Nach Debakel gegen Frankfurt : FC Bayern München bestätigt: Niko Kovac ist nicht mehr Trainer

Trainer Niko Kovac wirkte am Tag nach der krachenden Niederlage sehr nachdenklich.
Trainer Niko Kovac wirkte am Tag nach der krachenden Niederlage sehr nachdenklich.

Die höchste Pleite seit zehn Jahren kostet Niko Kovac den Trainerjob. Er habe seinen Rücktritt angeboten, heißt es.

von
03. November 2019, 13:32 Uhr

Frankfurt/München | Der FC Bayern München hat sich von Trainer Niko Kovac getrennt. Der deutsche Fußball-Rekordmeister verkündete dies am Sonntagabend, einen Tag nach der 1:5-Niederlage bei Eintracht Frankfurt, in einer Pressemitteilung.

Die Spitzen des FC Bayern Münchens hätten am Sonntag mit Kovac ein "offenes und seriöses Gespräch geführt, mit dem einvernehmlichen Ergebnis, dass Niko nicht mehr Trainer des FC Bayern ist", heißt es dort. Kovac hatte dem FC Bayern München seinen Rücktritt als Trainer angeboten.

Die Leistungen unserer Mannschaft in den vergangenen Wochen und auch die Resultate haben uns gezeigt, dass Handlungsbedarf bestand. Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern


Co-Trainer Hans Flick werde vorübergehend übernehmen, teilte der Club mit. Kovac zeigte sich einsichtig:

Ich denke, dass dies zum jetzigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung für den Klub ist. Die Ergebnisse und auch die Art und Weise, wie wir zuletzt gespielt haben, haben mich zu diesem Entschluss kommen lassen. Mein Bruder Robert und ich danken dem FC Bayern für die zurückliegenden knapp anderthalb Jahre. In dieser Zeit hat unsere Mannschaft die Meisterschaft, den DFB-Pokal und den Supercup gewonnen haben. Es war eine gute Zeit. Ich wünsche dem Klub und der Mannschaft alles erdenklich Gute. Niko Kovac in der Pressemitteilung


Erst hieß es noch "Köpfe frei bekommen"

Nach der höchsten Niederlage seit über zehn Jahren mussten sich die Bayern-Spieler von den mitgereisten Fans eines anhören lassen. Die 1:5-Pleite in Frankfurt hatte deutliche Spuren hinterlassen und Kapitän Manuel Neuer erklärte: "Das war uns wichtig, dass wir hingehen und uns für die Leistung entschuldigen. Das ist nicht normal, das wissen wir. Das ist nicht akzeptabel, dass du hier in dieser Höhe verlierst."

Als Niko Kovac noch im Kreuzverhör zu seiner Zukunft und dem blamablen 1:5 bei Eintracht Frankfurt stand, hatten die Bayern-Bosse die Arena schon kommentarlos durch den Hintereingang verlassen. Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Hasan Salihamidzic zogen es vor, nach dem sportlichen Debakel zu schweigen.

Der 48-Jährige leitete am Sonntag das Training beim FC Bayern und bereitete das Team auf das Champions-League-Duell gegen Olympiakos Piräus am Mittwoch vor. "Wir haben am Mittwoch die Möglichkeit, in der Champions League den Sack zuzumachen", sagte Kovac in einer Mitteilung des deutschen Fußball-Rekordmeisters am Sonntag. Es sei wichtig, dass man wieder "die Köpfe frei" bekomme.

Kein öffentliches Training

Die sportlichen Sorgen des FC Bayern wirkten wenige Tage vor dem Bundesliga-Gipfel gegen Borussia Dortmund größer denn je seit dem Amtsantritt des Kroaten. Die erste Maßnahme: Das öffentliche Training am Sonntag wurde gestrichen. "Wir bitten alle Fans um Verständnis", hieß es einer Vereinsmitteilung.


Neben Kovac stellte sich nur Kapitän Neuer den bohrenden Fragen der Journalisten und er ließ mit seinen Aussagen aufhorchen: "Dass wir nach zehn Minuten in Unterzahl sind, macht es nicht leichter. Dennoch darfst du hier keine fünf Dinger bekommen. (...) Es ist jetzt kein riesiges Wunder, was hier passiert ist. Es hat sich ein bisschen angebahnt." Trainer Kovac konnte sich nicht erinnern, dass er als Trainer mal höher verloren habe. Auf die Frage nach seiner Zukunft sagte er: "Das kann ich nicht sagen. Mein Gefühl ist nicht wichtig, diejenigen die das zu entscheiden haben, sind die, die letzten Endes gefragt werden müssen."

