Positive Tests beim Bundesligisten : Köln-Profi verärgert über "leichtsinnige" Corona-Maßnahmen

Birger Verstraete vom 1. FC Köln übt Kritik am Umgang des Vereins mit Corona-Infektionen
Birger Verstraete vom 1. FC Köln übt Kritik am Umgang des Vereins mit Corona-Infektionen

Zwei Spieler und ein Betreuer sind beim Bundesligisten 1. FC Köln positiv auf das Coronavirus getestet worden.

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03. Mai 2020, 13:58 Uhr

Köln | Köln-Profi Birger Verstraete hält die Maßnahmen nach den drei positiven Corona-Tests beim Fußball-Bundesligisten für leichtsinnig. "Wir sollten vorerst nicht unter Quarantäne gestellt werden, und das ist ein bisschen bizarr", sagte der belgische Mittelfeldspieler dem TV-Sender "VTM".

Beim 1. FC Köln waren zwei Spieler und ein Betreuer positiv auf das Coronavirus getestet worden. "Der Physiotherapeut ist der Mann, der mich und andere Spieler wochenlang behandelt hat. Und mit einem der beiden fraglichen Spieler habe ich am Donnerstag im Fitnessstudio ein Duo gebildet", sagte Verstraete in dem Interview, über das "Het Laatste Nieuws" berichtete.

Köln-Profi rechnet mit weiteren Infektionen

Es sei daher "nicht ganz richtig", dass kein anderer aus dem Team der Kölner mit den Betroffenen in Kontakt gekommen sei. Der 26-Jährige rechnet mit weiteren Infektionen. "Ich denke auch daran, dass sich das Virus verbreitet hat", sagte Verstraete. Ihm stehe der Sinn derzeit nicht nach Fußball. Eine schnelle Wiederaufnahme der Saison hält Verstraete für "naiv".

Die Gesundheit seiner Familie und seiner Freundin seien für ihn "von größter Bedeutung". Dies würden auch viele andere Spieler so sehen. "Fußball ist nicht das Wichtigste", betonte der Belgier. Er könne sich vorstellen, dass viele Profis bei einer anonymen Befragung für einen Abbruch der Spielzeit votieren würden. "Erst Gesundheit, dann Fußball", sagte Verstraete.

Verstraete bittet in Mitteilung um Entschuldigung

Seine Kritik am Umgang mit den Covid-19-Fällen relativierte Verstraete einer Mitteilung des Vereins vom Sonntag zufolge inzwischen jedoch wieder und entschuldigte sich für sein Vorgehen. Konsequenzen hat sein Verhalten offenbar nicht, der FC teilte mit, Verstraete werde "weiter beim 1. FC Köln trainieren und spielen".

Nach den Tests habe er in einem Interview über seine persönlichen Sorgen vor einer Ansteckung seiner zur Risikogruppe gehörenden Freundin berichtet. "Dabei habe ich mich an einigen Stellen falsch ausgedrückt, so dass in der Übersetzung ein missverständlicher Eindruck entstanden ist, der mir leid tut. Statt aus der Emotion heraus ein Interview zu geben, hätte ich den Kontakt zu unserem Arzt suchen und mir meine Fragen erklären lassen müssen", sagte der 26-jährige Belgier demnach.

So reagiert der Bundesligist auf die Kritik

Es habe nicht in seiner Absicht gelegen, den zuständigen Behörden oder dem 1. FC Köln Vorwürfe zu machen. Die Kölner wiesen am Sonntag jegliches Fehlverhalten zurück. Dass Spieler auch im Falle eines positiven Corona-Tests weiter zusammen trainieren würden, sei falsch. "Im Einklang mit dem medizinischen Konzept der Deutschen Fußball Liga DFL werden beim FC ausschließlich Spieler trainieren und spielen, die durch zwei aufeinanderfolgende negative Tests den Nachweis haben, dass sie mit dem neuartigen Corona-Virus nicht infiziert sind", hieß es in der Mitteilung. Aus diesem Grund werden alle Spieler "vor der geplanten Wiederaufnahme des Trainings am Montag rechtzeitig erneut getestet".

Positiv-Getestete in Quarantäne

Auch eine Interpretation von Verstraetes Aussagen in die Richtung, dass bei den Rheinländern vorgeschriebene Hygienemaßnahmen nicht eingehalten wurden, sei "nicht haltbar." Die drei Betroffenen bei den Kölnern waren in Abstimmung mit dem zuständigen Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt worden. Der Rest des Teams setzt das Training wie bisher in Kleingruppen fort. Dies ist auch im medizinischen Konzept der Deutschen Fußball Liga für den Neustart der Bundesliga so vorgesehen. Die Proficlubs hoffen darauf, Mitte oder Ende Mai wieder spielen zu dürfen.

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