Fragen und Antworten : Entscheidung naht: 50+1-Ausnahme für Hannover 96?

Martin Kind kämpft für eine Ausnahme von der 50+1-Regel.
Martin Kind kämpft für eine Ausnahme von der 50+1-Regel.

Am Dienstag wird vor dem Schiedsgericht verhandelt. Ob es dann eine Entscheidung gibt, ist unklar – ein komplexes Thema.

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10. Dezember 2018, 14:24 Uhr

Hannover | Am Dienstag wird es ernst für Martin Kind und Hannover 96 – und vielleicht auch für den gesamten deutschen Profi-Fußball. Das ständige Schiedsgericht der Deutschen Fußball Liga (DFL) verhandelt über den Antrag von 96, eine Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel zu erhalten. Diese nur in Deutschland bestehende Regelung besagt, dass Stammvereine die Mehrheit an ausgegliederten Profi-Kapitalgesellschaften behalten müssen.

Was will Martin Kind erreichen?

Kind will eine Ausnahmeregelung, wie sie auch die TSG Hoffenheim, Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg haben. Der Präsident des Vereins Hannover 96 sowie Mehrfach-Gesellschafter im komplizierten 96-Geflecht will auch die Mehrheitsanteile an der Hannover 96 Management GmbH übernehmen. Über die nimmt der eingetragene Verein nach wie vor Einfluss auf die ausgegliederte Profi-Gesellschaft Hannover 96 KGaA. Genau diesen Einfluss schreibt die 50+1-Regel vor. Kind dagegen hält das für einen Verstoß gegen das Unternehmensrecht. Er möchte weitere regionale Gesellschafter ins Boot holen, um Hannover 96 wirtschaftlich zu stärken und auch um den Einfluss von Vereinsvertretern auf das Profigeschäft zu unterbinden.

Was ist die Position der DFL?

Die lehnte Kinds Antrag bereits im Juli ab. Denn gemäß den Statuten der DFL kann eine Ausnahme von der 50+1-Regel nur dann genehmigt werden, wenn jemand seinen Verein 20 Jahre lang ununterbrochen und in einem „erheblichen Umfang" gefördert hat. Genau diese „erhebliche Förderung" sieht die DFL bei Kind nicht als gegeben an. Als Reaktion darauf reichten Kind und Hannover 96 die Klage vor dem Schiedsgericht ein.

Wie setzt sich das Schiedsgericht zusammen?

Es ist besetzt mit einem Vorsitzenden und zwei Beisitzern. Alle drei müssen zum Richteramt befähigt, unabhängig und unparteilich sein. Ganz unabhängig ist das Gericht aber nicht. Der Vorsitzende Udo Steiner aus Regensburg sowie dessen Vertreter Klaus Vieweg aus Erlangen wurden einvernehmlich von der DFL-Mitgliederversammlung, der DFL selbst und dem Deutschen Fußball-Bund benannt. Jede Partei, in diesem Fall also die DFL und 96, bestimmt zudem einen Beisitzer.

Was passiert, falls auch das Schiedsgericht Kinds Antrag ablehnt?

Dann will Kind vor dem Landgericht Frankfurt gegen die 50+1-Regel an sich vorgehen. Eine entsprechende Klage ist bereits vorbereitet. In diesem Fall stünde die gesamte Regelung in Deutschland infrage. Denn kaum ein Experte glaubt, dass die 50+1-Regel mit EU-Recht vereinbar ist. Fällt die Regelung ganz, könnten bei allen Clubs externe Investoren mehrheitlich einsteigen.

Was hat Kinds Antrag mit dem club-internen Streit zu tun?

Ebenfalls seit Jahren machen die Kind-Kritiker in Hannover gegen dessen Übernahmepläne mobil. Vor allem in der Interessensgemeinschaft "Pro Verein 1896" haben sie sich organisiert. Zuletzt sorgte die IG mit einer Unterschriftenaktion für eine außerordentliche Mitgliederversammlung für Aufsehen. Diese hatte das Ziel, den bestehenden Club-Aufsichtsrat in Teilen abzuwählen und mit Kind-Kritikern neu zu besetzen. Das Kontrollgremium sollte dann in neuer Besetzung Kind absetzen, den Antrag auf die 50+1-Ausnahme zurücknehmen und die Übernahme der Management GmbH verhindern.

Obwohl die Opposition genügend Unterschriften sammelte, lehnte der 96-Vorstand eine außerordentliche Versammlung ab. Begründung: Im März findet ohnehin eine turnusmäßige Versammlung statt, bei der ein neuer Aufsichtsrat gewählt wird. Faktisch ist ein Wettlauf zwischen beiden Seiten entstanden. Kind möchte eine Entscheidung über seinen 50+1-Antrag vor einer Mitgliederversammlung erreichen. Die Opposition möchte ihn stürzen, bevor es eine solche Entscheidung gibt.

Wann entscheidet das Schiedsgericht?

Das ist offen. Alle Unterlagen liegen auf dem Tisch. Laut Kind könnte daher bereits am Dienstag eine Entscheidung fallen. Möglich ist aber auch, dass sie noch einmal vertagt wird. Kind rechnet aber nicht damit, dass sich diese Entscheidung noch einmal bis März - also bis zur Mitgliederversammlung - hinziehen würde.

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