Rummenigge, Hoeneß, Salihamidzic : Rundumschlag der Bayern-Bosse: "Polemik scheint keine Grenzen mehr zu kennen"

Die drei Entscheidungsträger beim FC Bayern München (v.l.): Karl-Heinz Rummenigge, Hasan Salihamidzic und Uli Hoeneß.
Die drei Entscheidungsträger beim FC Bayern München (v.l.): Karl-Heinz Rummenigge, Hasan Salihamidzic und Uli Hoeneß.

Diese Pressekonferenz geht in die Geschichte ein: Die Bosse des FC Bayern München greifen die Medien heftig an.

svz.de von
19. Oktober 2018, 13:37 Uhr

München | "Heute ist ein wichtiger Tag für den FC Bayern München", betonte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, am Freitagmittag. Tatsächlich wird dieser 19. Oktober 2018 in die Fußball-Geschichte eingehen. Neben Rummenigge kritisierten auch Hasan Salihamidzic (Sportdirektor) und Uli Hoeneß (Präsident) aufs Schärfste die Berichterstattung über ihren Verein. Extra hierfür wurde eine entsprechende Pressekonferenz veranstaltet. Unter anderem berichtete Rummenigge über Unterlassungserklärungen.

Zwei Unterlassungserklärungen seien laut Rummenigge in der vergangenen Woche an ein großes Medienhaus rausgegangen. Auch einzelne Journalisten wurden auf der Pressekonferenz namentlich angesprochen und scharf kritisiert. Stein des Anstoßes war unter anderem die Berichterstattung nach der 0:3-Niederlage der DFB-Elf gegen die Niederlande.

Nie zuvor wurden Medien sowie Journalisten so harsch und namentlich direkt von den Bayern-Bossen kritisiert. "Wir werden das beim FC Bayern München in dieser Art nicht mehr akzeptieren", betonte Rummenigge. "Polemik scheint keine Grenzen mehr zu kennen." Als Folge dessen würde man fortan ganz genau auf die Berichterstattung achten und entsprechend direkt reagieren.

Bayern-Bosse mit Medien-Schelte: So reagieren Journalisten und Fans

"Was man da lesen musste, war nicht mehr mit Kritik zu rechtfertigen", fand Rummenigge klare Worte. "Mit dem heutigen Tag werden wir uns diese herabwürdigende, hämische Berichterstattung nicht mehr bieten lassen." Konkrete Beispiele nannte Rummenigge: Die Berichterstattung über die Verletzung von Corentin Tolisso sowie über das Gerücht um den BVB-Spieler Jadon Sancho, der wohl auch beim FC Bayern im Gespräch gewesen sein sollte, seien schlichtweg falsch gewesen. Daraufhin verteilte der Verein Unterlassungserklärungen.

Auf Rückfragen eines Journalisten zum Thema Sancho reagierte Hoeneß direkt: "Falls sie noch nichts bekommen haben, werden sie in den nächsten Tagen Post von unserem Medienanwalt erhalten. Damit ist die Frage beantwortet." Zudem bezeichnete Hoeneß drei TV-Reporter als "ahnungsloses Trio infernale",

Allgemein kritisierten die Bayern-Bosse die schnelllebige Laune der Medienlandschaft. So habe man vergessen, dass der FC Bayern München der wichtigste Verein Deutschlands sei und dass zahlreiche Bayern-Spieler großen Anteil an den WM-Triumph 2014 hätten. "Wir haben jetzt vier Spiele erlebt, die uns allesamt nicht gefallen haben. Aber das ist kein Grund, so mit der Mannschaft, mit den Spielern umzugehen", erklärte Rummenigge.

Auch Stefan Effenberg bekommt sein Fett weg. Der ehemalige Nationalspieler hatte Salihamidzic vorgeworfen, sich öffentlich nicht hinter Trainer Niko Kovac gestellt zu haben. "Mir wurde vorgeworfen, dass ich mich nicht öffentlich zu Niko Kovac gestellt habe. Dazu muss ich was klar stellen. Warum? Wir schätzen seine Arbeit. Wir müssen uns doch nicht öffentlich ein Küsschen geben. Das ist respektlos und unverschämt, was hier passiert", sagte Salihamidzic. "Effenberg ist beim TV, ich beim FC Bayern München. Eine Mannschaft wird nicht nach Symbolpolitik geführt."

Angriff auf Bernat

Oft kritisiert wurde in der jüngsten Vergangenheit die Kaderzusammenstellung des deutschen Rekordmeisters. Auf dieser Kritik reagierten die Verantwortlichen ebenfalls harsch. Reizpunkt: Juan Bernat. Der Spieler wurde im vergangenen Sommer zu Paris Saint-Germain verkauft. Ein Journalist hätte dieses als einen der Gründe für den Misserfolg der Bayern genannt. "Das Spiel gegen den FC Sevilla im Viertelfinale der Champions League: An diesem Tag haben wir uns dazu entschlossen, Bernat zu verkaufen. Er alleine war dafür verantwortlich, dass wir fast aus der Champions League ausgeschieden sind", fand Hoeneß deutliche Worte gegen seinen Ex-Spieler.

Auf der Pressekonferenz sprach ein Journalist Hoeneß direkt auf dessen harsche Kritik an Mesut Özil an ("Spielt seit Jahren einen Dreck"). "Ich bleibe bei meiner Kritik, ich hätte jedoch statt Dreck Mist sagen sollen", versuchte sich der Präsident zu erklären. Brisant: Zuvor hatte Rummenigge Artikel 1 des Grundgesetzes zitiert und darauf verwiesen, dass die Medien nicht einzelne Spieler angreifen dürfen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen