Boxer Artem Harutyunyan : Bronze weiter veredeln

Bronze hat er schon sicher, aber er will mehr: Artem Harutyunyan.
Bronze hat er schon sicher, aber er will mehr: Artem Harutyunyan.

Artem Harutyunyan will sich am Freitag ins Finale boxen

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18. August 2016, 21:00 Uhr

Größere Leute zu boxen, ist für 1,72-Mann Artem Harutyunyan im Halbweltergewicht (bis 64 kg) nichts Ungewöhnliches. Gegen Leute mit großen Namen anzutreten ebensowenig. Aber wohl nur selten stand ihm solch ein Lulatsch gegenüber wie ab 19.45 Uhr MESZ im olympischen Halbfinale. Und noch nie einer mit einem so berühmten Namen: Sotomayor.

Der Name hat einen großen Klang in der Sportwelt, allerdings nicht wegen des 1,85 m langen Boxers Lorenzo Sotomayor Collazo aus Aserbaidshan, den Harutyunyan heute auf dem Weg ins Finale unbedingt bezwingen will. Der kubanische Hochspringer Javier Sotomayor, Olympiasieger von Barcelona 1992 und mit 2,45 m bzw. 2,43 m noch heute Freiluft- und Hallen-Weltrekordler, ließ den Namen zur Legende werden. Er ist der Onkel von Harutyunyans heutigem Widerpart.

Der war 2009 kubanischer Meister, wanderte 2012 nach Aserbaidshan aus und gewann für die Kaukasus-Republik 2015 die European Games. „Es wird eine schwierige Aufgabe gegen Sotomayor, der nach wie vor einen kubanischen Trainer hat. Wir müssen uns da etwas einfallen lassen“, sagt Trainer Michael Timm und erinnert sich an einen taktischen Kniff seiner Karriere: „Als ich bei den Profis Chagaev gegen Walujew hatte, hieß es vorher: Was soll der Zwerg gegen den Riesen ausrichten?“ Doch Ruslan Chagaev (1,85 m) holte sich gegen den 2,13-Russen den Schwergewichtsgürtel.

Er schaffte das, weil er permanent die Distanz zu überwinden suchte, um nah am Mann die Vorteile der kürzeren Hebel auszuspielen und sich damit genau an die taktischen Vorgaben hielt.

Das fordert Timm heute auch von Artem; und zwar anders als bei dessen Viertelfinalerfolg gegen den Türken Batuhan Gozgec in allen drei Runden. „Nach zwei tollen Runden versuchte Artem in der dritten, unser Konzept leicht abzuändern“, erinnert sich Timm an eine der nervenaufreibendsten Runden seiner langen Trainerkarriere. „Im Gefühl der sicheren Führung wollte er weggehen, statt weiter dranzubleiben. Damit hat er Gozgec stark gemacht. So etwas darf sich Artem im Halbfinale nicht erlauben.“

Insbesondere vor dem Hintergrund so einiger umstrittener Urteile in Rio, die jetzt auch zur Abberufung einiger Kampfrichter vom olympischen Turnier führte. Timm: „Damit wollen wir uns nicht belasten. Für uns heißt es: Rein, aus allen Lagen feuern, um die Punktrichter zu überzeugen.“

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