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Rostocker Sprint-Ass André Greipel bei der Tour de France : Ein Kindertraum wird wahr

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Der gebürtige Rostocker André Greipel vom belgischen Radrennstall Omega Pharma-Lotto geht mit einer klar umrissenen Zielstellung in die Tour de France, die am Sonnabend beginnt.

svz.de von
erstellt am 01.Jul.2011 | 09:07 Uhr

Les Herbiers | Der gebürtige Rostocker André Greipel vom belgischen Radrennstall Omega Pharma-Lotto geht mit einer klar umrissenen Zielstellung in die heute beginnende Tour de France und will der Konkurrenz die Stirn bieten: "Ich möchte eine Etappe gewinnen."

Im Fokus steht Greipel indes auch wegen seiner endlosen Fehde mit seinem Ex-Teamkollegen Mark Cavendish. Mit dem britischen Sprintstar gehörte der Deutsche noch in der vergangenen Saison gemeinsam zum Team HTC-Highroad. Nach seiner Nicht-Nominierung für die Tour 2010 entschied sich Greipel jedoch zum Wechsel, und seither beharken sich die Dauerrivalen verbal.

Greipel versichert, dass er seinen Intimfeind nicht extra beäugen wird. "Ich werde mich auf mich selbst konzentrieren und bin mir sicher, dass ich das schaffe." Er versuche, auf der Großen Schleife die besten Sprinter der Welt zu schlagen, nicht speziell Cavendish.

Die besten Sprinter der Welt schlagen

Doch dass das Duell bei der Tour seinen Höhepunkt erfährt, daran wird auch Greipels Vorsatz nichts ändern. Übermorgen auf der dritten Etappe von Olonne-sur-Mer nach Redon werden die Karten wohl erstmals aufgedeckt. "Ich will meine Stärken und die Stärken des Teams ausspielen. Wir wollen alles auf einen Punkt bringen und dann erfolgreich sein", sagte Greipel, der bereits Tagessiege beim Giro (2008/1, 2010/1) und der Vuelta (2009/4) vorweisen kann.

Trotz der Position als Sprinter Nummer eins im Team ist seine Zukunft noch ungeklärt, weil beide Hauptsponsoren aussteigen: "Es ist noch nicht klar, wie es bei mir dann weitergeht. Unsere Verträge sind nicht gültig, wir sind alle vertragsfrei. Bis jetzt haben wir keine Infos darüber, keiner kann etwas sagen. Es ist alles in der Schwebe."

Das Beste wäre laut Greipel, wenn das Team zusammenbliebe. Ob Sponsor Lotto sein Engagement unverändert fortsetzt oder der Rostocker Teil einer Fusion mit einem anderen Rennstall wird, werde sich wohl nach der Tour entscheiden. "Dann kann man die ganze Sache einschätzen", sagt Greipel.

Zunächst hofft er inständig, dass sich die Wahrnehmung des Radsports in Deutschland endlich wieder verbessert. "Leistungen, die wir erbringen, und das, was wir dafür opfern, all das wird von den deutschen Medien nicht honoriert", sagt er. Das Problem sei, dass man immer noch negativ an die ganze Sache herangehe. Man müsse das, was war, endlich mal ausblenden und mal einen Punkt machen. "Wir sind nun mal eine neue Generation im deutschen Radsport", so Greipel.

Glaubwürdigkeit für den Sport zurückgewinnen

Er sehe ja ein, dass sehr viel Neagtives in der Vergangenheit passiert sei: "Wir müssen jetzt dafür geradestehen, das ist die Situation, in der wir uns befinden." Er selbst tue viel dafür, ein Stück Glaubwürdigkeit für seinen Sport zurückzugewinnen. "Uns geht es eigentlich schlimmer als jedem Straftäter, der auf Bewährung ist. Ich muss jeden Tag sagen, wo ich bin, an welcher Adresse ich mich aufhalte. Wenn eine Kontrolle kommt und ich nicht da bin, habe ich einen missed test, einen verpassten Test. Ich denke, mehr kann man dafür nicht machen", sagt Greipel.

Einen Wandel könnten die vielen Talente im deutschen Radsport bewirken. Es gebe auch genug Fahrer-Potenzial für ein neues deutsches Top-Team, und die Tour sei als der Medienmagnet überhaupt dafür ein sehr gutes Schaufenster. "Wenn Deutsche dort auffällig fahren, könnten Sponsoren auch Interesse zeigen", glaubt Greipel. Er möchte in jedem Fall überzeugend auftreten und vielleicht sogar ins Rennen um das Grüne Trikot eingreifen: "Wenn sich die Konstellation ergibt, würde ich schon darum kämpfen."

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