Angriff auf Team der Boca Juniors : Tränengas, Randale und Chaos: Warum das Superclasico eskalierte

Die Polizei setzte am Samstag Tränengas gegen randalierende Fußballfans ein.
Die Polizei setzte am Samstag Tränengas gegen randalierende Fußballfans ein.

Mittlerweile sind einige Details zur Eskalation rund um das Stadion bekannt. Ein neuer Termin wird weiter gesucht.

svz.de von
26. November 2018, 16:14 Uhr

Buenos Aires | Die zerborstenen Scheiben des Mannschaftsbusses der Boca Juniors sind das jüngste Sinnbild für das größte Problem des argentinischen Fußballs. Der Skandal um die Hooligan-Gewalt von Buenos Aires und die Farce um die Verschiebung des Endspiels um die Copa Libertadores werfen ein Schlaglicht auf das Versagen von Verbänden, Sicherheitskräften und Politik. Am Dienstag muss Südamerikas Dach-Organisation CONMEBOL nun zunächst entscheiden, ob und wann das Final-Rückspiel zwischen den tief verfeindeten Rivalen River Plate und Boca Juniors nachgeholt wird.

2000 Sicherheitsleute hatten am Samstag offenbar nicht gereicht, um die unversehrte Ankunft des Boca-Teams zur Partie zu gewährleisten. Steine und andere Gegenstände prasselten auf den Bus, einige Profis erlitten Schnittwunden. Im Nebel von Pfefferspray und Tränengas fiel der Boca-Fahrer in Ohnmacht, ein Funktionär steuerte den Bus die letzten 200 Meter bis zum Stadion. Spieler klagten über Übelkeit.

"Man zwingt uns zu spielen", schimpfte Boca-Stürmer Carlos Tévez in Richtung FIFA-Präsident Gianni Infantino. Dieser hätte dem Verein mit Disqualifizierung gedroht, sollte die Mannschaft nicht antreten. Den Gerüchten widersprach Infantino nun: "Aufgrund der falschen Gerüchte möchte ich klarstellen, dass ich zu keinem Zeitpunkt darum gebeten habe, die Partie stattfinden zu lassen", sagte der Chef des Weltverbands der argentinischen Tageszeitung "La Nacion": "Außerdem habe ich niemandem mit Sanktionen gedroht."

Auch G20-Gipfel in Buenos Aires

Wahrscheinlich ist, dass das Rückspiel nachgeholt wird. Als Termin ist der 8. Dezember im Gespräch. Vorher ist eine Neuansetzung nicht möglich. Am 30. November und 1. Dezember tagt in Buenos Aires der G20-Gipfel. Die Gegend um das Stadion wird daher von Donnerstag an strikt abgeriegelt sein. Am Dienstag gegen 13 Uhr soll der neue Termin bekanntgegeben werden.

Wie konnte es zu den Ausschreitungen am Samstag kommen? Fangewalt ist in Argentinien keine Neuheit. Gäste-Anhängern ist wegen der Zustände in Argentiniens Fußball seit 2013 der Zutritt zu den Arenen verboten. So durfte unter anderem auch Staatschef Mauricio Macri, der einst selbst zehn Jahre die Boca Juniors als Präsident führte, nicht zum Final-Rückspiel ins River-Stadion anreisen.

300 Tickets beschlagnahmt

Die Sicherheitsvorkehrungen waren aufgrund der Brisanz des Superclasico ohnehin groß. Bei einer Hausdurchsuchung am Freitag hatte die Justiz 300 Eintrittskarten für das Copa-Finale beschlagnahmt. Der Eigentümer der Wohnung ist einer der Führer der River-Ultras, der regelmäßig rund 300 "Barrabravas" (eine Ultras-Gruppierung) ins Stadion einschleust. Er wurde nicht festgenommen. Seinen Leuten fehlten aber die Tickets. Zahlreiche River-Anhänger wurden am Samstag vor dem Stadion ihrer Tickets beraubt.

"Niemand kann so naiv sein, dies (die Beschlagnahme der Tickets am Freitag, d. Red.) mit dem Vorfall am Samstag nicht in Verbindung zu setzen", sagte der Bürgermeister von Buenos Aires, Horacio Rodríguez Larreta. Unklar blieb, weshalb die Sicherheitskräfte so handelten, dass der Angriff auf den Mannschaftsbus möglich war.

Stadtrivalitäten keine Seltenheit

Die Rivalität zwischen Vereinen, die in derselben Stadt beheimatet sind, ist fast schon normal. Atletico und Real Madrid, Inter und AC Mailand, der Hamburger SV und FC St. Pauli, Manchester City und United – und eben die Boca Juniors und River Plate in Buenos Aires.

Trauriger Höhepunkt der Rivalität: 1994 gewann River Plate ein Superclasico mit 2:0. Daraufhin zettelte der Anführer der Boca-Fans den Mord an zwei Fans von River Plate an. In der Stadt gab es kurz darauf Graffiti, wo es hieß: "Wir haben zum 2:2 ausgeglichen".


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