Pro und Contra : Ist Niko Kovac noch der Richtige für den FC Bayern München?

Niko Kovac steht nach zuletzt vier Sieglos-Spielen in der Kritik.
Niko Kovac steht nach zuletzt vier Sieglos-Spielen in der Kritik.

Niko Kovac in der Kritik: Was spricht für eine Entlassung des Bayern-Coaches und was dagegen – Pro und Contra.

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08. Oktober 2018, 12:15 Uhr

München | Die erste Trainerentlassung in der Fußball-Bundesliga ist bereits über die Bühne gegangen. Tayfun Korkut musste beim VfB Stuttgart das Feld räumen. Wer wird das nächste Opfer der Vereinsbosse sein? Ganz hoch im Kurs steht in dieser Frage Niko Kovac vom FC Bayern München. Nach dem jüngsten 0:3 gegen Borussia Mönchengladbach steht der 46-Jährige schwer in der Kritik.

Nach der Länderspielpause wird Kovac aller Voraussicht nach noch auf der Trainerbank des Rekordmeisters sitzen. Ist das die richtige Entscheidung? Die Sportredakteurin Nina Brinkmann spricht sich für einen Verbleib von Kovac als Trainer aus, ihr Kollege Kim Patrick von Harling hält einen Trainerwechsel für sinnvoll.

Pro: Er hat bislang zu viel richtig gemacht

Niko Kovac führte mit dem FC Bayern München bis zum fünften Spieltag die Bundesligatabelle an.
imago/Plusphoto
Niko Kovac führte mit dem FC Bayern München bis zum fünften Spieltag die Bundesligatabelle an.

Nur einen Tag nach der klaren 0:3-Niederlage gegen Gladbach musste Niko Kovac auf der Wiesn antanzen. Obwohl Präsident Uli Hoeneß ihm öffentlich den Rücken stärkt, ist der Trainer wahrscheinlich schon mal mit besserer Stimmung ins Festzelt gegangen. Dass Bekenntnisse solcher Art in der heutigen Zeit allerdings häufig auch leere Versprechungen sind, zeigte die Personalie Tayfun Korkut – noch wenige Stunden vor seiner Entlassung sagte Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke, dass "sich die Trainerfrage nicht stellt".

Doch Kovac jetzt anzuzählen, ist der falsche Weg. Dafür hat er bislang zu viel richtig gemacht. Er hat die alternde Bayern-Truppe gut in die Saison gebracht, zunächst sah es gar so aus, als ob es wieder ein klarer Durchmarsch des Rekordmeisters wird. Nach zuletzt vier Spielen ohne Sieg werden die erfolgsverwöhnten Münchner naturgemäß unruhig. Kovac sollte dennoch die Zeit bekommen, zu beweisen, dass er auch mit dieser Situation klar kommt. Schließlich hat er bereits in Frankfurt gezeigt, dass er es kann. Er sicherte der Eintracht den Klassenerhalt und führte sie anschließend zwei Mal ins DFB-Pokalfinale.

Kommende Aufgaben sprechen für Niko Kovac

Die Schuld für die jüngste Durststrecke sollten die Verantwortlichen vielmehr bei sich suchen. Es wäre sinnvoll gewesen, in der Sommerpause aktiver auf dem Transfermarkt zu werden und den Verjüngungsprozess der Mannschaft einzuleiten. Die kommenden Spiele werden zeigen, ob Kovac die Mannschaft wieder richtig einstellen kann, das Programm aber spricht für ihn: Gegen Wolfsburg und Mainz in der Bundesliga sowie AEK Athen in der Champions League sind drei Siege Pflicht. Anschließend folgen Rödinghausen im Pokal, Freiburg und erneut Athen, ehe man dann im November zu Borussia Dortmund reist – mit dem Trainer Niko Kovac.

Contra: Kaum Erfolge, kein Prestige

Seit vier Spielen sind Niko Kovac und der FC Bayern München sieglos.
imago/Eibner
Seit vier Spielen sind Niko Kovac und der FC Bayern München sieglos.

Was der FC Bayern München in den vergangenen Wochen auf den Rasen gebracht hat, ist schlichtweg nicht tragbar für einen solchen Verein. Und wie FCB-Präsident Uli Hoeneß bereits richtig erkannt hat: "Am Ende muss Kovac den Kopf hinhalten." Auch der kroatische Coach "kennt die Mechanismen". Niko Kovac gehört nicht an die Seitenlinie des Rekordmeisters. Dafür fehlt es ihm an Erfahrung und vor allem an Prestige.

Ja, in der vergangenen Saison schaffte Kovac mit Eintracht Frankfurt das schier Unmögliche, als er am Ende einer langen Saison den DFB-Pokal in die Luft stemmte. Und was noch? Richtig, mehr kann er nicht vorweisen. Das Projekt Kovac war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Bayern hat den Anspruch, zu den besten Mannschaften der Welt zu gehören. Hierzu benötigt es ebenso einen Trainer der Kategorie Weltklasse. Einen Übungsleiter, der das "Besondere" mitbringt. Im besten Fall liegen in der Bewerbungsmappe noch zahlreiche Titel bei.

Stars brauchen ein Vorbild

Der Lustlos-Auftritt der Bayern-Spieler gegen Borussia Mönchengladbach zeigte das ganze Elend über 90 Minuten. Kovac war nicht in der Lage, seine Truppe taktisch in die richtige Spur zu führen. Zu keinem Zeitpunkt hatte der gemeine Zuschauer das Gefühl: hier passiert noch etwas. Gerade in solchen Situationen, wenn es nicht läuft, zeigt sich die Qualität eines guten Trainers. Die vermeintlichen Stars brauchen einen Chef, zu dem sie aufsehen können. Louis van Gaal, Felix Magath und Jupp Heynckes gehörten in diese Kategorie – Niko Kovac nicht.

Natürlich sind die Vereinsbosse extrem blauäugig in die Kaderplanung zur neuen Saison gegangen. Keine namhaften Zugänge, keine Stars, keine Spieler, die den Kader qualitativ nach vorne bringen würden. Doch viel blauäugiger war es, einen Coach zu verpflichten, der eine ebenso glanzlose Mannschaft an die Spitze Europas führen soll.

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