TV-Tipp : Meine geniale Freundin

Lila und Lenù sind zurück. Die beiden Mädchen aus Elena Ferrantes Bestseller «Meine geniale Freundin» rebellieren wieder im Neapel der Nachkriegszeit gegen die Normen einer männlich dominierten Gesellschaft. Dabei entfernen sich ihre Lebenswege immer weiter voneinander.

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07. Mai 2020, 00:01 Uhr

Die neapolitanische Saga geht weiter. Die Geschichte um die Freundinnen Raffaella Cerullo (Lila) und Elena Greco (Lenù) im Neapel der 1950er Jahre ist ab Donnerstag (7. Mai) in der zweiten Staffel auf der Streamingplattform Magenta TV zu sehen. Der amerikanische Serienproduzent HBO und die italienische RAI haben sich viel Zeit für die Verfilmung der Bestseller von Elena Ferrante genommen. Jedes Buch der vierteiligen Reihe bekommt eine eigene Staffel. Der zweite Teil läuft nun unter dem Namen «Meine geniale Freundin - Die Geschichte eines neuen Namens».

Ging es in der ersten Staffel um die Kindheit der beiden Mädchen in einem armen Vorort von Neapel, sind sie nun an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Das einst kleine, dürre Mädchen Lila mutiert nach ihrer Hochzeit zu Signora Carracci, bewundert und beneidet im Viertel aufgrund ihrer Schönheit und der Verbindung zu dem wohlhabenden Stefano. Doch ihr rebellisches Wesen sorgt weiter für reichliche Komplikationen.

Mit Lenù verbindet Lila eine genauso innige wie rivalisierende Freundschaft. Die Unterschiede der jungen Frauen scheinen dabei immer größer zu werden. Auf der einen Seite das Brille tragende Schulmädchen Lenú, das fleißig Bücher fürs Gymnasium wälzt. Auf der anderen die mondäne Lila, stets geschminkt und in den schicksten Klamotten, die mit den Problemen einer Hausfrau zu kämpfen hat.

Die Produzenten um Saverio Costanzo und Paolo Sorrentino haben das Neapel aus den Büchern Ferrantes mit viel Liebe zum Detail inszeniert. Die üppig ausgestatteten Szenen in Straßen, auf Marktplätzen und in Bars lassen den Zuschauer in die pulsierende Welt der süditalienischen Hafenstadt in den 1950er Jahren eintauchen.

Das Besondere an der Serie wie an den Büchern ist ihre explizit weibliche Perspektive. Während viele Serien und Filme die Hierarchie, die Gewalt und den Sexismus der italienischen Gesellschaft aus der Sicht eines eiskalten Paten oder Zigarre rauchenden Mafiabosses erzählen, stellen hier zwei Mädchen aus dem Armenviertel gesellschaftliche Normen der Nachkriegszeit infrage.

Mitunter fällt es bei der Serie schwer, den Überblick über alle vorkommenden Personen zu behalten. Sehr groß sind die Verbindungen und Verflechtungen der vielen Bewohner des imaginären Stadtteils Rione, die alle eine gemeinsame Familie zu bilden scheinen.

Verloren gegangen ist in der deutschen Fassung leider der so wichtige Unterschied zwischen italienisch und Dialekt sprechenden Neapolitanern - oder Charakteren, die beides je nach Situation anwenden können, wie die Hauptfigur Lenù. Denn gerade die Sprache steht exemplarisch für die gesellschaftliche Teilhabe und die große soziale Ungleichheit, die unter den Bewohnern des Viertels herrscht.

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