Fußball im Osten : Hansa-Mittelmaß, Jena-Wunder, Leipzig-Titeltraum: Eduard Geyers Prognose für die Rückrunde

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Eduard Geyer ist ein Kenner des ostdeutschen Fußballs. Der ehemalige Bundesliga-Trainer von Energie Cottbus analysiert die erste Saisonhälfte der Clubs von Rostock bis Aue und gibt eine Prognose für die Rückrunde ab.

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27. Dezember 2019, 10:44 Uhr

Bei Dynamo Dresden ist er Stammgast, doch Eduard Geyer verfolgt auch die anderen ostdeutschen Clubs von der Fußball-Bundesliga bis zur 3. Liga mit großem Interesse. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur analysierte der frühere Bundesliga-Trainer von Energie Cottbus die erste Saisonhälfte der Mannschaften und blickt auf die Rückrunde. Während er für die Arbeit in Leipzig, Aue und Zwickau lobende Worte findet, zeichnet der 75 Jahre alte Geyer für Dresden und Jena ein düsteres Bild.

RB LEIPZIG

„Auch wenn sich andere das Maul über RB Leipzig zerreißen, ist es bemerkenswert, was in Leipzig in der Kürze der Zeit entstanden ist. Julian Nagelsmann hat es geschafft, die junge Mannschaft auf Anhieb besser zu machen. RB steht in der Tabelle zu Recht ganz oben. Wenn der FC Bayern weiterhin so mies spielt und Borussia Dortmund so inkonstant auftritt, traue ich den Leipzigern in dieser Saison sogar den Meistertitel zu. Sie gehören mit ihren Leistungen auf jeden Fall zu den Top 3 der Liga.“

1. FC UNION BERLIN

„Obwohl die beiden letzten Spiele vor der Winterpause gegen Hoffenheim und in Düsseldorf verloren wurden, hat Union eine gute Hinrunde gespielt. 20 Punkte sind für einen Aufsteiger ein ordentliches Ergebnis und eine gute Ausgangsposition für den weiteren Saisonverlauf. Wenn die Berliner weiterhin so geschlossen und mutig auftreten, werden sie die Klasse halten. In Zeiten, in denen der Fußball eigentlich nur noch auf Kommerz ausgerichtet ist, tut ein familiär geführter Club wie Union der Bundesliga richtig gut.“

ERZGEBIRGE AUE

„Was Aue in dieser Zweitliga-Saison bislang abgeliefert hat, ist phänomenal. Ich hoffe, dass sie nach der starken Hinrunde das Niveau in der zweiten Halbserie halten können. Eine große Rolle für das gute Abschneiden spielt dort auch Präsident Helge Leonhardt. Wenn es nötig ist, wird beim FC Erzgebirge zeitig genug ein Signal gesetzt. Wenn Aue seine Heimstärke beibehält, wird das Team am Saisonende einen guten Platz im vorderen Mittelfeld belegen.“

DYNAMO DRESDEN

„Die ursächlichen Fehler für die katastrophale Hinrunde wurden schon früher gemacht. Mit Ausnahme von Uwe Neuhaus wurden in der jüngeren Vergangenheit Trainer verpflichtet, die nie zu Dynamo gepasst haben. Zudem ist es versäumt worden, erfahrene Leute mit Dynamo-Vergangenheit mitzunehmen, um dem Club zu helfen. Genauso kritisch muss man hinterfragen, was die Scouting-Abteilung eigentlich macht und wo die Verantwortlichen ihre Neuzugänge suchen? In der Winterpause muss bei Dynamo von oben bis unten durchgekehrt werden.

Es gibt mehrere Stellen, an denen es klemmt. Hinzu kommt, dass schon zu Saisonbeginn die Niederlagen zu schön geredet wurden. Ich hoffe, dass der neue Trainer Markus Kauczinski die Kurve kriegt. Aber eines steht fest: Er muss stark sein und sich gegen Widerstände durchsetzen. Dynamo kann den Klassenverbleib nur schaffen, wenn sich einiges ändert. Das Team muss die Fans wieder mitreißen. Da sind lange oder zweite Bälle oft mehr gefragt als dieser Ping-Pong-Fußball mit 70 Prozent Ballbesitz und ohne jegliche Torgefahr.“

HALLESCHER FC

„Der HFC ist für mich eine Wundertüte. Im Prinzip hat Halle bislang keine schlechte Saison gespielt. Aber sie haben es verpasst, sich in den entscheidenden Momenten abzusetzen und sich ein Polster zu verschaffen. Ich würde dem HFC den Aufstieg wünschen, aber sie müssen in der Rückrunde stabiler spielen. Wenn sie bis zum Schluss oben dran bleiben, ist alles möglich.“

1. FC MAGDEBURG

„Nach einem Abstieg haben viele Mannschaften oftmals mit einem Bruch zu kämpfen. Das hat Magdeburg erfahren müssen. Das bisherige Abschneiden finde ich dennoch enttäuschend, vor allem in den Heimspielen wurden einige Punkte weggeschenkt. Der FCM wird in der Rückrunde sicherlich noch ein paar Plätze gut machen, aber um wieder in den Aufstiegskampf einzugreifen, brauchen sie vielleicht noch ein, zwei Jahre.“

FC HANSA ROSTOCK

„Dass Hansa bei seinen Möglichkeiten über das Mittelmaß in der 3. Liga nicht hinaus kommt, ist eigenartig. Sie haben ein fanatisches Publikum und viele Fans. Immer wenn sie oben dran waren, dachte ich, Rostock beißt sich an in der Spitzengruppe fest. Aber dann hat sich die Mannschaft mit Niederlagen selbst zurückgeworfen. Mein Eindruck ist auch, dass die Spieler, die Hansa geholt hat, nicht gut zusammenpassen. Trainer Jens Härtel muss in der Rückrunde liefern, denn in Rostock wird man bekanntlich schnell ungeduldig.“

FSV ZWICKAU

„Die Zwickauer brauchen für den Klassenverbleib schon noch ein paar Punkte, aber insgesamt staune ich über den FSV. Sie haben in der Hinrunde teilweise guten Fußball gezeigt und sind in den Duellen oftmals nie schlechter als die vermeintlichen Spitzenmannschaften der Liga. Wenn der FSV zu alter Heimstärke zurückfindet, werden sie die Klasse halten.“

CHEMNITZER FC

„Die ständigen Nebengeräusche rund um den Club können nie spurlos an einer Mannschaft vorbeigehen. Aber unter dem neuen Trainer Patrick Glöckner hat sich das Team nach dem schlechten Saisonstart gefangen und den Anschluss wieder hergestellt. Dennoch ist es noch ein weiter Weg bis zur Rettung. Wenn wieder mehr Ruhe beim CFC einkehrt, ist es nicht unmöglich, die 3. Liga zu halten.“

CARL ZEISS JENA

„Der Klassenverbleib in der vergangenen Saison war schon eine große Überraschung. Aber im Sommer wurden in einigen Bereichen offensichtlich gravierende Fehler gemacht. Dadurch ist Jena in der Hinrunde ganz tief abgerutscht. Rico Schmitt versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Er hat wieder Leben in die Mannschaft gebracht. Dennoch glaube ich, dass der Rückstand zu groß ist. Es müsste ein Wunder geschehen, dass Jena den Abstieg noch verhindert.“

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