TV-Tipp : Der Fall Doktor Schiwago

Eine Szene aus der TV-Doku «Der Fall Doktor Schiwago». /ARTE France/dpa
Eine Szene aus der TV-Doku «Der Fall Doktor Schiwago». /ARTE France/dpa

Es ist nicht die erste Dokumentation über «Doktor Schiwago». Doch hier steht nicht die Geschichte der Romanfigur im Vordergrund, sondern die des Autors. Die Dokumentation zeigt, welche Strapazen und Gefahren Boris Pasternak für die Veröffentlichung auf sich nahm.

von
06. November 2019, 00:01 Uhr

Ein Literatur-Nobelpreis für den Roman, fünf Oscars für die Verfilmung - «Doktor Schiwago» (1958) verschaffte dem russischen Schriftsteller Boris Pasternak weltweite Aufmerksamkeit.

Die sowjetische Zensur verbot den ersten und einzigen Roman Pasternaks, in Hollywood wurde er 1965 in Starbesetzung mit Omar Sharif verfilmt. Was das für das Leben Pasternaks bedeutete, zeigt die Dokumentation «Der Fall Doktor Schiwago - Ich lade Sie zu meiner Hinrichtung ein».

«Doktor Schiwago» ist eine tragische Liebesgeschichte mit einer für damalige Verhältnisse revolutionären Gesellschaftskritik der Oktoberrevolution von 1917. Heimlich wurde das Manuskript über die Grenze geschafft und 1957 übersetzt. Auf offiziellem Wege konnte Pasternak das gesellschaftskritische Stück nicht veröffentlichen. So setzte er alles daran, sein Manuskript ins Ausland zu bringen.

Nach Italien, nach England, nach Polen und nach Frankreich schafften es seine Entwürfe. Freunde und Unterstützer Pasternaks werden in der Dokumentation vorgestellt. Der Literaturagent Sergio D'Angelo, der ein Manuskript für Pasternak zum Feltrinelli-Verlag nach Mailand brachte, die Französin Jaqueline de Proyart, die sein Buch von Moskau nach Paris schmuggelte. Ebenso wie der Philosophieprofessor Paolo Mancosu, der im Verlauf der Dokumentation von Pasternaks Unterfangen berichtet. Auch seine Enkelin Elena und ein alter Freund kommen zu Wort.

Dreh und Angelpunkt der Dokumentation ist das alte Anwesen des Schriftstellers. Im Verlauf der Dokumentation werden immer wieder Bilder und Räume aus dem heutigen Museum gezeigt. Briefe und Textpassagen Pasternaks werden zitiert.

1958 wurde Pasternak der Literatur-Nobelpreis zugesprochen. In seiner Heimat löste die Ehrung eine Hetzkampagne aus, Pasternak wurde als Feind kommunistischer Ideale verfemt. Er verzichtete schließlich auf den Preis. Heute ist bekannt, dass der US-Geheimdienst CIA den weltweiten Erfolg des Romans für Propagandazwecke im Kalten Krieg gezielt förderte.

Die Reportage berichtet über die Herausforderungen eines Mannes, der mit seinem Roman aus dem Verborgenen kämpfte. Freunde und Gegner helfen dabei, die damaligen Vorgänge zu rekonstruieren. Wütend und traurig, bewundernd und verunsichert, leise aber bestimmt legen sie die Reise dar, die Autor und Roman zurücklegten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen