Amateure vom Affenfelsen : Gibraltar im Jahr 2018 mit mehr Pflichtspielsiegen als Deutschland

So sehen Sieger aus: Die Spieler Gibraltars lassen sich nach dem zweiten Sieg in Folge feiern. Foto: imago/Agencia EFE
So sehen Sieger aus: Die Spieler Gibraltars lassen sich nach dem zweiten Sieg in Folge feiern. Foto: imago/Agencia EFE

Gibraltar gewinnt innerhalb von vier Tagen zwei Pflichtspiele und sorgt auf der iberischen Halbinsel für Fußballeuphorie.

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17. Oktober 2018, 11:39 Uhr

Gibraltar | Während Fußball-Großmacht Deutschland nach zuletzt zwei Niederlagen in der Nations League gegen die Niederlande und Frankreich seine Wunden leckt, sorgt Winzling Gibraltar derzeit europaweit für Aufsehen: Nachdem die Nationalmannschaft des an der Südspitze Spaniens gelegenen britischen Überseegebiets am vergangenen Wochenende mit dem 1:0-Sieg in Armenien den ersten Pflichtspielsieg seiner Geschichte feierte, legte sie am Dienstag durch den 2:1-Heimerfolg gegen Liechtenstein einen weiteren Triumph nach.

Damit verzeichnen die Amateurfußballer vom Affenfelsen (Gibraltar ist der einzige Ort in Europa, an dem Affen freilebend vorkommen) im Jahr 2018 mehr Pflichtspiel-Siege als die deutsche Nationalmannschaft. Das DFB-Team verbucht einzig den WM-Vorrundensieg gegen Schweden als im Nachhinein bedeutungslosen – Erfolg.

Im Land des 198. der Fußball-Weltrangliste stehen sie jetzt Kopf. "Das ist der schönste Moment meines Lebens", jubilierte Gibraltars uruguayischer Nationaltrainer Julio Ribas nach dem Spiel euphorisiert. Wie die Tageszeitung "Gibraltar Chronicle" berichtet, flossen nach dem zweiten Sieg innerhalb von vier Tagen auf der Tribüne des Victoria Stadiums sogar Freudentränen bei Offiziellen des Fußballzwergs sowie bei einigen anwesenden Ministern.


Seit der Aufnahme in die UEFA im Jahr 2013 hatte Gibraltar 22 Pflichtspielniederlagen kassiert, darunter unter anderem ein 0:7 gegen Deutschland, ein 1:8 gegen Polen und ein 0:9 gegen Belgien. Am vergangenen Samstag feierten die Amateurkicker dann völlig überraschend ihren ersten Erfolg beim 1:0 in Armenien, das immerhin auch mit Arsenal-Profi Henryk Mkhytarian angetreten war. Der Erfolg im Kaukasus schmeckte auch deswegen besonders süß, weil vor dem Spiel in Eriwan die falsche Nationalhymne abgespielt worden war: An Stelle der gibraltischen war die Hymne Liechtensteins durch die Lautsprecher geschallt. Für die gibraltischen Kicker offenbar eine zusätzliche Motivation.

Besonderen Heldenstatus hat in Gibraltar jetzt Joseph Chipolina inne. Der 30-Jährige hatte beim Sieg in Armenien den entscheidenden Treffer erzielt und sorgte auch gegen Liechtenstein für die Entscheidung. Nachdem George Cabrera in der 61. Minute die Führung der Liechtensteiner ausgeglichen hatte, traf Chipolina fünf Minuten später zum historischen Triumph. Beide Torschützen kicken für den gibraltischen Meister Lincolns Red Imps FC.

Gibraltar liegt nun in der Gruppe 4 der D-Liga in der Nations League auf dem zweiten Platz – vor Armenien und Liechtenstein, Tabellenführer Mazedonien ist drei Punkte entfernt. Bei den abschließenden beiden Nations-League-Spiele zu Hause gegen Armenien und in Mazedonien will Gibraltar möglichst weiter an seiner eigenen Erfolgsgeschichte arbeiten – möglicherweise ist dann sogar Platz 1 und der Aufstieg in die C-Gruppe möglich. Deutschland dagegen droht in seiner Gruppe dagegen der Abstieg. Verrückte Fußballwelt.

Sehen Sie hier noch einige Tweets rund um die Fußballsensation Gibraltars:

Ausnahmezustand nach dem Treffer zum 2:1 auf den Tribünen des Victoria Stadiums:

Dieser Tweet zeigt ein Foto nach dem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft 2015 in Gibraltar. Deutschland gewann mit 7:0 – und Mario Götze sicherte sich nach der Partie das Trikot eines späteren Helden:

Jubelfeiern auf dem Platz:



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