Bürgermeister und Polizei eingeschaltet : Nach Tod einer Schülerin geht Berliner Senat Mobbing-Vorwürfen nach

Kerzen leuchten während einer Mahnwache vor einer Grundschule im Bezirk Reinickendorf.
Kerzen leuchten während einer Mahnwache vor einer Grundschule im Bezirk Reinickendorf.

Der Tod einer elf Jahre alten Schülerin bewegt Berlin. Es gibt eine Mahnwache, es melden sich prominente Politiker von der Bundesfamilienministerin bis zum Regierenden Bürgermeister zu Wort. Doch viele Fragen sind offen.

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03. Februar 2019, 16:28 Uhr

Berlin | Nach dem Tod einer elfjährigen Grundschülerin will der Berliner Senat Mobbing-Vorwürfen nachgehen. Darin sei auch die Schulaufsicht eingebunden, sagte ein Sprecher der Bildungsverwaltung am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Am Samstag war der Tod der elfjährigen Schülerin aus dem Berliner Bezirk Reinickendorf bekanntgeworden.

Verdacht von Mobbing an ihrer Schule

Laut "Tagesspiegel" soll sie vor einigen Tagen einen Suizidversuch unternommen haben und später an den Folgen im Krankenhaus gestorben sein. Als möglicher Hintergrund steht der Verdacht von Mobbing an ihrer Schule im Raum. Doch bislang gibt es weder eine offizielle Bestätigung für den Suizid, noch ist der genaue Hintergrund geklärt.

Der Sprecher der Bildungsverwaltung, Thorsten Metter, stellte fest: "Mobbing ist ein Problem." Dagegen würden an den Schulen weitere Maßnahmen neben den schon bestehenden ergriffen. Metter bestätigte auf dpa-Anfrage, dass das Mädchen die Hausotter-Grundschule im Bezirk Reinickendorf besucht hatte.

Mahnwache vor der Schule

Am Samstagabend versammelten sich laut Medienberichten rund 150 Menschen zu einer Mahnwache vor der Schule. Elternvertreter werfen ihrer Leitung vor, Mobbing und Gewalt nicht ernst genug genommen zu haben, die Schulleiterin bestreitet dies.

Die Berliner Polizei führt – wie in solchen Fällen üblich – ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren. Dazu könne vor Wochenbeginn nichts Näheres gesagt werden könne, sagte ein Sprecher am Sonntag. Es sei eine Obduktion angeregt worden, voraussichtlich werde es im Laufe des Montagvormittags weitere Informationen geben. Gegenwärtig ermittele die Kriminalpolizei. Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt seien bisher nicht beteiligt.

Nach Aussagen einzelner Eltern sind Mobbing und Gewalt schon länger ein Problem an der Reinickendorfer Schule, die auf der Internetseite der Bildungsverwaltung ihr sportbetontes Profil hervorhebt. "Zu viele Menschen haben weggeschaut und die Schnauze gehalten", zitiert die Zeitung "B.Z." einen Vater, der dem Elternbeirat angehört. Ihm zufolge wurden die Probleme totgeschwiegen.

Schulleiterin wehrt sich gegen Vorwürfe

Dagegen wehrt sich Schulleiterin Daniela Walter entschieden. Natürlich gebe es Vorfälle – beispielsweise auf dem Pausenhof. Aber: "Wir haben Konfliktlotsen an Bord", sagte Walter der RBB-"Abendschau". Darüber hinaus existiere eine "sehr gut ausgestattete Schulsozialarbeit". Nichts werde vertuscht oder unter den Teppich gekehrt.

Die Elfjährige habe im vergangenen Jahr Konflikte mit anderen Schülern gehabt, wobei es aber zu keinen physischen Angriffen gekommen sei, berichtete Walter der Zeitung "B.Z.". Daraufhin habe die Schulleitung mit den Eltern und der Klasse gesprochen. Die Mädchen, mit denen es Konflikte gegeben habe, seien nicht mehr in der Klasse - seitdem herrsche Ruhe.

Verbale und psychische Gewalt unter Schülern kann sich in Beschimpfungen, bösen Kommentaren, Mobbing oder Gerüchten äußern, wie Potsdamer Forscher zusammentrugen. Seltener komme es zu körperlichen Angriffen. Der Anti-Mobbing-Coach Carsten Stahl, der an der Mahnwache teilnahm, forderte, bei diesem Thema das Tabu und Schweigen zu brechen. Lehrer und Sozialarbeiter müssten hier schon im Studium „richtig und aktiv" ausgebildet werden.

Bundesfamilienministerin reagiert betroffen

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) kündigte eine umfassende Aufklärung des Falles an. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte dem "Tagesspiegel": "Es ist erschütternd, welche tragischen Folgen Mobbing haben kann. Es geht durch alle gesellschaftlichen Schichten und jede Schulform."

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) äußerte in demselben Blatt: "Ich nehme alle Vorwürfe sehr ernst, und wir werden den Fall wie andere Trauerfälle auch umfassend aufarbeiten." Der FDP-Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus, Sebastian Czaja, stellte am Sonntag in einer Mitteilung fest: "Mobbing ist kein Kinderstreich und muss – egal wo – im Keim erstickt werden. Eine Kultur des Hinschauens ist gefragt."

Hinweis Bitte holen Sie sich rechtzeitig Hilfe, wenn Sie Selbstmordgedanken plagen, und kontaktieren Sie die Telefonseelsorge. Dort wird Ihnen kostenlose Hilfe angeboten. Hier geht es zu der Homepage der Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Unter der Telefonnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222 können Sie dort auch kostenlos dort anrufen. Auf der Webseite von [U25] können sich Jugendliche jederzeit anonym beraten lassen. Eine Übersicht über weitere Beratungsstellen gibt es auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.


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