Leichtathletik-WM in Doha : "Keine Ahnung, wie das passiert ist": Niklas Kaul holt Gold im Zehnkampf

Der Deutsche Niklas Kaul gewann am Donnerstabend sensationell Gold im Zehnkampf.
Der Deutsche Niklas Kaul gewann am Donnerstabend sensationell Gold im Zehnkampf.

Als zweiter Deutscher ist Nikolas Kaul Weltmeister geworden - als jüngster in der WM-Geschichte. Schwanitz holt Bronze.

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04. Oktober 2019, 05:44 Uhr

Doha | Der Mainzer Zehnkämpfer Niklas Kaul hat bei der Leichtathletik-WM in Doha für eine Sensation gesorgt. Als zweiter Deutscher konnte der erst 21 Jahre alte Mainzer völlig unerwartet WM-Gold gewinnen. Mit 8691 Punkten eroberte der neue "Zehnkampf-König" in der Nacht zum Freitag nach einer fantastischen Aufholjagd noch Platz eins. Silber und Bronze gingen an Maicel Uibo aus Estland (8604) und Damian Warner aus Kanada (8529).

"Riesen-Chapeau" – Kazmirek lobt Kaul

"Dass es das am Ende wird - keine Ahnung, wie das passiert ist. Ich bin nicht der beste Zehnkämpfer, der hier angetreten ist, aber vielleicht der konstanteste", sagte der der Held des Abends in der ARD. "Riesen-Chapeau vor Niklas. Er ist sehr weit für sein Alter, auch im Kopf", sagte Kai Kazmirek. "Er weiß genau, was er will." Für den WM-Dritten von 2017 von der LG Rhein Wied, war nach einem Patzer im Hürdensprint der Traum von einer weiteren Medaille geplatzt. Der 28-Jährige beendete trotzdem den WM-Wettkampf und landete auf den 17. Platz. Zehnter wurde der Ulmer Tim Nowak.

"Schadensbegrenzung" nach Tag eins

Kaul lag nach den fünf Disziplinen des ersten Wettkampftages nur an elfter Stelle und sprach allein davon, "Schadensbegrenzung" betreiben zu wollen. Den bisher einzige Zehnkampf-WM-Titel für Deutschland hatte 1987 der Schweriner Torsten Voss für die DDR geholt.

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Dabei war Kaul, der Lehramtsstudent für Physik und Sport, eigentlich ohne großes Ziel, sondern nur mit der Absicht nach Katar angereist, "Spaß am Zehnkampf" zu haben. "Ich wusste, dass ein Platz unter den Top Sechs noch gehen würde", sagte er. Erst nach der Aufgabe von Titelverteidiger und Weltrekordler Kevin Mayer (Frankreich) kam der Gedanke bei uns auf, dass "nun eine Medaille möglich" wäre. Kaul: "Aber glaubt mir, wir hatten niemals Gold im Kopf". Zumal ihn an beiden Tagen Magenprobleme plagten.

"Aber glaubt mir, wir hatten niemals Gold im Kopf" Niklas Kaul


Ausschlaggebend war vor allem der Speerwurf, seiner Königsdisziplin im Mehrkampf. Mit 79,05 Meter steigerte Kaul seine persönliche Bestweite um 56 Zentimeter und katapultierte sich auf Platz drei in der Zwischenwertung. Vor dem abschließenden Lauf über 1500 Meter lag er nach dem großen Wurf nur 19 Punkte entfernt von dem bis dahin an der Spitze liegenden Uibo. "Du rennst jetzt einfach und gibst alles, was du hast", lautete seine am Ende von Erfolg gekrönte Devise. Damit ist ihm ein ähnlicher Überraschungscoup wie Frank Busemann mit Olympia-Silber 1996 geglückt.

"Dafür muss man eine Peitsche im Arm haben", sagte ARD-Experte Frank Busemann, der Olympia-Zweite von 1996, begeistert von Kauls Super-Speerwurf. Schon vor der WM hatte er desen Abgeklärtheit großen Respekt gezollt: "Als wäre er schon zehn Jahre auf höchstem Niveau dabei."

Gold für Johnson-Thompson bei den Frauen

Den WM-Titel im Siebenkampf hatte sich zuvor Katarina Johnson-Thompson aus Großbritannien erkämpft. Mit 6981 Punkten entthronte sie die Belgierin Nafissatou Thiam. Die Olympiasiegerin holte mit nur vier Zählern weniger die Silbermedaille.

Schwanitz holt Bronze im Kugelstoßen

Zuvor schnappte sich Kugelstoßerin Christina Schwanitz gut zwei Jahre nach der Geburt ihrer Zwillinge noch einmal Bronze. Damit starten die deutschen Leichtathleten mit einer motivierenden Zwischenbilanz und drei Medaillen ins letzte Wochenende: Gold durch Kaul, Bronze durch Schwanitz und Hindernisläuferin Gesa Krause.

Klosterhalfen locker ins 5000m-Finale

Während nach den ersten drei Medaillen große Freude im DLV herrschte, ist das 5000-Meter-Finale von Medaillenhoffnung Konstanze Klosterhalfen durch die unsägliche Affäre um das Nike Oregon Project belastet. Die 22-Jährige trainiert seit Ende 2018 in Portland/Oregon im Camp von Cheftrainer Alberto Salazar. Der in Kuba geborene Amerikaner wurde wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Regeln für vier Jahre gesperrt. Vier Jahre lang hatte die Anti-Doping-Agentur der USA in diesem Fall ermittelt. In Portland trainieren seit Jahren zahlreiche Weltklasseläufer.

Die Leverkusenerin bestreitet am Samstag das wichtigste Rennen ihrer Karriere. Klosterhalfen will auch künftig an der US-Westküste trainieren, wie sie nach ihrem souveränen Vorlauf über 5000 Meter überraschend deutlich sagte: "Das bleibt das beste Team der Welt."

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