"Es sieht verdächtig danach aus, dass Bayern jetzt handelt." Lothar Matthäus


Während die Verantwortliche es zunächst vorzogen nichts zu sagen, äußerten sich zwei Ex-Bayern-Spieler und TV-Experten zur Lage bei den Bayern: "Die Mannschaft hat sich in Einzelteile aufgelöst", sagte Dietmar Hamann und ergänzte: "Was mich stört, ist, wenn ich Spieler sehe, die über 90 Minuten mit einer Lässigkeit Bälle verlieren." Bayern-Legende und Sky-Experte Lothar Matthäus hatte kaum noch Hoffnung für Kovac: "Es sieht verdächtig danach aus, dass Bayern jetzt handelt."

Die Gründe für die derzeitige schlechte Verfassung der Bayern sind vielschichtig. Hier sind ein paar Problemfelder des amtierenden deutschen Meisters.

Angezählter Trainer

Auch im Vorjahr stand der Coach schwer in der Kritik, schaffte dann aber die Wende und wurde schlussendlich Double-Sieger. Doch selbst nach den zwei nationalen Titeln verstummte die Kritik an ihm nie so richtig. Schon vor der Klatsche wurden Kovac fehlender spielerischer Glanz und mangelnde Souveränität in den vergangenen Spielen angelastet. Auch, dass er nach misslungenen Auftritten häufiger die Schuld bei den Profis suchte, kam alles andere als gut an.


Fehlende Konstanz

Zwischen einer 7:2-Gala bei einem Finalisten der Champions League und einem 1:5 in der Liga liegen bei den Bayern gerade einmal gute vier Wochen. Den Münchnern geht in dieser Saison ihre gewohnte Konstanz abhanden. Auf das Tottenham-Spiel folgten eine Niederlage gegen Hoffenheim, ein Remis in Augsburg sowie glanzlose Erfolge über Piräus, Union Berlin und den VfL Bochum. Nach dem Zitter-2:1 beim Zweitligisten gab Kapitän Manuel Neuer den Journalisten einen schnippischen Tipp: "Schreib Bayern drüber. Dann ein leeres Blatt, das beschreibt unsere Leistung."

Müller-Debatte

"Müller spielt immer." Dieser von Louis van Gaal geprägte Satz hatte im zweiten Kovac-Jahr längst keine Gültigkeit mehr. Nach der Verpflichtung von Barcelona-Star Philippe Coutinho saß der 30 Jahre alte Ur-Bayer zuletzt häufig auf der Bank, für seine Aussage "Wenn Not am Mann sein sollte, wird er mit Sicherheit auch seine Minuten bekommen" musste sich Kovac entschuldigen. Doch auch Präsident Hoeneß sagte angesichts des namhaften Neuzugangs: "Es war doch klar, dass wenn der (Coutinho) kommt, dass es für den Thomas schwieriger wird."


Schwache Defensive

Die extrem von 14-Tore-Mann Robert Lewandowski abhängige Offensive zählt wieder einmal zur Bundesliga-Spitze. Das kann man über die Defensive derzeit überhaupt nicht sagen. Zuletzt trafen Paderborn, Hoffenheim und Augsburg doppelt gegen die Münchner. 16 Gegentore sind nicht nur der schlechteste Wert aller Topteams, sondern auch mehr Gegentreffer als Aufsteiger Union Berlin und nach zehn Saisonspielen so viele wie seit der Amtszeit von Klinsmann im Herbst 2008 nicht mehr.

Die Bilanz von Niko Kovac als Bayern-Trainer

Seine erste Saison als Bundesliga-Trainer des FC Bayern krönte Niko Kovac mit dem Double. In seiner zweiten Spielzeit als Coach der Münchner stagnierte der deutsche Fußball-Rekordmeister - Kovac musste gehen.
Bundesliga
  • 44 Spiele
  • 29 Siege
  • 9 Unentschieden
  • 6 Niederlagen

DFB-Pokal

  • 8 Spiele
  • 8 Siege
  • 0 Unentschieden
  • 0 Niederlagen

Champions League

  • 11 Spiele
  • 7 Siege
  • 3 Unentschieden
  • 1 Niederlage

DFL-Supercup

  • 2 Spiele
  • 1 Sieg
  • 0 Unentschieden
  • 1 Niederlage


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen