Nach Abstieg der Grasshopper Zürich : Skandal in der Schweiz: Chaoten wollen Fußballer fast nackt sehen

Torhüter Heinz Lindner (rote Hose) agierte als Vermittler zwischen den aufgebrachten Anhängern und der Mannschaft. Einige Mitspieler musste der Österreicher beruhigen.
Torhüter Heinz Lindner (rote Hose) agierte als Vermittler zwischen den aufgebrachten Anhängern und der Mannschaft. Einige Mitspieler musste der Österreicher beruhigen.

Nach 70 Jahren in der 1. Schweizer Liga ist Rekordmeister Grasshopper Zürich unter skandalösen Umständen abgestiegen.

von
13. Mai 2019, 12:24 Uhr

Zürich | Der Schweizer Rekordmeister Grasshopper Zürich ist unter skandalösen Umständen aus der ersten Liga abgestiegen. Teile der Anhänger des 27-fachen Champions erzwangen am Sonntag beim Stand von 4:0 für den FC Luzern einen Spielabbruch. Die Rowdies hatten sich am Spielfeldrand versammelt und so eine sichere Fortführung der Partie unmöglich gemacht. Das Match wurde zunächst für 20 Minuten unterbrochen und dann schließlich abgepfiffen.

"Gebt das Leibchen her! Lasst die Hosen runter! Verpisst Euch!"

Es war in dieser Saison bereits der zweite Spielabbruch mit Beteiligung der Grasshopper. Beim Spiel in Sion hatten Chaoten durch übermäßiges Abbrennen von Pyrotechnik für den ersten Skandal gesorgt. "Das ist nicht nur ein rabenschwarzer Tag für GC, sondern für den ganzen Schweizer Fussball. Das, was mit den Fans passiert ist, ist ein absolutes No-Go", sagte Grasshopper-Trainer Uli Forte nach den Geschehnissen.

Der Spielabbruch war nicht der einzige Skandal, der sich an diesem Nachmittag in Luzern zutrug. Von den Spielern verlangte der erboste Anhang, ihre Trikots auszuziehen und in Unterwäsche in die Kabine zu gehen. "Gebt das Leibchen her! Lasst die Hosen runter! Verpisst Euch!", hieß es aus den Reihen des tobenden Mobs.

Nachdem er mit den Hooligans 'verhandelt' hatte, kehrte GC-Torhüter Heinz Lindner in die Kabine zurück. Foto: imago images / Geisser
imago images / Geisser
Nachdem er mit den Hooligans "verhandelt" hatte, kehrte GC-Torhüter Heinz Lindner in die Kabine zurück. Foto: imago images / Geisser

Der österreichische Torhüter Heinz Lindner, früher unter anderem bei Eintracht Frankfurt aktiv, begab sich mutigen Schrittes in die Fankurve und suchte das Gespräch. "Ich kann den Unmut der Fans irgendwie verstehen. Wenn du in der 64. Minute 0:4 hinten liegst und dich so aus der Liga verabschiedest. Ich habe mit ihnen das Gespräch aufgenommen und versucht zu verhandeln. Aber es war relativ schnell klar, dass Weiterspielen keine Option mehr war", sagte der Keeper später.

"Es war kein Kniefall, sondern eine Deeskalation"

Immerhin konnte Lindner die Hooligans zu einem Kompromiss überreden. So kamen die Spieler der Grasshopper, die in der Zwischenzeit in den Katakomben verschwunden waren, später wieder auf den Rasen und überreichten den Fans ihre Trikots. Ihre Hosen durften sie anbehalten.

"Es war kein Kniefall, sondern eine Deeskalation", rechtfertigte Grasshopper-Präsident Stefan Rietiker am Montag die Vereinbarung mit den Chaoten. "Es sind klare Drohungen von Fans ausgesprochen worden. Es ist klare Erpressung. Aber ich musste abwägen. Es war nicht viel Polizei dort. Daher entschied ich, diese Trikot-Forderung zu erfüllen."

Für die Spieler entstand so eine erniedrigend anmutende Situation. Keeper Lindner war das egal: "Wenn es dazu beigetragen hat, Ausschreitungen oder Gewalt zu verhindern, ist es egal, ob es erniedrigend ist oder nicht", kommentierte er die Szenen später in der Zeitung "Blick". Der Verein postete später ein Statement, in dem er die Geschehnisse in Luzern aufs Schärfste verurteilte.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

Mit der Niederlage steigt der Traditionsverein, der in der Schweiz liebevoll "GC" genannt wird, nach 70 Jahren in der obersten Schweizer Liga in die Challenge League ab. Der Abstieg hatte sich seit langem abgezeichnet. Seit 18 Spielen, seit Oktober 2018, wartet der Verein auf einen Sieg. "Das geht mir sehr nahe. Unser Klub hat sich sehr unrühmlich in die Zweite Liga verabschiedet. Ein Klub mit sehr viel Tradition, das tut sehr weh", sagte Heinz Lindner, der den Club wie die meisten anderen Spieler höchstwahrscheinlich verlassen wird.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen