Trotz Coronakrise : Klimaschutz bei den Verbänden – Wie sehr ist der Sport "for Future"?

Nicht gerade klimaneutral: Düsen blasen aus der Klimaanlage kalte Luft ins Stadion in Doha.
Nicht gerade klimaneutral: Düsen blasen aus der Klimaanlage kalte Luft ins Stadion in Doha.

Beim Klimaschutz kann auch der Sport einen Beitrag leisten. Doch wie ernst nehmen Sportverbände den Klimaschutz?

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25. März 2020, 15:41 Uhr

Berlin | Wenn an diesem Samstag zur Earth Hour an Tausenden Sehenswürdigkeiten und Gebäuden weltweit das Licht ausgeknipst wird, werden auch Stadien dunkel - etwa die Leverkusener BayArena oder das Wolfsburger Volkswagen Stadion. Die Stunde im Dunkeln soll ein Symbol für den Klimaschutz sein. Die Botschaft: Auch jede kleine Handlung kann für das Klima eine große Wirkung haben - das gilt auch für die Sportwelt. Doch was unternehmen Sportverbände überhaupt?

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In Zeiten, in denen Ski-Weltcupveranstaltungen verlegt werden müssen, weil der Schnee fehlt oder Fußball-WM-Spiele in klimatisierten Stadien in Katar stattfinden sollen, werden die Rufe nach der Verantwortung der Sportverbände für mehr Klimaschutz lauter.

Klimaforscher Latif kritisiert internationale Sportverbände

Der Klimaforscher Mojib Latif hatte die internationalen Sportverbände wegen ihres klimaschädlichen Verhaltens in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Januar kritisiert. "Da kommt gar nichts", sagte Latif etwa mit Blick auf die Bemühungen des Deutschen Fußball Bunds (DFB). So drastisch will der Forscher mittlerweile seine Kritik nicht wiederholen. Er wünscht sich aber mehr sichtbares Engagement. "Die Verbände sagen zwar, dass sie viel machen, aber sie müssen es dann auch zeigen, weil sie eine Vorbildfunktion haben", sagt Latif.

Einige Verbände sind mittlerweile der Klimaschutzinitiative "Sports for Climate Action" beigetreten, einer Erklärung, die die Vereinten Nationen zusammen mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) 2018 aufsetzten. Darin bekennen sie sich dazu, ihren CO2-Ausstoß und den Verbrauch von Ressourcen zu reduzieren. Seit Kurzem sind auch der DFB, UEFA, die deutschen Ski- und Snowboard-Verbände sowie der Motorsport-Weltverband FIA dabei.

Der Forscher Mojib Latif hatte die internationalen Sportverbände wegen ihres klimaschädlichen Verhaltens in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Januar kritisiert. Foto: Carsten Rehder/dpa
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Der Forscher Mojib Latif hatte die internationalen Sportverbände wegen ihres klimaschädlichen Verhaltens in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Januar kritisiert. Foto: Carsten Rehder/dpa


"Das ist natürlich erstmal positiv", sagt Latif. Was am Ende dabei rauskomme, müsse man abwarten. "Aber ich glaube auch, dass die Verbände viel mehr machen können als was sie im Augenblick tun." Der Forscher schlägt zum Beispiel vor, Stadien und Sportstätten energetisch auf den neusten Stand zu bringen. "Vorbildfunktion heißt auch, dass man in allen Bereichen sozusagen immer den letzten Schrei mitmacht, was Umwelttechnologie angeht", meint der Kieler Professor.

DOSB hat Klimaschutz auf der Agenda

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat diesem Thema schon auf der Agenda. Rund 230 000 Sportstätten gibt es in Deutschland, meist aus den 1960er bis 1980er Jahren mit einem hohen Energie- und Ressourcenverbrauch. Heizung, Warmwasser, Beleuchtung und mangelnde Isolierung verursachen jährlich so rund 7,5 Millionen Tonnen CO2, rechnet der Verband auf seiner Website vor. Das entspreche dem jährlichen Verbrauch von sechs Großstädten.

"Wir setzen uns auf politischer Ebene dafür ein, den Sanierungsstau durch Investitionen zu beseitigen mit einem Schwerpunkt auf energetischer Sanierung", sagt Bianca Quardokus, Referentin für Klimaschutz bei dem Dachverband. Denn oft sind Sportstätten in Besitz der Kommunen und nicht der Vereine.

Als weitere Handlungsfelder hat der DOSB die Mobilität von Fans und Sportlern sowie die Sportevents selbst ausgemacht. "Wir merken, dass das Thema Klimaschutz schon seit längerem im Sport ein Thema ist", sagt Quardokus. Etwa seien bei den Landessportbünden und in den Fachverbänden die Zahl der Klimaschutzprojekte zuletzt gestiegen. Gerade die Natursportverbände, die vom Klimawandel besonders betroffen sein werden, stellten Projekte auf die Beine. "Den Vorwurf, dass in den großen Sportverbänden in Sachen Klimaschutz nichts passiert, kann ich nicht teilen", macht Quardokus deutlich.

IOC nennt als Maßgabe CO2-Neutralität

Tatsächlich haben viele Verbände erste Ziele abgesteckt: Das IOC nennt als Maßgabe für die nun wegen der Coronavirus-Pandemie auf 2021 verlegten Sommerspiele in Tokio CO2-Neutralität. Die UEFA beabsichtigt für die ebenfalls auf 2021 verschobene Fußball-EM 600.000 Bäume zu pflanzen - als Kompensation für die Reisen von Fans und Sportlern in die zwölf Austragungsorte. Die FIFA legt für die WM in Katar ein Nachhaltigkeitskonzept auf.

Und auch in Deutschland beschäftigt der Klimaschutz den Fußball: Der DFB arbeitet derzeit an der Erstellung einer Klimabilanz für den Verband. "Auf dieser Basis werden wir eine Strategie und dann sehr konkrete Ziele entwickeln", verspricht DFB-Präsident Fritz Keller in einer Mitteilung. Auch beim neuen Aushängeschild des DFB, der neuen Zentrale und der Akademie will der Verband auf Klimaschutz setzen: LED-Lampen, Regenwasser, das gespeichert wird, und Strom von Photovoltaikanlagen. Doch reicht das?

"Sports for Future" gegründet

"Viele Sportverbände hatten die Klimakrise für sich bisher nicht auf dem Zettel", sagt Stefan Wagner. Zusammen mit anderen hat er im vergangenen Jahr "Sports for Future" gegründet. Wagner und seine Mitstreiter, darunter etwa Werder Bremen oder Fortuna Düsseldorfs scheidender Sportvorstand Lutz Pfannenstiel, teilen die Werte der Bewegung "Fridays for Future" der schwedischen Schülerin Greta Thunberg.

Sicherlich habe es bei Verbänden, Vereinen und Sportlern zunächst Berührungsängste beim Thema Klimaschutz gegeben, aktuell sei aber viel Bewegung zu spüren, zeigt sich Wagner optimistisch. "Ich bin mir sicher, dass wir künftig sehr viel mehr Aktivität und Positionierung zum Klimaschutz sehen werden", erklärt Wagner. "Eben weil Vereine und Verbände feststellen, dass A bislang noch nicht so viel getan wurde und B es auf diesem Feld gute Einflussmöglichkeiten und somit eine Verantwortung gibt."

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