Nach Afrika-Aussagen : "Absoluter Quatsch": Trainer und Politiker nehmen Tönnies in Schutz

Clemens Tönnies erhält prominente Unterstützung.
Clemens Tönnies erhält prominente Unterstützung.

Viele Menschen aus Politik und Sport fordern den Rücktritt von Tönnies. Nun erhält der 63-Jährige Unterstützung.

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06. August 2019, 06:06 Uhr

Gelsenkirchen | Schalkes Trainer-Ikone Huub Stevens hat Aufsichtsratschef Clemens Tönnies nach dessen umstrittenen Aussagen über Afrikaner gegen Rassismus-Vorwürfe verteidigt. "Wer ihn kennt, wer seit langem mit ihm zusammenarbeitet, der weiß, dass Clemens die Menschen mag wie sie sind – völlig unabhängig von Hautfarbe, Herkunft oder Religion. Ihm geht es stets um den Charakter eines Menschen – nie um die Farbe seiner Haut", schrieb der Ex-Fußballlehrer in einer Erklärung, über die die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (Dienstagsausgabe) berichtet.

"Habe Vertrauen in ihn"

Tönnies habe sich "entschuldigt, war selbst erschrocken über seine Aussage, genau wie wir alle", schrieb Stevens, der den Fußball-Bundesligisten in der vergangenen Saison als Interimscoach vor dem Abstieg bewahrt hatte und auch im Aufsichtsrat sitzt. "Seine Entschuldigung nehme ich ihm ab. Ich habe Vertrauen in ihn, dass ihm so etwas nicht noch einmal passiert."

Der Fleisch-Unternehmer Tönnies hatte in der Vorwoche beim Tag des Handwerks in Paderborn als Festredner Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren", sagte er. Später entschuldigte sich Tönnies für seine Äußerungen. Aus Sport und Politik kam deutliche Kritik.

Am Dienstag sagt Tönnies vor dem Ehrenat des FC Schalke 04 aus. Viele Schalke-Anhänger fordern den Rücktritt des Aufsichtsratschefs. Ob sich die DFB-Ethikkommission mit dem Fall beschäftigen wird, ließ DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball offen. Dies müsse das unabhängige Gremium selbst entscheiden.

Rassismus? Gabriel hat kein Verständnis

Der ehemalige SDP-Chef Sigmar Gabriel teilte laut "WAZ" mit, "der Spruch" sei "garantiert daneben" gewesen. Den Schalke-Chef aber zum Rassisten zu machen, sei "absoluter Quatsch". Wer Tönnies kenne, "weiß, dass das nun wirklich nicht stimmt. Vor allem aber verniedlicht dieser Vergleich die wirklichen Rassisten."

Ex-Bundesligatrainer Otto Rehhagel betonte nach Angaben der Zeitung, "ihn stets als ehrlichen und sehr sozial engagierten Menschen kennengelernt" zu haben. Als einen, "dem nur wichtig ist, wie sich ein Mensch verhält und nicht, woher er kommt."

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