Profi EM-Boxkampf in Berlin : Brähmer zum Siegen verdammt

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Auge in Auge: So friedlich wie hier beim Fototermin auf den Dächern Berlins wird es morgen zwischen Eduard Gutknecht (l.) und Jürgen Brähmer nicht zugehen. imago

Der Schweriner Ex-Weltmeister Jürgen Brähmer muss morgen dem Europameister Eduard Gutknecht den Gürtel entreißen. Denn nur dem Sieger winkt eine WM-Chance im Halbschwergewichts-Boxen.

svz.de von
31. Januar 2013, 08:31 Uhr

Berlin | Morgen Abend steigt in der Berliner Max-Schmeling-Halle das deutsch-deutsche Gipfeltreffen im Halbschwergewicht der Box-Profis. Der Schweriner Ex-Weltmeister Jürgen Brähmer will Europameister Eduard Gutknecht an den Gürtel. Und Millionen an den Fernsehschirmen werden sicherlich gebannt zuschauen, wenn die ARD ab 22.30 Uhr (erster Gong aber wohl nicht vor 23 Uhr) das bisher größte Box-Highlight des noch jungen Jahres überträgt.

Was das deutsch-deutsche Duell zweier Sauerland-Profis doppelt spannend macht: Es geht um weit mehr als den EM-Titel - oder, wie es ABBA einst in einem seiner Songs formulierte: "The winner takes it all." Der Sieger darf sich noch in diesem Jahr auf eine WM-Chance freuen. Dem Verlierer hingegen bleibt (fast) nichts.

Für das Lager von Titelverteidiger Eduard Gutknecht ist die Sache klar. "Ich freue mich auf den Kampf", sagt der 30 Jahre alte Europameister aus Gifhorn, dessen Wiege auf Russlands größter Insel Sachalin in Fernost stand und der erst als Neunjähriger nach Deutschland kam. "Wir werden am Samstag sehen, wie ich zum Erfolg komme. Ich werde meinen Gürtel behalten. Und wenn es sein muss, komme ich auch ohne das Auszählen der Punktzettel aus."

Sein erfolgsverwöhnter Trainer Ulli Wegner, in den vergangenen Jahren in Deutschland sozusagen mit einem Abo auf den Titel "Box-Trainer des Jahres" gesegnet, haut - wenn auch eine Spur vorsichtiger - in die gleiche Kerbe: "Gutknecht besitzt durchaus das Können, gegen Jürgen Brähmer zu gewinnen", sagte der 70-Jährige der Fachzeitschrift "Boxsport".

Für das Lager von Herausforderer Jürgen Brähmer ist die Sache ebenfalls klar. "Ich gewinne, weil ich der Bessere bin", macht der frühere WBO-Weltmeister nicht viele Worte und will sich im Gegensatz zu Gutknecht auch nicht auf einen genauen Kampfverlauf festlegen: "Ich habe noch nie eine Prognose abgegeben. Ich bin bereit für den Kampf und konzentriere mich auf meine Stärken."

Auch sein neuer/alter Trainer Karsten Röwer, der ihn schon 1996 zum WM-Titel bei den Junioren geführt hatte, mag sich nicht als ein Mann großer Worte profilieren: "Jürgen ist mit allen Wassern gewaschen und weiß, wie man sich im Kampf durchsetzt. Ich habe vollstes Vertrauen in seine Fertigkeiten."

Die muss sein Schützling, der einst als Jahrhunderttalent gehandelt wurde und daraus trotz eineinhalb Jahren auf dem Weltmeisterthron der WBO letztlich zu wenig gemacht hat, auch auspacken. Denn obwohl der im Sommer 2012 abgeschlossene Sauerland-Vertrag des früheren Universum-Boxers unabhängig vom Ausgang des morgigen Kampfes über mehrere Jahre läuft, hat dieser Fight durchaus etwas von einer letzten Chance. Gewänne der Schweriner, würde er Pflichtherausforderer des WBO-Weltmeisters Nathan Cleverly oder des Münchners Robin Krasniqi, sollte der den Briten am 16. März in London bezwingen.

Verlöre Brähmer morgen hingegen, müsste er sich wieder hinten anstellen und sicherlich eine langwierige Ochsentour die Weltranglisten hinauf in Kauf nehmen, ehe noch einmal eine WM-Chance winken könnte.

Das gilt natürlich gleichermaßen für Gutknecht. Nur hat der mit seinen 30 Jahren im Normalfall noch mehr Boxkarriere vor sich als Brähmer, der im Oktober schon seinen 34. Geburtstag feierte.

Damit hat der gebürtige Stralsunder dem Titelverteidiger aber auch einiges an Erfahrung voraus. 40 Profikämpfe hat der Rechtsausleger seit 1999 bestritten, 38 gewonnen, stolze 30 davon durch K.o., und zwei Niederlagen erlitten. Gutknecht hat von 25 Kämpfen nur einen verloren, andererseits mit neun vorzeitigen Erfolgen nur eine eher mäßige K.o.-Quote.

Gutknecht gab sein Profidebüt im Mai 2006 in München, übrigens genau in jener Veranstaltung, in der Brähmer gegen seinen Universum-Stallkollegen Mario Veit völlig unerwartet seine erste Profi-Niederlage hinnehmen musste.

"Vielleicht ist das ja ein gutes Omen für Samstag", hofft der (noch?) amtierende Europameister. "Ja, ist das so? Das hatte ich gar nicht gewusst. Das ist mir aber auch völlig wurscht", meint der Herausforderer gelassen.

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