TV-Tipp : Wolfsland - Heimsuchung

Burkhard «Butsch» Schulz (Götz Schubert) und Viola Delbrück (Yvonne Catterfeld) - und die Heimsuchung?. /dpa
Burkhard «Butsch» Schulz (Götz Schubert) und Viola Delbrück (Yvonne Catterfeld) - und die Heimsuchung?. /dpa

Den Papa hat der Wolf gefressen - sagt das kleine Mädchen mit der roten Kappe. Was märchenhaft beginnt, wird für die Görlitzer Kommissare Schulz und Delbrück im sechsten Teil der «Wolfsland»-Reihe ein verzwickter Fall. Und anfangs steht selbst das in Frage.

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05. Dezember 2019, 00:01 Uhr

Ein Haus, abgelegen, im Nirgendwo. Nachts ist es hier so dunkel, dass man die Silhouette kaum vom Himmel unterscheiden kann. Nur das Licht aus den Fenstern leuchtet, überstrahlt alles. Hinter den Gardinen steht ein Mann, in Panik. Irgendetwas da draußen aktiviert den Bewegungsmelder, das Hoflicht geht an. Es knarzt.

Der sechste Teil der «Wolfsland»-Reihe um die Görlitzer Kommissare Burkhard Schulz und Viola Delbrück hat durchaus kleine Gruselmomente. Da der Film aber am Donnerstagabend (20.15 Uhr) im Ersten läuft, ist die Folge «Heimsuchung» dann doch nur Krimi und kein Thriller.

Das Ermittler-Duo, gespielt von Götz Schubert und Yvonne Catterfeld, bekommt es mit einem eher ungewöhnlichen Tatort zu tun: ein verlassenes Auto mit Blutspuren. Die Fahrerin ist verschollen, gilt als vermisst. Ihr Mann hat sie seit fünf Tagen weder gehört noch gesehen - aber jemand anderes hat die Polizei alarmiert. Während für Delbrück klar ist, dass die Frau tot und ihr Mann tatverdächtig ist, glaubt Schulz eher daran, dass die Ehe nicht mehr intakt war und das vermeintliche Opfer lediglich das Weite gesucht haben wird.

Der mutmaßlich gehörnte Ehemann bringt sich selbst dabei immer mehr in die Bredouille. Mit Lügen und verdächtigen Aktionen rückt der einstige Fluchthelfer sich immer weiter ins Visier der Ermittler. Nur die Leute im Dorf stellen ihm einen passablen Leumund aus: «Der Bodo is'n Guter», sagen sie. «Die Heike auch, nur 'n bisschen wilder.»

Derweil geraten aber peu à peu auch andere Figuren unter Verdacht. Und immer wieder werden mysteriös-märchenhafte Szenen eines kleinen Mädchens mit roter Kappe eingeblendet, dessen Vater - so macht es den Eindruck - im Wald von einem Wolf gefressen wird. Zwar ahnt der Zuschauer von Anfang an, dass das nochmal relevant wird. Bis sich die einzelnen Stränge aber zu einem Gesamtbild fügen, dauert es.

Die Autoren Sönke Lars Neuwöhner und Sven S. Poser haben in das Drehbuch zudem ein Stück DDR- und Grenzgeschichte geschrieben, die dem Ganzen jetzt - knapp einen Monat nach dem Mauerfallgedenken - eine besondere Note gibt. Die beiden sind für alle «Wolfsland»-Teile verantwortlich, der fünfte lief just vor einer Woche. 5,09 Millionen Zuschauer schalteten ein, ein Marktanteil von 16,7 Prozent. Auch bei den vorherigen Teilen sahen jeweils mehrere Millionen Menschen zu.

Und auch dieses Mal wird die Geschichte der beiden Kommissare weitergesponnen. Schulz, den alle «Butsch» nennen, wird zunehmend lockerer. Eine Freundin attestiert ihm sogar, die neue Kollegin tue ihm gut, mache ihn freundlicher. Unterdessen erklärt er, warum er permanent alle duzt: «Weil alle dieselben Arschgeigen sind.» Delbrück derweil hat parallel zum aktuellen Fall einen Prozess gegen ihren Ehemann zu führen, der sie schwer belastet. Trotz dieser Anspannung wird das Verhältnis zwischen den Kommissaren entspannter. Vor allem die Dialoge sind knackig. Als es um seine Karriere bei der Polizei geht, fragt sie: «Und vorher, was waren Sie da?» Antwort: «Asozial.»

Mit die verstörendste Rolle nach wie vor ist Dienststellenleiter Dr. Tobias Grimm (Stephan Grossmann). Mal taucht er urplötzlich auf, mal wandelt er gewissermaßen durchs Polizeirevier. Immer im Anzug. Und meist spricht er unheimlich - und unheimlich langsam - Sätze wie «Machen Sie Frieden mit sich.» Auch hier: ein bisschen Gruselfaktor.

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