Sieg nach Overtime-Krimi : "Eine geölte Maschine": Adler Mannheim sind deutsche Eishockey-Meister

Das 4:1 durch Tommi Huhtala (61, Adler Mannheim) gegen Danny aus den Birken (33, Torwart, EHC RB München).
Das 4:1 durch Tommi Huhtala (61, Adler Mannheim) gegen Danny aus den Birken (33, Torwart, EHC RB München).

Der Triumph ist verdient, auch wenn es Gegner im fünften Finale nochmal ganz spannend machte.

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26. April 2019, 22:42 Uhr

Mannheim | Als Super-Torhüter Dennis Endras um 22:58 Uhr den funkelnden Silberpokal in die Höhe reckte, waren die Adler Mannheim nach einer Rekord-Saison am Ziel. In einem furiosen Endspiel haben die Kurpfälzer den EHC Red Bull München in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) entthront und konnten im goldenen Konfettiregen in eine wilde Partynacht starten. Das 5:4 (2:0, 2:2, 0:2, 1:0) nach Verlängerung sicherte Mannheim am Freitagabend den entscheidenden Erfolg über den Titelverteidiger und den achten Meistertitel. "Jetzt können wir die Sau rauslassen", verkündete Ex-Nationalspieler Marcel Goc noch ganz verzückt von der Overtime-Erlösung durch Thomas Larkin.

Der Abwehrspieler hatte mit seinem Treffer in der 74. Minute für die Erlösung und den vierten Mannheim-Sieg nacheinander in der Finalserie gesorgt. Das war die Krönung einer famosen Saison des Teams von Pavel Gross, der seinen ersten Meistertitel als Trainer feierte. "Die Mannschaft hat super gearbeitet, das sind gute Charaktere, gute Leute", sagte der Coach, ehe er im TV-Interview bei Magenta Sport von Nationalspieler David Wolf mit Bier überschüttet wurde.

Torhüter Endras wurde zum "Wertvollsten Spieler" (MVP) der Playoffs ausgezeichnet. Gegen München blieb der Nationalspieler in zwei Spielen ohne Gegentreffer, das war noch keinem Goalie in einem DEL-Finale gelungen. Als der Triumph perfekt war, wurde Endras emotional und erzählte, dass während dieser Playoffs sein Opa gestorben sei und seine Oma just fünften Finaltag Geburtstag hatte.

Die Reaktionen

Ich weiß gar nicht, wie das Tor passiert ist. Aber das ist mir auch egal, wir haben gewonnen. Jetzt können wir die Sau rauslassen. Olympia-Kapitän Marcel Goc bei "Sport1"
Sie haben eine fantastische Saison gespielt und verdient gewonnen. Unsere Saison ist nicht perfekt zu Ende gegangen, aber wir haben viel erreicht. Stolz ist das eine Wort, das ich für mein Team habe. Münchens Trainer Don Jackson
Das ist eine geölte Maschine, die da läuft. DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke bei "Magenta Sport"

In einem wilden Match schien Red Bull als Champion von 2016, 2017 und 2018 zunächst keine Chance zu haben und geriet durch die Tore von Goc (6. Minute), Cody Lampl (12.), Matthias Plachta (24.) und Tommi Huhtala (31.) mit 0:3 und 1:4 in Rückstand. Mit dem Mut der Verzweiflung kämpften sich die verletzungsbedingt dezimierten Münchnern aber zurück und glichen durch Trevor Parkes (26.), Andreas Eder (39.), Patrick Hager (46.) und Yasin Ehliz (48.) aus.

Am Ende ging die Finalserie doch mit 4:1 an die Adler. Die Mannheimer vermasselten dem lange erschöpft wirkendem EHC das Ziel, als erstes Team vier DEL-Titel nacheinander zu gewinnen. Mit dem siebten DEL-Titel schlossen die Adler zu den Eisbären Berlin auf.

Mit einer grandiosen Bilanz von nur zwei Niederlagen in 14-Playoff-Spielen beendeten die Mannheimer ihre Saison. Nur neun Monate nach dem radikalen Neuanfang der Adler mit dem langjährigen Wolfsburger Trainer Gross ist der Traditionsverein am Ziel.

In allen Finals in Führung gegangen

Die Adler waren in allen Final-Duellen in Führung gegangen. Das war mit ein Grund für den Erfolg – auch im entscheidenden Match am Freitagabend. Die erste Überzahl der Gastgeber war gerade abgelaufen, als der frühere NHL-Stürmer Goc mit seinem ersten Tor in den diesjährigen Playoffs die Zuschauer erstmals jubeln ließ. Ein Spielzug aus dem eigenen Drittel führte dann zum 2:0: Über Goc kam der Puck zu Verteidiger Lampl. Münchens Nationaltorhüter Danny aus den Birken rettete danach mehrfach vor einem noch höheren Rückstand.

"Ich genieße jede Sekunde jetzt", sagte Adler-Manager Jan-Axel Alavaara bereits in der ersten Drittelpause bei Magenta Sport. Plachta legte nach einem Pass von David Wolf schnell für Mannheim nach. Dem Red-Bull-Team war der Kräfteverlust aus der deutlich höheren Belastung in den Playoffs dagegen anzumerken. In der Offensive fand der Champions-League-Finalist lange kaum Lösungen, um den Kurpfälzern die Titelsause vor eigenem Publikum zu vermasseln.

Mit dem Anschluss zum 1:3 endete dann aber eine knapp zweistündige Durststrecke in der Finalserie ohne eigenen Treffer. Andreas Eder unterstrich, dass die Gäste sich nicht aufgaben – auch nicht nach dem 1:4. Die beiden Olympia-Medaillengewinner Hager und Ehliz sorgten tatsächlich für den Ausgleich. Das Happy End aber hatte Mannheim.

Fans sagen "Danke"

Das Adler-Fanprojekt hatte zuvor einen "Liebesbrief" an den Verein veröffentlicht. Darin bedankt sich "ein Fan" dafür, dass die Adler hin in dieser Saison "grandios unterhalten" und "wahrlich begeistert" hätten. "Ihr steht als Team auf dem Eis und diese Art von Chemie ist selten", meint der Fan und ergänzt: "Ihr habt in dieser verrückten Eishockeystadt ein neues Feuer entfacht."

Die Huldigung wurde mehrere hundert Mal auf Facebook geteilt. Viele kommentieren, er spreche ihnen aus der Fanseele.

Deutsche Eishockey-Meister der vergangenen zehn Jahre

  • 2009 Eisbären Berlin
  • 2010 Hannover Scorpions
  • 2011 Eisbären Berlin
  • 2012 Eisbären Berlin
  • 2013 Eisbären Berlin
  • 2014 ERC Ingolstadt
  • 2015 Adler Mannheim
  • 2016 EHC Red Bull München
  • 2017 EHC Red Bull München
  • 2018 EHC Red Bull München
  • 2019 Adler Mannheim
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