"Das war's. Ich habe fertig" : Hoeneß sagt FC Bayern Servus: Erst Tränen, dann Zurückhaltung

'Es war eine emotionale Sache', sagte Uli Hoeneß im Anschluss an die Jahreshauptversammlung des FC Bayern.
"Es war eine emotionale Sache", sagte Uli Hoeneß im Anschluss an die Jahreshauptversammlung des FC Bayern.

Uli Hoeneß erlebt einen Abschiedsabend mit großen Emotionen. Auch Oliver Kahn wurde kräftig beklatscht.

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15. November 2019, 19:39 Uhr

München | Mitternacht war längst vorbei, als Uli Hoeneß in sein neues Leben als Ex-Präsident des FC Bayern München startete. "Ich muss das alles erst noch verarbeiten. Es war eine emotionale Sache", sagte der 67-Jährige nach einer langen Jahreshauptversammlung des deutschen Fußball-Rekordmeisters, die eine perfekte Inszenierung war.

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"Ich habe mich so sauwohl gefühlt", sagte Hoeneß, der die Münchner Olympiahalle in der Nacht zum Samstag als Ehrenpräsident verließ. Nur über ein paar "Krakeeler" bei den teilweise kritischen Wortmeldungen am Ende der Versammlung ärgerte sich Hoeneß mal wieder gewaltig. Hoeneß' Blick in die Zukunft, in der er nach 40 Jahren in vorderster Reihe nur noch ein einfaches Mitglied im Aufsichtsrat des Clubs sein wird, blieb vage: "Ich muss mein Leben neu orientieren."

Uli Hoeneß kämpfte mit den Tränen

Schon zu Beginn der großen Abschiedsshow nach fast einem halben Jahrhundert als prägendste Persönlichkeit des FC Bayern presste der 67-Jährige auf dem Podium die Lippen fest zusammen. Der scheidende Präsident verneigte sich vor tausenden Mitgliedern, die ihn mit einem donnernden und nicht enden wollenden Applaus feierten. "Vielen, vielen Dank", sagte der ergriffene Hoeneß, der tief durchatmen musste.

"Seit meiner Wiederwahl 1916 haben Sie mir wunderbare Jahre geschenkt." Versprecher von Bayern-Präsident Uli Hoeneß (Er war nach seiner Haftstrafe 2016 wieder zum Präsidenten gewählt worden.)


"Es war eine wunderschöne Zeit. Das war's! Ich habe fertig! Danke!", rief der 67-Jährige vom Podium herab den tausenden Mitgliedern zu. Bei den Standing Ovations und dem nicht endenden wollenden Beifall lächelte der scheidende Präsident glückselig – und bedankte sich.

"Sie haben mich 50 Jahre und mehr begleitet. Sie haben mir das Leben schöner gemacht", sagte Hoeneß, der in der Olympiahalle mehrfach um Fassung bemüht war. Seine Ehefrau Susi küsste er auf der Bühne.


Hoeneß verneigte sich mit feuchten Augen und schaute stolz auf seine Vereinsschäfchen. "Nochmals vielen Dank für diese Zuneigung", sagte er. Sein zum Nachfolger erkorener Freund Herbert Hainer (65) konnte am Freitagabend einmal mehr fühlen, welchen "riesigen Fußspuren" er folgt.

"Der Verein muss selbstbewusst sein, nicht arrogant"

"Der Verein muss sozial sein, der Verein muss selbstbewusst sein, nicht arrogant", formulierte Hoeneß. Er rief die künftige Chef-Riege zur internen Geschlossenheit auf. "Die Gegner sitzen draußen, die dürfen nicht zu Hause sein. Ihr müsst ein starkes Team bilden, ihr müsst stark sein", forderte der Vereinspatron.

Ohne die Mitglieder und deren überwältigende Unterstützung, das betonte Hoeneß gleich zu Beginn des Abends, wäre er nach seiner Zeit im Gefängnis nicht mehr an die Vereinsspitze zurückgekehrt. "Sie haben mir wunderbare Jahre geschenkt", sagte der 67-Jährige.


"Uli Hoeneß, du bist der beste Mann", schallte es immer wieder durch die Halle. Bei pompösen Klängen trugen die nicht mehr für den FC Bayern aktiven Topspieler Franck Ribéry (AC Florenz) und Arjen Robben (Karriereende) Meisterschale und DFB-Pokal auf die Bühne. Basketball-Geschäftsführer Marko Pesic brachte deren Meistertrophäe mit. Es folgten herzliche Umarmungen mit Hoeneß.

In seiner 18 Minuten dauernden Rede blickte Hoeneß auf seine Spielerkarriere und die Anfänge als Manager zurück – und auf den FC Bayern der Zukunft. "Wenn ich vom FC Bayern träume, dann denke ich, da ist ein Tanker, der auf dem Weltmeer entlanggleitet", umschrieb es Hoeneß. "Der Tanker muss geradeaus fahren und nicht nach links schauen – und schon gar nicht nach rechts", appellierte er. Lautstark fiel die Zustimmung der 6091 Mitglieder aus.

Ex-Bayern-Stars tragen Pokale auf Bühne

"Diese Jahreshauptversammlung bedeutet eine große Veränderung für den FC Bayern", erklärte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. "Nach 49 Jahren Herzblut für den Verein" heiße es nun Abschied zu nehmen.

Bei pompösen Klängen trugen die nicht mehr für den FC Bayern aktiven Topspieler Franck Ribéry (AC Florenz) und Arjen Robben (Karriereende) Meisterschale und DFB-Pokal auf die Bühne. Basketball-Geschäftsführer Marko Pesic brachte deren Meistertrophäe mit. Es folgten herzliche Umarmungen mit Hoeneß. Die Überraschung sei geglückt, schwärmte Hoeneß.

Applaus für Kahn – er rückt in den Vorstand auf

Frenetisch gefeiert wurde auch Oliver Kahn, der an der Seite von Sportdirektor Hasan Salihamidzic applaudierte. Der frühere Kapitän und Torhüter Kahn wird im kommenden Jahr Vorstandsmitglied und soll dann zum Nachfolger von Rummenigge (64) aufgebaut werden. Kahn genoss den Jubel. "Da hast du viel Arbeit, um diesen Vorschusslorbeeren gerecht zu werden", erklärte Hoeneß. Den "Bis-auf-Weiteres"-Coach Hansi Flick begrüßte Hoeneß als "Cheftrainer".

"Hansi Flick, unsere Mannschaft hat Borussia Dortmund attackiert, dominiert und am Ende deklassiert", erinnerte Hoeneß an das 4:0 im Liga-Topspiel. "Wenn wir immer so spielen würden wie letzten Samstag, gibt es wenige Mannschaften auf dieser Welt, die uns schlagen können."

In der ersten Reihe von links: Trainer Hans-Dieter Flick, Sportdirektor Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn. Foto: imago images/MIS/Bernd Feil
In der ersten Reihe von links: Trainer Hans-Dieter Flick, Sportdirektor Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn. Foto: imago images/MIS/Bernd Feil


Guardiola? Keine Antwort auf Trainer-Frage

In der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ehemaligen Adidas-Chef Hainer, der sich nach seiner Wahl ins höchste Vereinsamt "stark berührt" zeigte, demonstrierte Hoeneß gleich mal eine neue Form der Zurückhaltung beim Trainerthema. "Vor drei Tagen hätte ich die Frage vielleicht noch beantwortet. Ich fühle mich nicht autorisiert, in der Position, die ich jetzt habe, solche Gedanken zu artikulieren", sagte der Ex-Präsident. Es ging dabei um die Einschätzung der von einem Fan bei der Jahreshauptversammlung gewünschten Rückkehr von Pep Guardiola, der von 2013 bis 2016 Bayern-Trainer war.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte zuvor in der Versammlung verkündet, dass Niko-Kovac-Nachfolger Hansi Flick mindestens bis zum Jahresende Trainer bleiben werde. Rummenigge stellte sogar eine längere Cheftrainertätigkeit Flicks "darüber hinaus" in Aussicht.

Der neue Präsident Hainer betonte, dass die Trainersuche in erster Linie Aufgabe von Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic sei. "Der Vorstand kümmert sich jetzt um die Sache und wird versuchen, nach bestem Wissen und Gewissen den besten Trainer für den FC Bayern München zu bekommen", sagte der langjährige Adidas-Chef, der mit überwältigender Mehrheit für drei Jahre zum Präsidenten gekürt wurde. "Ich weiß, es ist eine große Aufgabe", sagte der 65 Jahre alte Niederbayer zur Nachfolge von Hoeneß.

Hainer sprach seine hohe Wertschätzung für den "super Trainer" Guardiola aus, verwies aber auch auf dessen Vertrag bei Manchester City. An den englischen Meister ist Guardiola bis 2021 gebunden. Der Vorstand müsse mit seinem Vorschlag auf den Aufsichtsrat zukommen, betonte Hainer. "Prinzipiell wollen wir den besten Trainer für den FC Bayern München haben", sagte Hainer.

Erst Stürmer beim FCB, dann Manager und Präsident

In drei verschiedenen Positionen prägte Hoeneß den deutschen Fußball-Rekordmeister ein halbes Jahrhundert prägte: Erst als erfolgreicher Stürmer und Weltmeister von 1974, dann 30 Jahre als Manager und in den letzten zehn Jahren mit einer Unterbrechung wegen einer Haftstrafe als Präsident und Aufsichtsratschef. Sein Mandat im Aufsichtsrat will er bis ins Jahr 2023 weiter ausüben. Zum neuen Präsidenten soll im Verlauf der Versammlung der frühere Adidas-Chef Herbert Hainer gewählt werden.

In den vergangenen Tagen war Hoeneß von Größen aus dem Fußball und der Politik gewürdigt worden. Ob Ehrenpräsident Franz Beckenbauer, Bundestrainer Joachim Löw oder Triple-Trainer Jupp Heynckes – alle hoben die Einzigartigkeit und Größe von Hoeneß' Lebenswerk hervor.

Mit zwölf Millionen Mark Umsatz und sieben Millionen Mark Schulden legte Hoeneß als 27-Jähriger am 1. Mai 1979 als Manager beim FC Bayern los. An seinem groß zelebrierten Abschiedsabend durfte er sich einmal mehr über imposante Wirtschaftsdaten freuen. Der Umsatz stieg auf den Rekordwert von 750,4 Millionen Euro in der abgelaufenen Spielzeit. Der Gewinn nach Steuern betrug 52,5 Millionen Euro. Mit 336,2 Millionen Euro war der Personalaufwand der größte Posten auf der Ausgabenseite.

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