Taktik-Analyse : DFB-Elf: Deshalb sah die Niederlage gegen Frankreich so gut aus

Joshua Kimmich zeigt es an: Die Richtung stimmte, das Ergebnis nicht.
Joshua Kimmich zeigt es an: Die Richtung stimmte, das Ergebnis nicht.

Joachim Löw hat gegen Frankreich personell ordentlich durchgemischt – auch taktisch trat das Team völlig verändert auf.

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17. Oktober 2018, 11:36 Uhr

Paris | Als um 19.33 Uhr die Aufstellung der DFB-Elf gegen Frankreich am Dienstagabend veröffentlicht wurde, rieben sich nicht Wenige die Augen. Nico Schulz? Thilo Kehrer? Serge Gnabry? Bundestrainer Joachim Löw veränderte die Aufstellung auf insgesamt fünf Positionen. Doch viel entscheidender war seine taktische Vorgabe. Noch nie zuvor in der Löw-Ära trat die deutsche Nationalmannschaft so defensiv auf – und fast wäre der Plan aufgegangen.

Kompaktheit und Kontrolle

Natürlich war diese Art der Taktik keine Revolution, keine Offenbarung, keine Neuentdeckung. Ausgerechnet Frankreich wurde mit genau dieser Ausrichtung in diesem Jahr Weltmeister. Das System basiert auf zwei wichtigen Säulen: defensiv Kompakt stehen und kontrollierte Angriffe. Beides hatte Löw während der Weltmeisterschaft vermissen lassen und stürzte die DFB-Elf in die Krise.

Der Bundestrainer stellte auf ein 3-4-3 um, welches in der Defensive schnell zu einem 5-4-1 wurde. Hierfür stellte er nominell gleich acht Spieler auf, die alle über Defensivqualitäten verfügen. Unter anderem drei Innenverteidiger (Niklas Süle, Matthias Ginter, Mats Hummels) und zwei Außenverteidiger (Nico Schulz, Thilo Kehrer). Letztere schalteten sich oft in der Offensive ein und kehrten sofort in die Fünferkette zurück, wenn Frankreich offensiven Druck ausübte.

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Vor der Abwehrreihe stellte Löw zwei Sechser auf (Joshua Kimmich, Toni Kroos), die sich ebenfalls flexibel an der Rückwärtsbewegung und den Angriffen orientierten und sich entsprechend verschoben. Ein ums andere Mal bissen sich die ballbesitzenden Franzosen an Kimmich die Zähne aus. Bei Frankreich erfüllte diese Rolle N'Golo Kanté – einer der heimlichen Stars der WM.

Apropos Weltmeisterschaft: Dort rannte die DFB-Elf in einen Konter nach dem anderen. Auch nach der WM sah die Rückwärtsbewegung der Deutschen bislang alles andere als entschlossen aus. Dieser Schwäche wirkte Löw am Dienstagabend entgegen. Das Stichwort: kontrollierte Angriffe. Im Gegensatz zur WM waren es nicht alle Feldspieler, die sich in die Offensive einbrachten. In Kontersituationen waren es ausschließlich die drei Angreifer (Serge Gnabry, Timo Werner, Leroy Sané), die durch ihre Schnelligkeit den Gegner unter Druck setzten. Daraus resultierte auch der Handelfmeter, den Toni Kroos zur zwischenzeitlichen 1:0-Führung verwandelte. Der Rest der Mannschaft, vor allem die Dreierkette, blieb tief stehen.

Ein erster Schritt

Gegen die schnellen Franzosen um Kylian Mbappé und Antoine Griezmann, die gerne überfallartig die Abwehrketten dieser Welt vor fast unlösbaren Aufgaben stellen, war Löws gewählte Taktik ein vernünftiges Mittel. Die DFB-Elf agierte um ein Vielfaches cleverer als im Vergleich zu der Niederlage in den Niederlanden.

Welche Auswirkungen hat die neue Ausrichtung – sollte sie denn auch künftig Anwendung finden – für die deutschen Nationalspieler? Vor allem die Weltmeister von 2014 müssen um ihre "Jobs" bangen. Bestes Beispiel ist hier Thomas Müller. Der Spieler des FC Bayern München kam gegen Frankreich erst in der 88. Minute in die Partie. Der 29-Jährige verfügt nicht über die Schnelligkeit, die in diesem System gefordert ist. Auch Spieler wie Julian Draxler, Emre Can und Jonas Hector müssen um ihre Zukunft in der DFB-Elf fürchten.

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