Scharfe Kritik vom DFB : Erdogan-Foto laut Gündogan kein politisches Statement

<p>Die deutschen Nationalspieler (v.l.) Ilkay Gündogan und Mesut Özil sowie Cenk Tosun (r.) posieren mit Recep Erdogan.</p>
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Die deutschen Nationalspieler (v.l.) Ilkay Gündogan und Mesut Özil sowie Cenk Tosun (r.) posieren mit Recep Erdogan.

Nationalspieler Gündogan hat Kritik an einem Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zurückgewiesen.

svz.de von
14. Mai 2018, 22:57 Uhr

Hamburg | Am Montag sorgte ein Foto der beiden deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Mesut Özil mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan für Aufsehen. Erdogan hatte die Profis gemeinsam mit Cenk Tosun vom FC Everton im Rahmen einer Wahlkampf-Reise in London getroffen. Ein durchaus umstrittener Auftritt, steht das Staatsoberhaupt doch aufgrund seiner Politik in Europa heftig in der Kritik. 

"Es war nicht unsere Absicht, mit diesem Bild ein politisches Statement abzugeben, geschweige denn Wahlkampf zu machen", teilte Gündogan mit, der Erdogan am Sonntag zusammen mit seinem deutschen Teamkollegen Mesut Özil in London getroffen hatte. "Als deutsche Nationalspieler bekennen wir uns zu den Werten des DFB und sind uns unserer Verantwortung bewusst" erklärte Gündogan weiter und reagierte damit auf die Kritik des DFB sowie die zum Teil heftigen Reaktionen auf das Bild in den sozialen Netzwerken. "Fußball ist unser Leben und nicht die Politik."

Man habe den Präsidenten auf einer Veranstaltung einer türkischen Stiftung getroffen. "Aus Rücksicht vor den derzeit schwierigen Beziehungen unserer beiden Länder haben wir darüber nicht über unsere sozialen Kanäle gepostet", betonte Gündogan. "Aber sollten wir uns gegenüber dem Präsidenten des Heimatlandes unserer Familien unhöflich verhalten? Bei aller berechtigten Kritik haben wir uns aus Respekt vor dem Amt des Präsidenten und unseren türkischen Wurzeln - auch als deutsche Staatsbürger - für die Geste der Höflichkeit entschieden."

Rainer Koch, Vize-Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, reagierte auf die Erklärung von Gündogan. Er respektiere, dass Nationalspieler mit Migrationshintergrund die deutsche Nationalhymne nicht mitsingen, habe das immer verteidigt und werde das auch weiterhin verteidigen, schrieb Koch auf Facebook. Er sei persönlich dafür, dass in Deutschland geborene Bürger mit Migrationshintergrund zwei Staatsbürgerschaften besitzen können.

"Allerdings meine ich, lieber Ilkay Gündogan, dass man als Deutscher mit türkischen Wurzeln wenige Wochen vor der Fußballweltmeisterschaft, bei der man im deutschen Nationaltrikot spielen möchte, schon auch deutlich sagen und aussprechen sollte, dass der deutsche Staatspräsident mindestens auch ,mein Präsident' ist. Ich würde mich freuen, wenn ein solches Statement in den nächsten Stunden kommen würde", appellierte Koch an Gündogan.

 

Die Partei des türkischen Präsidenten Erdogan, die AKP, hatte die Fotos vom Zusammentreffen am Nachmittag in den sozialen Netzwerken gepostet. Beide deutschen Nationalspieler überreichten dem Präsidenten jeweils ein signiertes Trikot. Besonders pikant: Gündogan fügte auf seinem Jersey auf türkisch geschrieben noch die Worte: "Mit großem Respekt für meinen Präsidenten" hinzu. Das Foto hatte im Laufe des Nachmittags für heftige Reaktionen in den sozialen Netzwerken gesorgt.

Der DFB-Präsident Reinhard Grindel meldete sich ebenfalls über Twitter zu Wort: "Der DFB respektiert und achtet selbstverständlich die besondere Situation unserer Spieler mit Migrationshintergrund. Aber der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden."

Dabei findet Grindel deutliche Worte und kritisiert die Aktion des Nationalmannschaftsduos: "Deshalb ist es nicht gut, dass sich unsere Nationalspieler für seine Wahlkampfmanöver missbrauchen lassen. Der Integrationsarbeit des DFB haben unsere beiden Spieler mit dieser Aktion sicher nicht geholfen."

Der türkische Präsident steht aufgrund seiner Politik in Europa in der Kritik. Deshalb ist es nicht gut, dass sich unsere Nationalspieler für seine Wahlkampfmanöver missbrauchen lassen. Der Integrationsarbeit des #DFB haben unsere beiden Spieler mit dieser Aktion sicher nicht geholfen. Neben Grindels Kommentaren finden sich weitere, unter anderem auch humorvolle, Beiträge auf Twitter.

Reaktionen aus dem Netz auf die Fotos der Nationalspieler

Gerne wird auch auf die oft kritisierte Spielweise von Özil eingegangen. Dem Spielmacher wird nachgesagt, in wichtigen Partien unterzutauchen.

 
 
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