TV-Tipp : Strandgut - Der Usedom-Krimi

Karin Lossow (Katrin Sass) will Morten ((Joen Højerslev) mit einer Kiste Schnaps milde stimmen. /NDR Presse und Information/dpa
Karin Lossow (Katrin Sass) will Morten ((Joen Højerslev) mit einer Kiste Schnaps milde stimmen. /NDR Presse und Information/dpa

Als der «Usedom-Krimi» begann, habe sie sich einfach reinfallen lassen, sagt Katrin Sass. Fünf Jahre später steht sie weiterhin auf der Ostseeinsel vor der Kamera - gleich zwei neue Folgen zeigt das Erste.

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07. November 2019, 00:01 Uhr

Schwerin (dpa) – Zwei Jubiläen – über das eine spricht Schauspielerin Katrin Sass ganz liebevoll, bei dem anderen kommt schnell Kritik. Sanft klingt ihre Stimme, wenn sie vom Plätschern der Wellen vor Usedom erzählt.

Fünf Jahre liegt der Start der Reihe «Der Usedom-Krimi» jetzt zurück. Nach «Strandgut» am Donnerstag (7. November/20.15 Uhr) läuft eine Woche später mit «Träume» (14. November/20.15 Uhr) der zehnte Fall im Ersten. Dass sie immer noch als Ex-Staatsanwältin Karin Lossow auf der Ostseeinsel vor der Kamera stehen würde, hätte sie anfangs auch nicht gedacht, sagt die 63-Jährige, aber: «Es plätschert das Meer, es passiert ein Fall, der nebenbei behandelt wird – das Gemisch stimmt einfach.»

Mit dem zweiten Jubiläum ist der Mauerfall gemeint - am 9. November 1989 vor 30 Jahren. Die in Schwerin geborene und aufgewachsene Schauspielerin, bekannt auch durch ihre Rolle im Kinoerfolg «Good Bye, Lenin!» (2003) und der Serie «Weißensee», sagt: «Wenn ich mir in Dokus die Bilder von damals anschaue, merke ich, dass auch ich manches vergessen habe und bin entsetzt. So haben wir damals gelebt?!», sagt Sass. Ihre Kritik: Den Deutschen gehe es heute so gut wie noch nie – «und sie meckern». Natürlich sei vieles noch nicht in Ordnung und gebe es Menschen am Rande der Gesellschaft, die auf Hilfe angewiesen seien. «Aber sie können sich helfen lassen, es muss bei uns keiner unter der Brücke leben.»

Als die Mauer fiel, sei sie in ihrer Wohnung in Potsdam in der Nähe der Glienicker Brücke gewesen. Die Brücke zwischen der DDR und West-Berlin wurde am 10. November geöffnet. Mit Massen komme sie aber nicht klar, sagt Sass, deshalb habe sie mit ihrem Besuch im Westen bis zum nächsten Tag gewartet.

Vor und nach dem Mauerfall-Jubiläum laufen nun ihre beiden neuen Krimis. In «Strandgut» spült das Meer nicht nur eine Leiche an, bei der sich die dänische Kommissarin Ellen Norgaard (Rikke Lylloff) fragt, ob es sich um ihre lange gesuchte Mutter handelt. Es geht auch um Munitionsrückstände aus dem Zweiten Weltkrieg: weißen Phosphor, der aussieht wie Bernstein und zu schweren Verbrennungen führen kann. 

Karin Lossow versucht, die kleine Strandgut-Sammlerin Ada zu schützen, indem sie selbst den Strand kontrolliert. Adas Vater sucht derweil direkt Lossows Hilfe, weil er dubiose Geschäfte bei der Auftragsvergabe zum Bergen von Kampfmitteln vor Usedom vermutet.

In «Träume» (14. November) wird ein Architekt kurz vor seiner Hochzeit ermordet. Im Mittelpunkt steht die Familientragödie eines Bauunternehmers, der nach der Wende marode Häuser erwarb, restaurierte und wieder verkaufte. Es ist der zehnte Film der Reihe, die auf ruhig erzählte Geschichten setzt - und in die sich Sass damals, wie sie sagt, einfach reinfallen ließ. «Entweder es läuft oder nicht, dann soll es so sein. Wenn die Einschaltquote nicht stimmt, sind wir sowieso weg. Ich schaue einfach, was passiert.»

Als im Februar zwei neue Ausgaben liefen, schalteten 5,35 Millionen und 4,34 Millionen Zuschauer ein. Sass' Wunsch für die Zukunft ist es, immer mehr loszulassen. «Nicht nur von Projekten, sondern auch innerlich. Ich möchte mir keinen Druck mehr machen.»

Gedreht wird der Usedom-Krimi vor allem im Winter. «Inzwischen drehen wir gleich drei Filme am Stück, da nehme ich mir auch gar nichts anderes mehr vor», erzählt Sass. «Mit Stress, Hektik und Druck kann ich überhaupt nicht leben.» Sie versuche immer mehr zu entschleunigen. «Dieser Beruf ist noch immer meins, aber ich muss mich nicht mehr über ihn identifizieren.»

Am Anfang seien es auch für sie die Bretter, die die Welt bedeuten, gewesen. Das habe ihr auch ihre Mutter, die als Heidi Kabel des Ostens geltende Schauspielerin Marga Heiden (1921-2013), mitgegeben. «Bei ihr blieb das ein Leben lang so, aber für mich ist es nicht mehr der Nabel der Welt. Ich finde das Leben wichtiger als ein Leben lang zu strampeln.»

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