Fußball : Regionalliga-Reform: Verlierer sind auch die Drittligisten

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Spitzentreffen zur Regionalliga-Reform: Reduzierung auf vier Staffeln in weiter Ferne

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20. März 2019, 20:00 Uhr

„Alle Meister müssen aufsteigen“ - der Ursprungsgedanke der Regionalliga-Reform ist am Dienstagabend in weite Ferne gerückt. Auf ihrem Spitzentreffen in Landsberg in Sachsen-Anhalt hatten die Vertreter der Dritt- und Viertligavereine aus dem Norden, dem Nordosten und Bayern eine Zerschlagung der Nordost-Staffel mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Damit ist der Plan einer Reduzierung von fünf auf vier Regionalliga-Staffeln aussichtslos. Das letzte Wort darüber und über die Regelung des Aufstiegs von den Regionalligen in die 3. Liga haben allerdings die Delegierten des DFB-Bundestages, der am 26. und 27. September in Frankfurt/Main zusammenkommen wird.

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Regionale Identität zu bedeutsam

Die Vereinsvertreter hatten bei ihrem Treffen in Landsberg vier Stunden lang diskutiert. „Es waren sehr intensive und sachliche Diskussionen. Aufgrund unterschiedlicher Interessen gab es auch kontroverse Meinungen“, erklärte Rainer Koch, DFB-Vizepräsident und Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes.

Eine vom DFB eingesetzte Ad-hoc-AG zur Neuregelung des Aufstiegs zur 3. Liga hatte eine Lösung gefordert und ursprünglich den Auftrag erteilt, ab der Saison 2020/21 aus den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern zwei Ligen zu bilden, um der Vorgabe „Der Meister steigt auf“ gerecht zu werden. „Wir sind zu dem klaren Ergebnis gekommen, dass es schlicht nicht möglich ist, aus den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern zwei Ligen zu bilden. Das ist wirtschaftlich nicht darstellbar, dazu sind die Distanzen zu groß, außerdem ist die regionale Identität gerade im Nordosten viel zu bedeutsam, um ihn in zwei Teile zu zerschneiden“, sagte Koch, der zugeben musste: „Diese Lösung, die jetzt gefunden worden ist, ist keine gute, aber unter allen schlechten die mit Abstand beste.“

Erleichterung beim NOFV

Erwin Bugar, Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV), hatte im Vorfeld des Treffens vehement für die Erhaltung der Nordost-Regionalliga gekämpft. Mit dem Ergebnis vom Dienstag konnte er sehr gut leben. 47 Vereinsvertreter votierten bei vier Enthaltungen für den Fortbestand einer fünfgleisigen vierten Liga in Deutschland. „Wir wussten alle nicht, welches Meinungsbild herauskommt. Ich spreche den Vertretern der Bayern- und Nord-Staffeln meinen Respekt aus. Sie haben sich klar zu uns bekannt. Wir haben jetzt gute Grundlagen für die weitere Arbeit geschaffen“, sagte Bugar der „Magdeburger Volksstimme“ (Mittwoch).

Neben dem NOFV gehörten auch die kleineren Vereine zu den Gewinnern.„Wir sind der Unterbau. Ohne uns gibt es keine Nationalmannschaft und keine Weltmeister. Wir haben heute so entschieden, weil Prioritäten gesetzt werden sollten. Die Priorität war eindeutig der Erhalt der Regionalliga Nordost“, betonte Volkhardt Kramer, Manager des VfB Auerbach.

Ernüchterung bei Drittligisten

Neben den ambitionierten Vereinen der Regionalligen aus dem Norden, Nordosten und Bayern gehören die Drittligisten zu den Verlierern des Votums. Die Clubs der 3. Liga waren in Vorleistung gegangen und hatten vor der laufenden Saison einem vierten Absteiger zugestimmt - allerdings unter der Bedingung, dass es ab der Saison 2020/21 nur noch vier Regionalligen gibt, aus denen alle Meister direkt aufsteigen. „Wir sind mit dem Ziel angetreten: vier Aufsteiger, vier Absteiger und vier Regionalligen. Das tritt nun nicht ein. Dann geht man nicht zufrieden aus der Runde heraus. Aber man muss sich den Realitäten stellen. Es gibt keinen Königsweg, das haben wir heute gesehen“, erklärte Sven-Uwe Kühn, Sprecher der 3. Liga im DFB-Spielausschuss.

Ungerechtigkeit bei der Aufstiegsregelung

Mit dem Fortbestand einer fünfgleisigen Regionalliga akzeptierten die Clubverantwortlichen auch die Tatsache, dass die Meister der Regionalligen West und Südwest ab der Saison 2020/21 direkt aufsteigen werden, während die Erstplatzierten aus dem Norden, Nordosten und Bayern zwei Aufsteiger in einem noch zu entwickelnden Modus ermitteln müssen. Dafür votierten 35 Sitzungsteilnehmer, fünf enthielten sich, zwölf stimmten dagegen.

„Letztlich ist es für uns nicht schön, dass die Meister im Westen und Südwesten zwei direkte Aufsteiger stellen und wir aus drei Meistern zwei Aufsteiger ermitteln müssen. Das ist schlicht ungerecht“, sagte Kühn. „Es kann doch nicht sein, dass der Westen und der Südwesten zwei sichere Aufsteiger haben - und wir müssen uns um die Plätze prügeln“, kommentierte Chris Förster, Geschäftsführer von Carl Zeiss Jena, das Modell in der „Bild“-Zeitung. Auch DFB-Vizepräsident Koch räumte ein: „Ich erwarte keine Zufriedenheit, wir sind ja auch nicht wirklich zufrieden. Viele Fragen bleiben. Die Diskussion ist noch nicht zu Ende.“

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