Nach Rassismusvorwürfen : Schalke-Chef Tönnies lässt Amt für drei Monate ruhen

Clemens Tönnies ist Aufsichtsratchef von Schalke 04. Foto: dpa/Caroline Seidel
Clemens Tönnies ist Aufsichtsratchef von Schalke 04. Foto: dpa/Caroline Seidel

Der Schalke Boss Tönnies lässt sein Amt nach seinen als rassistisch kritisierten Äußerungen für drei Monate ruhen.

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07. August 2019, 06:16 Uhr

Gelsenkirchen | Trotz seiner harsch kritisierten Aussagen über Afrikaner und des daraus resultierenden Rassismus-Vorwurfs darf der Schalker Aufsichtsratschef Clemens Tönnies weitermachen. Der 63 Jahre alte Unternehmer werde sein Amt für drei Monate ruhen lassen und danach seine Tätigkeit im Aufsichtsrat wieder aufnehmen, teilte der Fußball-Bundesligist aus Gelsenkirchen am späten Dienstagabend nach einer mehrstündigen Sitzung des Ehrenrates mit. Zuvor war über einen möglichen Rücktritt oder auch eine Amtsenthebung spekuliert worden.

Das Gremium kam jedoch zu dem Ergebnis, "dass der gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden des S04, Clemens Tönnies, erhobene Vorwurf des Rassismus unbegründet ist", wie es in der Mitteilung hieß.

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Tönnies hatte beim Tag des Handwerks in Paderborn in der Vorwoche Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren", sagte Tönnies. Vorzuwerfen sei ihm daher, "gegen das in der Vereinssatzung und im Leitbild verankerte Diskriminierungsverbot verstoßen zu haben", teilten die Schalker in der Erklärung weiter mit.

Vorzuwerfen ist ihm allerdings, gegen das in der Vereinssatzung und im Leitbild verankerte Diskriminierungsverbot verstoßen zu haben. Clemens Tönnies hat diese – insbesondere den Vorsitzenden des Aufsichtsrats treffende – Pflicht verletzt. Statement des Ehrenrats FC Schalke 04

Weiterlesen: Nach Rassismus-Eklat: Hans Sarpei attackiert Schalke-Boss Tönnies

Tönnies habe den Verstoß eingeräumt "und ein weiteres Mal sein Bedauern zum Ausdruck gebracht". Der Ehrenrat begrüße die Haltung und nehme "beide Erklärungen zustimmend zur Kenntnis", hieß es weiter.

Afrikabeauftragter der Bundeskanzlerin fordert ehrliche Debatte

Schon vor der Entscheidung hatte der Persönliche Afrikabeauftragte von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Günter Nooke (CDU), eine ehrliche Debatte zu dem Thema gefordert. "Die von Tönnies angesprochenen Probleme wie das Verschwinden des Regenwalds und das Bevölkerungswachstum auf dem afrikanischen Kontinent sind real und darüber muss gesprochen und gegebenenfalls kontrovers diskutiert werden", sagte Nooke dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Mittwoch) und betonte: "Leider erschweren Sätze wie die von Herrn Tönnies jede konstruktive Diskussion. Wir müssen uns alle um eine angemessene Sprache bemühen. Jeder sollte sich mit Respekt behandelt fühlen."

Clemens Tönnies (l.) und der ehemalige Schalker Profi Gerald Asamoah. Foto: imago images / Team 2
imago images / Team 2
Clemens Tönnies (l.) und der ehemalige Schalker Profi Gerald Asamoah. Foto: imago images / Team 2

Tönnies ist seit 2001 Aufsichtsratschef des FC Schalke 04 und war erst vor wenigen Wochen von den Mitgliedern wiedergewählt worden. Zahlreiche Prominente aus Politik und Sport hatten Tönnies' verbalen Fehltritt kritisiert, andere wie Ex-Trainer Huub Stevens oder der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel dagegen nahmen Tönnies in Schutz.

Pablo Thiam: Aussagen nicht tolerierbar

Der ehemalige Fußball-Profi Pablo Thiam hat die Entschuldigung für dessen Aussagen über Afrikaner als "halbherzig" bezeichnet. "Er sollte es nicht bei allgemeinen Floskeln belassen, sondern sich bei denen entschuldigen, die er durch seine Aussagen beleidigt hat", sagte der Integrationsbeauftragte des Bundesligisten VfL Wolfsburg der Tageszeitung "Die Welt". Auch Anti-Rassismus-Organisationen haben Tönnies scharf kritisiert. "Die Aussagen sind nicht mehr im Rahmen des Tolerierbaren", sagte Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Stiftung Amadeu Antonio.

Rückendeckung von alten Weggefährten

Der Schalker Aufsichtsratschef bekam vor der Anhörung beim Schalker Ehrenrat aber auch Beistand von alten Weggefährten. Die Schalker Trainer-Ikone Huub Stevens verteidigte Tönnies. "Wer ihn kennt, wer seit langem mit ihm zusammenarbeitet, der weiß, dass Clemens die Menschen mag wie sie sind – völlig unabhängig von Hautfarbe, Herkunft oder Religion. Ihm geht es stets um den Charakter eines Menschen – nie um die Farbe seiner Haut", schrieb der 65-Jährige in einer Erklärung, über die die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (Dienstagsausgabe) berichtet.

Weiterlesen: "Absoluter Quatsch": Trainer und Politiker nehmen Tönnies in Schutz

Der frühere Bundesligatrainer Otto Rehhagel sagte, Tönnies "stets als ehrlichen und sozial sehr engagierten Menschen" kennengelernt zu haben. Der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel meinte indes, der Spruch von Tönnies sei "garantiert daneben" gewesen. Ihn aber zum Rassisten zu machen, sei "absoluter Quatsch". Wer Tönnies kenne, "weiß, dass das nun wirklich nicht stimmt. Vor allem aber verniedlicht dieser Vergleich die wirklichen Rassisten."

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