Vor Mitgliederversammlung der DFL : Bei Bundesliga-Saisonabbruch: BVB-Boss Watzke warnt vor fatalen Auswirkungen

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke glaubt daran, dass nur noch Geisterspiele in dieser Saison in der Bundesliga stattfinden werden.
Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke glaubt daran, dass nur noch Geisterspiele in dieser Saison in der Bundesliga stattfinden werden.

BVB-Boss Watzke warnt vor wirtschaftlichen Folgen eines Saisonabbruchs. Wie es weitergeht, hängt aber von der Uefa ab.

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16. März 2020, 08:40 Uhr

Köln | Hans-Joachim Watzke rechnet nicht damit, dass in dieser Saison der Fußball-Bundesliga noch Spiele mit Zuschauern ausgetragen werden. "Wenn wir in dieser Saison nochmal spielen, werden es Geisterspiele sein. Niemand in der Bundesliga geht noch davon aus, dass wir noch Spiele mit Zuschauern haben werden", sagte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund am Sonntag in einer Sonderausgabe der ARD-"Sportschau" zu den Auswirkungen der Sars-CoV2-Pandemie auf den Fußball.

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Am Montag treffen sich die 36 Vertreter der Profivereine und beraten auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga über die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie. Bei der Krisensitzung in einem Frankfurter Flughafen sollen verschiedene Szenarien diskutiert werden. Ein Abbruch der Saison wird dabei aber nicht erwartet, zumal die UEFA am Dienstag über eine immer wahrscheinlicher werdende Verschiebung der EM im Sommer berät. Dies würde die Möglichkeit eröffnen, die Meisterschaft bis Ende Juni zu verlängern.


Wie DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius geht Watzke davon aus, dass die Europäische Fußball-Union (UEFA) am Dienstag vorschlagen wird, die für diesen Sommer geplante paneuropäische Europameisterschaft (12. Juni bis 12. Juli) zu verlegen. "Ich denke, dass es so kommt. Ich hoffe das", sagte Watzke. Der in der Sendung zugeschaltete Curtius, der wie Watzke bei einer Video-Konferenz am Dienstag dabei ist, sagte: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass am 12. Juni das Eröffnungsspiel in Rom stattfindet. Ich rechne mit einer Verlegung der Euro." Auch das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft am 26. März in Spanien ist nun auch offiziell abgesagt worden. Das bestätigte ein Sprecher des spanischen Fußballverbandes RFEF der "Süddeutschen Zeitung".

Entscheidung am Dienstag: Uefa wird EM 2020 wohl verschieben

Nach Informationen des ZDF will die UEFA am Dienstag offenbar eine EM-Verschiebung vorschlagen. Der europäische Dachverband wolle dies zuerst den nationalen Ligen und der Vereinigung der europäischen Clubs (ECA) und dann später allen nationalen europäischem Fußballverbänden empfehlen. Damit würde der Bundesliga und den anderen nationalen europäischen Ligen, die ihren Spielbetrieb vorerst stoppten, ein Freiraum für eine mögliche Fortsetzung ihrer Saison zu einem späteren Zeitpunkt geschaffen.



Die Deutsche Fußball Liga hatte am Freitag den Spielbetrieb in der Bundesliga und der 2. Liga zunächst bis zum 2. April ausgesetzt. Watzke hätte sich durchaus vorstellen können, das Revierderby gegen den FC Schalke 04 am vergangenen Samstag als Geisterspiel durchzuziehen. "Wenn wir das Derby ohne Zuschauer gespielt hätten, wären noch etwas 80 Menschen im Stadion gewesen. Es war eine Abwägung der Interessen."

NRW-Ministerpräsident Laschet: Bundesliga große gesellschaftliche Bedeutung

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet appellierte an den Fußball, in der Krise wie alle einen Beitrag zu leisten, sieht neben der gesellschaftlichen Bedeutung des Sports aber auch die ökonomische Seite, die mit dem Profigeschäft verbundenen Arbeitsplätze und die Nöte im Amateursport. "Der Fußball hat eine wesentliche Bedeutung für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft", so Laschet. Niemand könne derzeit vorhersagen, "wann wir zur Normalitäten zurückkehren", sagte Laschet.



Watzke stellte klar, dass es ihm nicht darum gehe, bei zu erwartenden Einnahmeverlusten im Fall einer lang andauernden Spielpause, Hilfe vom Steuerzahler einzufordern. "Es schreit niemand aus dem Profigeschäft nach dem Staat", betonte Watzke. Große Vereine wie der FC Bayern München oder der BVB würden die Krise schon meistern, weil sie ein genügendes finanzielles Polster hätten. Auf kleine Vereine, vor allem im Amateurbereich könne die Krise jedoch fatale Auswirkungen haben. Selbst einen freiwillige Gehaltsverzicht von gut verdienenden Fußball-Profis schloss Watzke als solidarischen Beitrag nicht aus. "Das könnte ein Thema werden. Aber ich bin da nicht so zuversichtlich."

Jörg Schmadtke, der Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg, geht auch davon aus, dass die derzeitige Corona-Pandemie für "so manchen Verein existenzbedrohend" sein kann. "Ja, der Fußball hat insgesamt sehr langsam reagiert. Aber es gibt in solch außergewöhnlichen Momenten auch keinen Masterplan, den man aus der Schublade ziehen kann", sagte Schmadtke im Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montag).

Bei Saisonabbruch: Bielefeld will "auf die Barrikaden gehen"

Einer dieser kleineren Vereine ist sicherlich Arminia Bielefeld. Die Verantwortlichen des aktuellen Tabellenführer der 2. Bundesliga haben sich deutlich gegen ein mögliches Szenario eines Saisonabbruchs positioniert. "Man kann nicht hingehen und sagen, wir tun so, als wenn die Saison nicht gespielt worden wäre", wurde Geschäftsführer Markus Rejek im "Kicker" (Montag) zitiert. "Da können Sie sich vorstellen, da werden wir als Arminia Bielefeld komplett auf die Barrikaden gehen." Vor der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga sagte der 51-Jährige aber auch: "Es geht nicht nur um den Fußball, sondern um die Gesamtentwicklung. Wir müssen unseren Teil dazu beitragen, diese Pandemie einzudämmen."

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