In der Nations League gegen Niederlande : Die DFB-Elf in der Einzelkritik nach der Niederlage

Nicht nur Timo Werner ärgerte sich beim Spiel in der Nations League gegen die Niederlande über die schlechte Chancenverwertung der deutschen Nationalmannschaft.
Nicht nur Timo Werner ärgerte sich beim Spiel in der Nations League gegen die Niederlande über die schlechte Chancenverwertung der deutschen Nationalmannschaft.

Torwartfehler, schlechte Chancenverwertung oder verunsicherte Ex-Weltmeister – die DFB-Elf in der Einzelkritik.

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14. Oktober 2018, 14:45 Uhr

Amsterdam | Manuel Neuer: Vielleicht ist die Tatsache, dass Manuel Neuer Kapitän dieser Nationalmannschaft ist, Ausdruck des Problems. Neuer hat ja seit WM-Beginn mit sich selbst zu kämpfen, ist von alter Weltklasse gerade ziemlich weit entfernt. Und sicher auch kein Mann der klaren Worte, die einem Team eine neue Richung aufzeigen könnten. Das Tor zum 0:1 mit komplett falscher Einschätzung der Flanke hätte es so vor seinen Verletzungen nicht gegeben.

Matthias Ginter: Ganz wenige Ballkontakte, mit einem immerhin verhinderte der Mönchengladbacher das eigentlich schon sichere 2:0 von Babel nach 34 Minuten, wahrscheinlich wäre sonst alles noch schlimmer geworden. Aber: Wenn, dann liegt Ginters Zukunft in der Innenverteidigung, für die rechte Abwehrseite braucht es mehr Fähigkeiten in der Offensive.

Jerome Boateng: Puh. Das hatte man ja einige Jahre gar nicht für möglich gehalten, als aus dem einst ungestümen Boateng Mister Zuverlässig geworden war. Aber jetzt ist er nicht mehr ungestüm, und zuverlässig ist er auch nicht: Der deutsche Abwehrmann wirkt unfit, ist nicht mehr umsichtig und spielt in Vielzahl Fehlpässe. Beim 3:0 nur noch Fahnenstange und Statist in einem. Braucht eine Pause. Und ist eigentlich durch mit dem Thema Nationalelf.

Mats Hummels: Auch Hummels ist nicht mehr unumstritten, und es passt zur Form des Bayern-Innenverteidigers, dass er nach dem Spiel in den Interviews wieder in den beleidigten Duktus seiner Karriere-Anfangszeit verfiel. Während Europa von jungen, schnellen und kraftstrotzenden Verteidigern dominiert wird, leistet sich Deutschland leicht beleidigte Schwerfälligkeit ohne persönliche Ambition. Das ist nicht besonders schlau.

Jonas Hector: War trotz seines verlorenen Kopfballduells beim Ersten Gegenteffer einer der besseren Deutschen, ohne gut gewesen zu sein. Im Grunde ist es mit dem technisch immer wieder überraschend starken Hector so: In einem funktionierenden Team wird er immer auch selbst gut funktionieren. Dass er aber Stütze in einer strauchelnden Mannschaft ohne gesunde Struktur sein wird, darf man nicht erwarten.

Joshua Kimmich: Nicht alles gelang ihm, bisweilen ist der Münchener auf seiner für ihn noch neuen Sechserposition auch zu zappelig. Aber: Kimmich kann das gut spielen, und er wird noch besser werden. Spielte einen Zungenschnalzer-Pass auf Sane, grätschte, kämpfte, lief Löcher zu. Klar ist: Ihm wird beim dringend benötigten Neuaufbau einer echten Mannschaft eine Schlüsselrolle zukommen.

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Emre Can: Ihm eher nicht. Gelang es nur mäßig, die Kreise des neuen niederländischen Jungstars Frenkie de Jong einzuschränken, kam des Öfteren im dringend notwendigen Zweikampf zu spät. Stark war allein sein Pass auf Thomas Müller, aber der ist ja auch schon lange kein dankbarer Abnehmer mehr.

Toni Kroos: Kroos ist eben nicht der Anführer, der er gerne wäre. Oder der er vortäuscht zu sein. Absprechen kann man ihm nicht, dass er mehr läuft, mehr Aggressivität vorlebt als zuletzt. Aber bei aller Ballkontakterei kommt nicht mehr viel dabei heraus. Früher schoss er auch mal Tore, seine Standards sind unterdurchschnittlich, außerdem spricht er zu wenig mit seinen Mitspielern.

Thomas Müller: Trifft nicht mehr. Überrascht nicht mehr. Ist einfach nicht mehr dieser alte, alberne, jede Schablone verhöhnende Müller. Sehr bemüht, aber das macht es dann ja auch nur noch tragischer. Löws Geduld endete, als er nach 57 Minuten Sane brachte. Vielleicht ein Fingerzeig, dass die Treue bald enden wird, wenn Löw denn noch länger an dieser Stelle arbeiten wird.

Mark Uth: Debüt des Spiels: Hat zwar in sieben Spielen für den FC Schalke erst einen Treffer erzielt, trotzdem schenkte ihm Löw überraschend das Vertrauen für den Platz in der Sturmmitte, in der so sehnlichst ein Vollbluttorjäger benötigt wird. Vielleicht auch, weil Uths Karriere in den Niederlanden richtig Fahrt aufnahm: In Almelo und Heerenveen traf der Neu-Schalker einst am Fließband und führte das in Hoffenheim spiel- und abschlussstark fort. Setzte sich in Amsterdam durchaus in Szene, fleißig, gut im Anlaufpressing, verlor aber dann schnell an Wirkung, als die DFB-Elf das Spiel aus der Hand gab - und musste später raus für Julian Brandt.

Timo Werner: Löw hält viel von ihm, ob das wirklich gerechtfertigt ist, daran sind noch Zweifel erlaubt. Kommt zu selten dazu, seine Stärken auszuspielen: Schnelligkeit ist viel Wert, aber auch nicht alles. Sein Abschluss vor der Pause allein vor Cillessen war kläglich.

Leroy Sane: Zuerst gewiss frustriert, das mit Löw und Sane funktioniert irgendwie nicht richtig. Bei der EM 2016 Kurzarbeiter ohne Rückenstärkung, vor der WM 2018 ausgemustert und dabei auch ein bisschen gedemütigt. Gestern war er als Startspieler erwartet worden, musste aber Timo Werner weichen. Kam dann später und vergab in der 64. Minute eine 100-Prozent-Chance. Danach: Viel Wirbel, mancher Fehlpass, Engagement, aber auch nichts Effizientes - und wieder ein Tadel von Löw.

Julian Draxler: Kam für Werner, spielte offensiv engagiert, verschuldete aber zwei Gegentreffer mit. Das kann Löw nicht leiden und Draxler selbst sollte das auch stören. Sonst wird es nichts mehr mit der Nationalelf-Karriere nach dem WM-Titel 2014

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