Teterower Motorsportevent vor dem Aus? : Der Bergring am Scheideweg

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Spannende Rennen wie früher erhoffen sich die Fans am Pfingstwochenende auf dem Teterower Bergring. 
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Spannende Rennen wie früher erhoffen sich die Fans am Pfingstwochenende auf dem Teterower Bergring. 

Am Wochenende geht es bei der 98. Auflage in Teterow um die Zukunft des traditionsreichen Grasbahnrennens

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16. Mai 2018, 20:10 Uhr

Am Sonntag zählt es: Ist die 98. Auflage des Teterower Bergringrennes die letzte oder hat das Traditionsrennen auch im 88. Jahr seines Bestehens eine Zukunft? Die Fans sind skeptisch, aber Verein und Fahrer wollen diese legendäre Veranstaltung am Leben erhalten.

Das aber ist eine Herkulesaufgabe. 1993 waren noch gut 45 000 Zuschauer bei der Zwei-Tages-Veranstaltung dabei. Wie viele Menschen die 97. Auflage im vergangenen Jahr erleben, ist nicht ganz klar, die Angaben aus Vereinskreisen schwanken zwischen 12 000 und 15 000 Besuchern. Veranstaltungsleiter Adolf Schlaak sprach gar von unter 1000 Fans, die den ersten Teil am Sonnabend sehen wollten. Zudem gestand der einstige Clubchef ein, dass die Überschüsse der attraktiven Speedwayrennen in der Bergring-Arena gleich nebenan herangezogen werden müssen, um die Veranstaltungskosten auf der Grasbahn zu decken.

Das größte Problem neben den zuletzt häufigen Beeinträchtigungen durch schlechtes Wetter: Von einst 60 und mehr Fahrern der unterschiedlichen Lizenzstufen mit Grasbahnmaschinen ist gerade mal ein gutes Dutzend übergeblieben. Am Pfingstsonntag vor einem Jahr wurde nicht einmal mehr das geplante Zwölferfeld für das Finale um den Bergringpokal voll, weil von ursprünglich 15 Fahrern wegen technischer Probleme oder Blessuren nur elf übergeblieben waren. Der Versuch, diese zahlenmäßige Lücke mit Moto-Crossern aufzufüllen, wird vom Publikum nicht wie gewünscht angenommen.

Veranstaltungsleiter Adolf Schlaak wünscht sich, dass auf der Grasbahn hinter ihm weiter Rennen gefahren werden.
Hans-Werner Ruge
Veranstaltungsleiter Adolf Schlaak wünscht sich, dass auf der Grasbahn hinter ihm weiter Rennen gefahren werden.
 

An diesem Wochenende hofft man daher in Teterow, dass einige einschneidende Veränderungen wieder mehr Fans locken. Auf der 1877 Meter langen Grasbahn wird nur noch am Sonntag gefahren, alle bisherigen Entscheidungen wie die Sonderläufe um das „Grüne Band“ und den Bergringpokal sollen erhalten bleiben und ein Rundenrekordrennen der Trainingsschnellsten für zusätzliche Attraktivität sorgen.

Und der Verein wirbt mit einer Zugnummer: Deutschlands derzeit erfolgreichster Bahnsportler steht auf der Starterliste. Martin Smolinski aus Olching bei München hat als erster und bislang einziger Deutscher einen Sieg bei einem Speedway-Grand-Prix in seiner Vita und vor knapp einer Woche den ersten Langbahn-Grand-Prix gewonnen. Aber hinter seinem ersten Start auf dem Bergring steht ein dickes Fragezeichen: In Smolinskis Kalender auf seiner Internet-Seite findet sich für den gleichen Tag ein Rennen in der polnischen Speedwayliga, wo Zielona Gora (Smolinski: „Mein Haupt-Arbeitgeber“) bei Sparta Wroclaw zu Gast ist. Nicht zuletzt gibt Smolinski zu bedenken: „Aufgrund der aufwändigen Umbauten an den Maschinen, die man für den Bergring vornehmen muss, ist das Rennen finanziell nicht sonderlich attraktiv.“

Zumindest aber scheinen die Wettergötter den Bergringmachern in diesem Jahr wohlgesonnen zu sein: Für Sonntag werden im Raum Teterow sonnige 21 Grad vorhergesagt. Den Teterowern sei es gegönnt. Denn schließlich ein Wunsch in Erfüllung gehen, den Martin Smolinski so formuiert: „Die ,grüne Hölle‘ ist eine weltweit bekannte Institution und muss weiterleben.“

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