverhältnisses auf, sein Vater war Metzgermeister. 1971 beendete er die Schule mit dem Abitur (Note 2,4). Anschließend studierte er für zwei Semester Anglistik und Geschichte auf Lehramt, brach dann aber ab und widmete sich dem Fußballspielen. Hoeneß musste auch kein Wehrdienst leisten, da ihm das Tragen eines Gefechtshelms Kopf- und Knieschmerzen verursachte.

Fast jeden Titel gewonnen, frühes Ende wegen Knieproblemen

Im EM-Finale 1976 tritt Hoeneß im Elfmeterschießen gegen die Tschechoslowakei an. Sein Schuss landet 'im Belgrader Nachthimmel'. Das DFB-Team verliert das Finale mit 3:5. Foto: picture alliance / dpa
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Im EM-Finale 1976 tritt Hoeneß im Elfmeterschießen gegen die Tschechoslowakei an. Sein Schuss landet "im Belgrader Nachthimmel". Das DFB-Team verliert das Finale mit 3:5. Foto: picture alliance / dpa


1970 unterschrieb er einen Amateurvertrag beim FC Bayern München, wo er bis 1979 spielen sollte, mit einer kurzen Leihe zum 1. FC Nürnberg 1979. 1975 erlitt Hoeneß im Finale gegen Leeds United (2:0) eine schwere Verletzung am rechten Knie. Sie machte ihn über ein halbes Jahr einsatzunfähig und sollte ursächlich für das frühe Ende seiner Spielerkarriere werden. Im Frühjahr 1979 beendete Hoeneß seine Karriere aufgrund anhaltender Knieprobleme (Knorpelschaden).

Zum Thema: "Frühstücksdirektor" oder Hoffnungsträger? Warum sich an "Brazzo" die Geister scheiden

Er gewann mit den Bayern insgesamt dreimal die deutsche Meisterschaft, dreimal den Europapokal der Landesmeister, einmal den DFB-Pokal. Mit der deutschen Nationalmannschaft holte er 1972 den EM-Titel und 1974 den WM-Titel im eigenen Land. Legendär wurde sein Fehlschuss im EM-Finale von 1976. Im Elfmeterschießen landete sein Versuch im "Belgrader Nachthimmel", wie immer wieder geschrieben wird. Deutschland verlor das Endspiel gegen die Tschechoslowakei damals mit 3:5.

Mit 27: Hoeneß wird jüngster Bundesliga-Manager

Uli Hoeneß' Mentor: Robert Schwan war bis 1977 Manager beim FC Bayern München. Foto: imago images/Fred Joch
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Uli Hoeneß' Mentor: Robert Schwan war bis 1977 Manager beim FC Bayern München. Foto: imago images/Fred Joch


Gleich nach seinem Karriereende als Spieler übernahm er den Managerposten bei den Bayern. Mit 27 Jahren wurde er so der jüngste Manager in der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Zu dieser Zeit hatte der Verein einen Jahresumsatz von zwölf Millionen Mark bei Schulden von sieben Millionen Mark und 20 Mitarbeitern. 40 Jahre später sind es fast 700 Millionen Euro und 1000 Angestellte. Trotzdem betrachtet Hoeneß den Club immer noch als eine große Familie. Bis 2009 leitete er die Geschicke des Vereins auf diesem Posten und führte den Club in Europas Elite.

Der Flugzeugabsturz: Hoeneß' Glück im Unglück

Uli Hoeneß mit seiner Frau Susi im Krankenhaus nach seinem Flugzeugabsturz. Foto: picture-alliance/dpa
picture-alliance/ dpa
Uli Hoeneß mit seiner Frau Susi im Krankenhaus nach seinem Flugzeugabsturz. Foto: picture-alliance/dpa


Am 17. Februar 1982 überlebte der damals 30-Jährige einen Flugzeugabsturz mit einem zweimotorigen Propellerflugzeug. Gemeinsam mit drei Freunden, darunter dem Piloten und früheren Skirennläufer Wolfgang Junginger, war er auf dem Weg von München nach Hannover zu einem Länderspiel gegen Portugal. Kurz nach 20 Uhr stürzte das Flugzeug ab. Rund eine Stunde später fand ein Förster Hoeneß, der unter Schock stehend orientierungslos und blutüberströmt durch den Wald kroch. Hoeneß war der einzige Überlebende.

Experten kamen später zu dem Schluss, Hoeneß’ Sitzplatz hinten rechts im Flugzeug habe ihm das Leben gerettet – und die Tatsache, dass er nicht angeschnallt war und aus dem Flugzeug geschleudert wurde. Dabei zog er sich Brüche von Arm und Knöchel und eine Gehirnerschütterung zu.

