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Sport

18. November 2017 | 22:49 Uhr

"Carmen on Ice" feiert Jubiläum

vom

svz.de von
erstellt am 27.Feb.2013 | 07:57 Uhr

Berlin | Am 28. Februar 1988 tanzte Katarina Witt bei den Olympischen Winterspielen mit der unnachahmlichen Interpretation der "Carmen" zu ihrer zweiten olympischen Goldmedaille. Wir erinnerten uns gemeinsam mit dem heutigen Weltstar an das Jubiläum.

16 800 Zuschauer schnellten von ihren Sitzen. Standing Ovation, als die damalige Karl-Marx-Städterin Katarina Witt auf das Eis des Saddledoms von Calgary sinkt. Die Eiskönigin ist mit der Interpretation der "Carmen" von Georges Bizet auf dem Höhepunkt ihrer Kunstlauf-Karriere angekommen. Manche ihrer Konkurrentinnen mögen damals vielleicht den einen oder anderen schwierigen Sprung mehr gestanden haben, aber mit ihrer künstlerischen Darbietung blieb "Katarina die Große" oder "die Grand Dame des Eiskunstlaufs" einfach unerreicht.

Katarina Witt glückte es, als erste Eiskunstläuferin nach der Norwegerin Sonja Henie (1932/1936), ihren Olympiasieg von 1984 in Sarajevo 1988 mit einem Traumvortrag zu wiederholen. Debi Thomas (USA), die ebenfalls die Musik aus der Oper Carmen für ihre Olympia-Kür gewählt hatte, ging im Charme-Feuerwerk der Deutschen einfach unter.

Tage vor dem Duell auf dem kalten Parkett Olympias berauschten sich die Medien bereits an dem bevorstehenden Zweikampf. Fast eine Milliarde Menschen sollen damals rund um den Globus vor 25 Jahren an den Bildschirmen gesessen haben. Selbst in den USA fühlten sich vom Zweikampf Carmen kontra Carmen mit einer Einschaltquote von 40,2 Prozent bei ABC mehr Fans angelockt als beim Super-Bowl.

"Ich erinnere mich heute noch an jede Einzelheit. Da war die große Pressekonferenz in einem Hörsaal der Uni von Calgary. Über 600 Journalisten waren trotz der zahlreichen olympischen Wettbewerbe zu meinem Presseauftritt gekommen", sagt Katarina Witt. Tage später waren die Straßen verstopft, weil Autofahrer sie auf der Straße entdeckt hatten und einfach stehen blieben, um ein Autogramm zu erwischen.

Der Kolumnist Mitch Albom vom "Calgary Harold" staunte: "Wenn Witt Französin wäre, wäre der Glamour selbstverständlich. Aber aus Ostdeutschland? Was, die sollen dort solche Frauen haben?" "Katarina hat dem Eiskunstlauf der Frauen ein neues Gesicht gegeben", ist ihre Trainerin Jutta Müller (84) bis heute überzeugt.

Der Olympiasieg von Calgary kann als Startfenster für die Karriere nach der Karriere angesehen werden. "Ich hatte das Glück, unmittelbar in der Wendezeit gemeinsam mit Brian Boi tano und Brian Orser den Film ,Carmen on Ice zu drehen. Der Film wurde in Hollywood mit einem Emmy ausgezeichnet", lächelt die große Sportlerin.

Genau 20 Jahre verzauberte Katarina Witt ihre Fans aus aller Welt nach Calgary weiter auf dem Eis. Erst 2008 verabschiedete sie sich mit ihrer Abschiedstournee von ihrem Millionen-Publikum. Über 15 Jahre war sie mit Eisshows wie "Stars on Ice" oder ihren eigenen Produktionen wie "Divas On Ice" und "Katarina&Friends" durch die USA und Kanada gezogen.

1994 war der Kufenstar noch einmal zu Olympia zurückgekehrt. Eine Medaille gelang Katarina zwar nicht, aber mit der Interpretation des Songs von Pete Seeger "Sag mir wo die Blumen sind", sorgte sie in Lillehammer für die künstlerische Faszination der damaligen Winterspiele.

Später glänzte die sächsische Eisdiva als Expertin bei Olympia für Sender wie NBC, CBS, ABC, ZDF und ARD. Zudem gründete sie mit ihrer Partnerin Elisabeth Gottmann die "Katarina-Witt Stiftung" für Kinder und Jugendliche mit körperlichen Behinderungen.

"Ein Höhepunkt war für mich die Aufgabe als Kuratoriumsvorsitzende für Münchens Olympiabewerbung 2018. Die vielen Begegnungen waren für mich wie eine Rückfahrkarte in die olympische Familie. Es war stressig, heute hier und morgen da. Wir haben die Winterspiele 2018 leider nicht bekommen. Ich glaube trotzdem fest daran, dass wir viel für München und den Sport in Deutschland getan haben", ist der Weltstar überzeugt und gesteht ganz nebenbei: "München ist mir ans Herz gewachsen und ich hoffe, die Idee der Olympischen Winterspiele gerät nicht in Vergessenheit."

Der Drang, weiter etwas Neues zu gestalten, ist bei der inzwischen in Berlin Wohnenden noch längst nicht erloschen. "Ich bin Freiberuflerin. Gerade ist der Film ,Der Feind in meinem Leben bei SAT 1 gelaufen. Das war meine erste große Hauptrolle. Es gibt mehrere Projekte und viele Ideen. Mal sehen, was sich als nächstes ergibt", bleibt die Künstlerin zuversichtlich, die an ihrer Ausstrahlung und ihrem Glanz nichts eingebüßt hat.

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