Die Ruhe vor dem Sturm : Transferwahnsinn in Europa: Neuer Ablöserekord?

Neymar war im vergangenen Jahr der große Protagonist auf dem internationalen Transfermarkt. Wer wird es dieses mal? Foto: imago/ZUMA Press
Neymar war im vergangenen Jahr der große Protagonist auf dem internationalen Transfermarkt. Wer wird es dieses mal? Foto: imago/ZUMA Press

In England schließt das Transferfenster am 9. August – viele große Wechsel gab es noch nicht. Das ändert sich wohl bald.

svz.de von
12. Juli 2018, 19:48 Uhr

Hamburg/London | Was war das für ein irrwitziger Fußballsommer im Jahr 2017: Neymars Rekordwechsel für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris St. Germain katapultierte den Wahnsinn um Transfers und Ablösesummen in bis dahin ungeahnte Sphären. Der Transfer stand und steht bis heute exemplarisch für die nur noch schwer nachvollziehbare Entwicklung im modernen Profi-Fußball: Die vier großen Ligen Europas, also Premier League (England), Primera Division (Spanien), Serie A (Italien) und Bundesliga investierten vor einem Jahr zusammengerechnet über 3,5 Milliarden Euro (Quelle: transfermarkt.de) in neue Spieler.

Bahnt sich ein Trendwechsel an?

Was kommt als nächstes? Wann wird ein Spieler 300 Millionen, 400 Millionen oder sogar 500 Millionen Euro kosten? Bereits für den WM-Sommer wurden die wahnwitzigsten Prognosen abgegeben, Gerüchte um ein 310-Millionen Angebot von Real Madrid für Neymar machten die Runde - doch passiert ist vergleichsweise noch relativ wenig. Noch.

Das Transferfenster des großen Players auf dem internationalen Transfermarkt, der Premier League, schließt in diesem Sommer erstmals bereits am 9. August. Aus Gründen der Planungssicherheit hatten die Anteilseigner der Erstligisten per Zweidrittelmehrheit dafür gestimmt, das Zeitfenster für Verpflichtungen künftig schon vor dem ersten Spieltag schließen zu lassen.

Tottenham noch ohne Verpflichtung

Daher ist es verwunderlich, dass fünf Vereine aus der höchsten englischen Spielklasse bis heute noch nicht einen einzigen Neuzugang verpflichtet haben. Bahnt sich möglicherweise ein Trendwechsel an? Vermutlich nicht, warum auch? Schließlich können die 20 Vereine aus der Premier League jährlich auf TV-Einnahmen von zwei Milliarden Euro zurückgreifen. Es liegt wohl eher an der WM in Russland, dass das Transferkarussell noch nicht so richtig in Schwung gekommen ist. Klar, Cristiano Ronaldos Wechsel für 117 Millionen Euro von Real Madrid zu Juventus Turin war ein kurzes und heftiges Beben auf dem internationalen Markt. Doch die Mehrzahl der Topvereine hat sich bislang mit großen Transfers zurückgehalten.

Quelle: transfermarkt.de

Die Vermutung liegt nahe, dass mit dem Ende der WM am kommenden Sonntag der Startschuss zum kontinentalen Wechselmonopoly fällt - vor allem in England. Dort hat von den Top-4-Vereinen beispielsweise Tottenham Hotspur bislang noch keinen Cent für Neuzugänge ausgegeben. Meister Manchester City klotzt in der Regel lieber, als zu kleckern, hat bislang aber lediglich Ryad Mahrez vom Ligakonkurrenten Leicester City für 67,8 Millionen Euro verpflichtet. Im vergangenen Jahr hatte Manager Pep Guardiola 317,5 Millionen Euro in die Hand genommen, um seine Mannschaft zu verstärken.

Italien fast schon wie im Vorjahr

Am Ende der Transferphase im Sommer 2018 hatten die Premier-League-Clubs 1,59 Milliarden Euro investiert. Vier Wochen vor Schließung des Transferfensters am 9. August sind es derzeit "nur" 684,15 Millionen Euro.

Wie sieht es in den anderen Top-Ligen aus? In Spanien gaben die 20 Vereine im vergangenen Jahr 562,74 Millionen Euro aus. Auf der iberischen Halbinsel bleibt der 31. August der Deadline-Day, und schon jetzt haben die Clubs 431,12 Millionen Euro investiert. Auch Italien (bislang 810,2 Millionen Euro) hat die Vorjahresausgaben (832,63 Millionen) beinahe schon erreicht, allerdings schließt das Transferfenster dort bereits am 18. August.

Neuer Ablöserekord ist wahrscheinlich

Und die Bundesliga? Die hält sich wie gewohnt und auf Grund deutlich geringerer TV-Geld-Erlöse zurück, den 615,14 Millionen Euro aus dem Vorjahr stehen bis heute nur 345,10 Millionen gegenüber. Aber in Deutschland ist, wie in Spanien, noch bis 31. August Zeit.

Der Markt steht und fällt mit den Engländern. Dort sitzt das meiste Kapital, dort hat man sich bislang am meisten zurückgehalten. Wenn die Vereine nach Beendigung der WM aber ernst machen, löst das aller Wahrscheinlichkeit einen Dominoeffekt aus. Die großen Summen wandern dann auch in andere Ligen, wo dann wiederum reinvestiert werden wird.

Nicht-englische Vereine haben zudem den Vorteil, angesichts der nahenden Schließung des englischen Transfermarktes die Preise ihrer Spieler in die Höhe treiben zu können. Je näher der 9. August rückt, desto wahrscheinlicher ist ein neuer Ablöseweltrekord. Neymars 222-Millionen-Wechseltheater im vergangenen Jahr wird jedenfalls definitiv nicht das letzte dieser Größenordnung gewesen sein.


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