Hoeneß vs Daum: Die Dauerfehde der Bundesliga


Uli Hoeneß verteidigte den Bayern München auf allen Ebenen und war sich auch für verbale Scharmützel nie zu schade. Eine besondere Hassliebe verband Hoeneß mit Kölns Trainer Christoph Daum. Legendär bleibt der mediale Schlagabtausch der beiden im "Aktuellen Sportstudio" am 20. Mai 1989. 2001 verhinderte unter anderem Uli Hoeneß, dass Daum nicht deutscher Nationaltrainer wurde. Er rückte Daum ins Zwielicht. In diesem Zusammenhang fielen auch die Worte vom "verschnupften Daum", mit denen Kokain-Konsum umschrieben wurde. Außerdem pflegte er zum langjährigen Werder-Manager Willi Lemke kein besonders gutes Verhältnis.

Seine besten Sprüche

Uli Hoeneß

Seine besten Sprüche

"Das ist der Dreck, an dem unsere Gesellschaft mal ersticken wird."
(Hoeneß über das Lied der Toten Hosen "Wir würden nie zum FC Bayern München gehen!")
"Ich habe mich um jeden Scheiß gekümmert, Abfahrtszeiten, Busunternehmen, Trikots, zur Not habe ich den Spielern die Stollen reingeschraubt."
(Hoeneß über seine Anfangszeit als Manager)
"Der FC Bayern ist mit großem Abstand die beste deutsche Mannschaft. Das tut mir leid für alle anderen"
"Die Bremer sollen ruhig oben stehen bis Weihnachten. Aber der Nikolaus war noch nie ein Osterhase. Am Ende wird der FC Bayern wie immer vorne sein. "
(Hoeneß im Meisterschaftskampf 2006, als Felix Magath noch die Bayern trainierte)
"Wenn einer 100 Millionen verdient, dann ist er trotzdem noch ein Mensch. Und wenn er kein Arschloch ist, dann geht ihm das nahe, wenn er seine Arbeit nicht mehr weitermachen darf."
(Hoeneß über Trainerentlassungen)
"Solange Karl-Heinz Rummenigge und ich etwas beim FC Bayern zu sagen haben, wird der bei diesem Verein nicht mal Greenkeeper im neuen Stadion."
(Hoeneß über Lothar Matthäus)
"Ich fühlte mich in diesen Tagen auf die andere Seite der Gesellschaft katapultiert, ich gehöre nicht mehr dazu. Ich mache mir riesige Vorwürfe. Ich habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch." (Hoeneß über sein Steuervergehen)
"Der kann noch 100 Jahre spielen, der wird uns nie überholen."
(Hoeneß über Daum)
"Wenn Klinsmann Obama ist, dann bin ich Mutter Teresa"


Legendäre Brandrede auf der Jahreshauptversammlung


Legendär bleibt Uli Hoeneß' Brandrede auf der Jahreshauptversammlung des Vereins 2007. Mit hochrotem Kopf beantwortet er eine Frage aus dem Publikum zur angeblich schlechten Stimmung in der Allianz Arena und beschuldigt dabei die eigenen Fans: "Dafür seid ihr doch dafür verantwortlich und nicht wir. Das ist doch unglaublich."

Steueraffäre und Gefängnisaufenthalt

Hoeneß wurde 2014 wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Er trat daraufhin von seinen Funktionen als Präsident des FC Bayern München und als Vorsitzender des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG zurück. Nach Verbüßung der halben Haftzeit wurde er 2016 entlassen und die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt.

Uli Hoeneß betritt als Angeklagter zusammen mit seiner Frau Susanne den Gerichtssaal des Landgerichts München II. Foto: picture alliance / dpa
picture alliance / dpa
Uli Hoeneß betritt als Angeklagter zusammen mit seiner Frau Susanne den Gerichtssaal des Landgerichts München II. Foto: picture alliance / dpa


Bis auf die Steueraffäre, die ihn 2014 zum Rückzug auf Zeit von seinen Bayern-Ämtern zwang und seinem öffentlichen Ruf empfindlich schadete, habe er "nicht so viele gravierende Fehler gemacht", findet Hoeneß selbst. Wichtig ist dem emotionalen "Bauchmenschen", im Verein ein bestelltes Feld zu hinterlassen. Oliver Kahn (50) soll aus seiner Sicht Vorstandsvorsitzender werden, Ex-Adidas-Chef Herbert Hainer (65) ihn im Präsidentenamt und an der Spitze des Aufsichtsrats beerben.


mit dpa-Material

Weiterlesen: Hoeneß sagt FC Bayern Servus: "Das war's. Ich habe fertig. Danke"

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