Kritik an DFB-Teamkameraden : Özil: "Leute sollten einfach akzeptieren, was ich für Deutschland getan habe"

Mesut Özil kritisiert in einem Interview seine ehemaligen Mitspieler im DFB-Dress.
Mesut Özil kritisiert in einem Interview seine ehemaligen Mitspieler im DFB-Dress.

Özil bedauert, dass er im Rahmen der Erdogan-Affäre von seinen DFB-Mannschaftskollegen kaum Unterstützung erhielt.

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17. Oktober 2019, 11:05 Uhr

London | Mesut Özil hat sich beim Sportal "The Athletic" in einem ausführlichen Interview zu seinem Rücktritt aus dem DFB-Team, dem folgenschweren Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im Sommer 2018 und zunehmend rassistischen Tendenzen in Deutschland geäußert.

Der Fußball-Profi habe sich insbesondere im Rahmen der Erdogan-Affäre von seinen Teamkollegen und dem DFB-Tross nicht ausreichend respektiert und geschützt gefühlt." Ich habe rassistische Anfeindungen bekommen, sogar von Politikern und Figuren des öffentlichen Lebens. [...] Aber niemand von der Nationalmannschaft ist damals gekommen und hat gesagt: 'Hey, hört auf. Das ist unser Spieler, ihr könnt ihn nicht beleidigen.' Alle haben einfach geschwiegen und es geschehen lassen."

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Foto mit Erdogan würde Özil wieder machen

Rückblick: Kurz vor der WM 2018 war ein Foto mit Özil, Ilkay Gündogan und Erdogan öffentlich geworden, das aufgrund der umstrittenen politischen Rolle des türkischen Präsidenten eine große mediale Diskussion ausgelöst und für viel Unruhe in der Turniervorbereitung gesorgt hatte. Während Gündogan sich öffentlich entschuldigte, gab Özil kein Statement zu dem Vorfall ab. Nach der WM trat er dann aus der Nationalmannschaft zurück – und erhob schwere Vorwürfe gegen den damaligen DFB-Boss Reinhard Grindel.

"Nach dem Foto fühlte ich mich nicht respektiert und ungeschützt", so Özil im Athletic-Interview. Das Foto mit Erdogan würde er aber wieder aufnehmen. "Erdogan ist der momentane Präsident der Türkei und ich würde so einer Person immer Respekt zeigen, egal wer es ist. Obwohl ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, ist die Türkei ein Teil meines Erbes." Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel nach London gekommen wäre, hätte er ebenso reagiert, sagte Özil: "Es geht einfach nur darum, dem höchsten Amt eines Landes Respekt zu zeigen."

Für Deutschland "immer alles gegeben"

Während der WM und nach dem blamablen Ausscheidens Deutschlands war Özil von den eigenen Fans beschimpft und rassistisch beleidigt worden: "Als ich vom Platz gegangen bin haben mir Deutsche zugerufen 'Geh zurück in dein Land', 'F... dich', 'Türkensau' und solche Sachen." Seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bereut der 31-Jährige unter anderem aufgrund dessen nicht.

"Nach ein bisschen Zeit zum Nachdenken weiß ich, es war die richtige Entscheidung. Ich sage nicht, dass die Leute mich lieben müssen, aber sie sollten einfach respektieren, was ich für Deutschland getan habe. Ich habe die Weltmeisterschaft gewonnen, viele Spiele absolviert – viele davon waren wirklich gut – und ich habe immer alles gegeben", erklärte Özil.

"Rassismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen"

Der Star des FC Arsenal warnt in dem Gespräch mit "The Athletic" unter anderem mit Blick auf die jüngsten Geschehnisse in Halle auch vor zunehmenden Rassismus-Tendenzen in Deutschland. Rassismus in Deutschland sei nicht nur "eine Sache des rechten Flügels im Land. Er ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen."

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